Lübz: Kleiderspenden als Horrorshow : Wildschweinfell und Kaninchenbeine

<strong>Jutta Krüger (l.)</strong> und Sabine Natzke gestern beim Sortieren der nächsten Fuhre Kleiderspenden<foto>ilja baatz</foto>
Jutta Krüger (l.) und Sabine Natzke gestern beim Sortieren der nächsten Fuhre Kleiderspendenilja baatz

Kleiderspenden sind eine gute Sache. Doch manchmal ist der Inhalt der Sammelcontainer haarsträubend. Wie ein frisch abgezogenes Wildschweinfell. Auch Katzentoiletten, vergammelte Hähnchen oder Kaninchenbeine kamen vor.

svz.de von
20. Juni 2012, 10:09 Uhr

lübz | "Guck mal, alles gute Sachen - selten. Die werden gern genommen." Sabine Natzke sortiert mit ihrer Kollegin Jutta Krüger einen Berg Kleiderspenden in einer Garage des DRK in der Scharnhorststraße. Öfter machen beide und ihre Kolleginnen hier drastische Erfahrungen: "Wir fühlen uns manchmal mehr als Lumpenhändler oder - eine Stufe schlimmer - als Müllfrauen. Die härtesten Erlebnisse waren der Fund eines frisch abgezogenen Wildschweinfells und plötzlich den Inhalt von Katzentoiletten, Asche und Kaninchenbeine vor sich liegen zu haben. Einmal war durch das Untermengen unzähliger vergammelter Hähnchen eine ganze Ladung - bestimmt eine gute halbe Tonne - komplett unbrauchbar geworden."

Ursel Riemann ist Fachbereichsleiterin für Soziales im DRK-Kreisverband Parchim e.V. In ihre Obhut gehören Sozialstationen, Seniorenwohnanlagen, die Demenz-WG in Lübz und Banzkow sowie die Kleiderkammer in Lübz und der Charity-Chop in Parchim. "Was die Kleidung betrifft, ist die Entwicklung grundsätzlich gesehen positiv", sagt sie. "Kadaver etwa haben wir schon lange nicht mehr gefunden. Im vorigen Jahr mussten wir gut 800 Euro für Müllentsorgung ausgeben. Dieser Wert lag schon einmal bei 1700 Euro. Auch daran lässt sich die Verbesserung ablesen."

Nach wie vor werden jedoch zum Beispiel immer wieder Speisereste untergemengt, was Ursel Riemann als "Zumutung für die Mitarbeiter" ansieht. Wer sich so benehme, lege ein Verhalten unter der Gürtellinie an den Tag. Auf der Abfallliste stehen außerdem immer wieder gebrauchte Windeln und Kondome, alte Teppiche und Elektroschrott. Sind die Abfälle verschimmelt, wird in der Regel sofort die gesamte Ladung weggeworfen. "So etwas zu verursachen bedeutet, keine Achtung vor den Spenden anderer, unseren Mitarbeitern und vor allem auch den Menschen zu haben, die die Kleidung dringend benötigen - herabwürdigend!", sagt Ursel Riemann. "Das ist unmoralisch und respektloser Umgang miteinander. Durch so etwas wird Respekt mit Füßen getreten!"

Im Bereich Parchim, Sternberg, Lübz und Plau am See bis nach Leezen hat der DRK-Kreisverband 63 Altkleidersammelbehälter aufgestellt, die in den Städten montags und mittwochs, in größeren Orten einmal pro Woche und sonst mindestens einmal im Monat geleert werden. Pro Jahr kommen etwa 14 bis 15 Tonnen zusammen, wovon letztlich jedoch nur etwa ein Drittel wegen der oft schlechten Qualität in der Kleiderkammer angeboten werden kann.

Unter anderem bei Haushaltsauflösungen seien viele der Meinung, eine Menge gute Ware anbieten zu können. "Objektiv betrachtet stellt sich dann jedoch heraus, dass Sachen oft zu alt und nicht mehr tragbar sind", so Ursel Riemann. "Kunden, die in die Kleiderkammer kommen, sind bedürftig, was jedoch nicht bedeutet, dass sie keinen Anspruch auf vernünftige Ware haben. Dabei geht es nicht darum, top modisch sein zu wollen, aber ansehnlich und heil muss es sein. Wir wollen und dürfen niemanden als Kunden der Kleiderkammer kennzeichnen." Für viele bedeute es schon eine Überwindung, überhaupt dorthin zu gehen. Kein Geld für Kleidung in normalen Geschäften ausgeben zu können, sei in vielen Fällen keine Ausnahme, weil Hartz IV oft nur für den Lebensunterhalt ausreiche. Beschriebene Verunreinigungen seien vor diesem Hintergrund doppelt verwerflich. Das DRK hat keine Möglichkeit, die Kleidung zu waschen, so dass dann oft nur der Weg in die Mülltonne bleibt.

In der Kleiderkammer und dem Charity Chop - einer seit 2006 bestehenden Weiterentwicklung - werden die Spenden für einen symbolischen Preis abgegeben. Den Erlös verwendet das DRK für satzungsgemäße Aufgaben, zum Beispiel für die Unterstützung der Aktivitäten des Jugendrotkreuzes. Der Kinder- und Jugendbereich wird meistens bedacht.

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