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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

11. Dezember 2017 | 23:56 Uhr

„Sportfest der Vielfalt“ : Willkommen, Ukraine !

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Mit Warenern befreundete Behinderte aus der Region Poltava gastierten in der Seestadt und in Schwerin. Spartakiade steht bevor

svz.de von
erstellt am 30.Mai.2016 | 05:00 Uhr

Internationales Flair in der ehemaligen Plauer Jugendherberge: Zu Gast waren dort 18 ukrainische Behinderte, die am Schweriner „Sportfest der Vielfalt“ teilnahmen. Sie stammen aus der Region (Oblast) um Poltava. Diese ukraiunische Stadt zählt mehr als 300 000 Einwohner, liegt 350 Kilometer südöstlich der Haupstadt Kiew und ist von Plau ungefähr 1600 Kilometer entfernt (Luftlinie). Der Behindertenverband der dortigen Region hat 52 000 Mitglieder. Davon sind 3500 an den Rollstuhl gefesselt, darunter 600 Kinder. Chef des Verbands ist Sergeii Chumak. „Behinderte haben angesichts der schwierigen politischen und wirtschaftlichen Lage und bei unserer trägen Bürokratie einen schweren Stand.“ Als junger Soldat hatte der 55-Jährige vor 33 Jahren einen Unfall erlitten, ist seitdem von der Hüfte abwärts gelähmt und auf einen Rollstuhl angewiesen. Seit 2012 besteht eine Partnerschaft mit dem Behindertenverband Müritz. Die Warener hatten sich ebenfalls in Plau einquartiert und waren in Schwerin mit Tischtennisspielern vertreten.

Am Samstagabend nun der Höhepunkt des gemeinsamen Aufenthalts in Plau: Die Parchimer Tanzteufel hatten sich angesagt, vier Rollstuhlfahrer mit ihren „normalen“ Tanzpartnern. In der Sporthalle unterhielt die Truppe um Rüdiger Börst mit Formationstänzen in Seeräuber- und Revuekostümen, als Nachtgespenster oder Indianer und Cowboys („Komm, hol das Lasso raus!“), aber auch mit langsamen Walzern. Börst hatte außerdem für das ukrainische Geburtstagskind Galyna ein Geschenk parat., bevor sich Delegationsleiter Sergeii Chumak zu einem Walzer entführen ließ. Der Aufenthalt in Plau endete mit einem Grillabend. Gestern machte sich der Bus der Ukrainer auf den mehr als 20-stündigen Heimweg. Mit an Bord die Wariner, die dann in Poltava an einer Spartakiade für Behindertensportler teilnehmen, bevor sie am 6. Juni den Rückflug antreten.

Die einstige Herberge bietet 152 Betten und kann als einzige in Mecklenburg-Vorpommern gleichzeitig bis zu 80 Rollstuhlfahrer aufnehmen. Geführt wird sie seit 1987 von Petra und Wolfgang Giese (62). „Behinderte erfordern einen hohen Aufwand, sind aber ein äußerst dankbares Publikum“, hat Wolfgang Giese erfahren. Er zählt zu den Mitgründern des Plauer Vereins „Hai Live“, der Segelkurse für Behinderte bietet. Als sich das Jugendherbergswerk wegen des Sanierungsstaus der Herberge aus Plau zurückzog, wagten die Eheleute 2005 den Schritt in die Eigenständigkeit. „Wir haben für den Kauf und barrierefreien Umbau des Hauses viel Geld in die Hand genommen.“ Eine weitere Investition war dann der Bau der Mehrzweckhalle. Sie bietet auf einer Fläche von 20 auf 30 Metern ein vollwertiges Spielfeld mit Markierungen für Volley-, Basket- und Handball. Aber auch Veranstaltungen mit der katholischen Kirche oder Konzerte britischer Country-Bands hat der Neubau schon erfolgreich überstanden. „Wir gehen in unserer Arbeit voll auf.“ Die Behindertensportler nutzen meist die etwas ruhigere Vor- und Nachsaison und verlängern damit die Belegungszeit für das Haus. Herberge und seine Halle werden inzwischen nicht allein von Rollstuhlfahrern und Behindertensportlern genutzt, sondern auch von Menschen mit anderen Handicaps. „Wir hatten bei uns auch schon dreiwöchige Reha-Sprachkurse“, berichtete Giese abschließend.

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