Keine Rettung in sicht : Wildpflanzen – eine bedrohte Art

Wenn der Klatschmohn sein leuchtendes Rot präsentiert, ist der Sommer nah.
Wenn der Klatschmohn sein leuchtendes Rot präsentiert, ist der Sommer nah.

Ein Tag im Zeichen des Klatsch-Mohns: Heute Vortrag der „Loki Schmidt Stiftung“ in Karow mit anschließender Exkursion

svz.de von
31. Mai 2017, 20:00 Uhr

Morgen (1. Juni) findet im Karower Meiler, dem Ausstellungszentrum des Naturparks Nossentiner/Schwinzer Heide, eine ganz besondere Veranstaltung statt. Die namhafte Loki Schmidt-Stiftung aus Hamburg widmet in Zusammenarbeit mit der Landeslehrstätte für Naturschutz und nachhaltige Entwicklung einen ganzen Tag der Blume des Jahres 2017, dem Klatsch-Mohn.

Die Pädagogin Hannelore „Loki“ Schmidt, wurde neben ihrem Ehemann, dem ehemaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt, besonders durch ihre Liebe zur Natur bekannt. 1976 gründete sie das Kuratorium zum Schutz gefährdeter Pflanzen, das 1979 in eine Stiftung überführt wurde. Durch den Zusammenschluss mit der Stiftung Naturschutz Hamburg entstand 1990 die heutige „Stiftung Naturschutz Hamburg und Stiftung Loki Schmidt zum Schutze gefährdeter Pflanzen“ kurz die „Loki Schmidt Stiftung“.

Seit 1980 macht die „Loki Schmidt Stiftung“ mit der Aktion „Blume des Jahres“ auf gefährdete Pflanzenarten und ihre Lebensräume aufmerksam. Loki Schmidt sagte einst: „Ich möchte erreichen, dass der Pflanzenschutz mehr ins Bewusstsein der Menschen kommt. Dass die Menschen begreifen: Die Pflanze ist die Basis. Denn ohne Pflanze gäbe es keine Tiere und uns schon mal sowieso nicht.“ Nach dem Tod von Loki Schmidt 2010 wurde die Stiftungsarbeit kontinuierlich fortgesetzt. Die Stiftung kauft in ganz Deutschland Flächen für den Naturschutz. In Hamburg werden zwei Informationshäuser geführt, Seminare und Vortragsveranstaltungen in ganz Deutschland organisiert. Einen großen Raum nimmt die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ein.

In diesem Jahr wurde der Klatschmohn zur Blume des Jahres gekürt. Mit dieser Wahl möchte die Loki Schmidt Stiftung auf den Verlust und die Gefährdung von Ackerwildpflanzen aufmerksam machen und sich für die Förderung der Biodiversität im Landbau einsetzen. Der Klatschmohn steht so auch für viele andere, teilweise deutlich stärker bedrohte Begleitpflanzen der Äcker. Denn während hoch spezialisierte Ackerwildkräuter wie zum Beispiel die Kornrade und der Lämmersalat aktuell fast ausgestorben sind, ist der Klatschmohn ein wahrer Überlebenskünstler. Sobald seine Farbakzente die Landschaften schmücken, ist der Sommer nicht mehr fern. Die strahlend roten Blüten zwischen den Getreidehalmen scheinen uns ein vertrauter Sommerbegleiter zu sein. Tatsächlich aber sind die zarten Blüten auf Äckern gar nicht mehr so häufig zu sehen.

In den intensiv bewirtschafteten Äckern lebten ursprünglich rund 350 Pflanzenarten. Viele davon können heute als biologisches Erbe unserer Kulturgeschichte angesehen werden, weil sie sich im Laufe der Geschichte an die Landnutzungspraktiken angepasst haben. Durch moderne Technik und Spritzmittel wurden in den letzten Jahrzehnten viele Ackerwildpflanzen stark zurückgedrängt. „Eine ganze Lebensgemeinschaft, die uns seit tausenden Jahren begleitet, droht zu verschwinden“, so Axel Jahn, Geschäftsführer der Loki Schmidt Stiftung. Die Wildpflanzen unserer Äcker bereichern unsere Kulturlandschaft nicht nur ästhetisch. Durch den Rückgang der Vielfalt im Ackerland sind auch Bestäuber wie Schmetterlinge und Bienen bedroht. Andere Insekten und Spinnen, die diese Wildpflanzen als Nahrungspflanzen und als Refugien nutzen, sind ebenfalls betroffen. Viele dieser Tierarten halten landwirtschaftlich bedeutende Schädlinge wie Blattläuse in Schach. Die Verarmung der Ackerlebensgemeinschaft ist also auch für die Landwirtschaft ein zunehmendes Problem.

Morgen werden die „Loki Schmidt Stiftung“ und der gastgebende Naturpark näher vorgestellt, ebenso wie namhafte Botaniker den Klatschmohn und seine Ackerwildkrautverwandten präsentieren und nicht zuletzt werden auch Agrarumweltmaßnahmen vorgestellt, die heute zu mehr Artenvielfalt in der Agrarlandschaft beitragen können. Am Nachmittag geht es dann auf eine kleine Exkursion, in der Hoffnung, dass die Wärme der letzten Tage die ersten knallroten Klatschmohnblüten öffnen konnte. Interessenten an der kostenlosen Veranstaltung sind herzlich willkommen. Los geht es um 9.30 Uhr im Karower Meiler. (Tel.: 03843-777224)


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