Streifzug durch die Historie : Wieso Plau nicht Hauptstadt wurde

Ein weiteres Mal hatte der Heimatverein Plau den Archäologen und Historiker Dr. Fred Ruchhöft zu einem Vortrag geladen.
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Ein weiteres Mal hatte der Heimatverein Plau den Archäologen und Historiker Dr. Fred Ruchhöft zu einem Vortrag geladen.

Unter dieser nicht ganz ernst gemeinten Fragestellung hielt Dr. Fred Ruchhöft einen Vortrag im Plauer Heimatmuseum

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22. Januar 2018, 05:00 Uhr

Wieso wurde Plau nicht Landeshauptstadt? Weil es eben anders kam! Aber dieses „kam“ hat es in sich. Hinter dem schlichten Verb „kommen“ steckt in diesem Fall eine lange, gewundene Strecke Geschichte und genau darum drehte sich der Vortrag von Dr. Fred Ruchhöft. Der Historiker und Archäologe hatte sich am Sonnabend ein weiteres Mal hinter das Rednerpult des Plauer Museums geklemmt und vor vollem Saal einen reich mit Schaubildern und Fotos illustrierten Powerpoint-Vortrag gehalten.

Am Anfang waren sie, Schwerin, die Stadt, die schließlich das Rennen machte, und Plau nichts als eher bescheidene slawische Burgen und Burgen zogen bekanntlich Siedlungen an. Ausgrabungen des Landesamts für Kultur und Denkmalpflege förderten vor nicht langer Zeit auf dem Schlosshof in Schwerin „einen Haufen Holz“ zutage, berichtet Ruchhöft, der als Überrest einer Burg identifiziert werden konnte. Mit der dendrochronologischen Methode, einer Altersbestimmung von Holz, konnte der Zeitpunkt bestimmt werden, an dem dieses Holz geschlagen wurde, nämlich 941. 941/ 42 wurde die Burg demnach errichtet, sagte der Archäologe.

Die Projektionen an der Museumswand demonstrierten in Folge nicht nur den Holzfund, an dem Bearbeitungsspuren noch deutlich zu erkennen sind, sondern auch ein für diese Burgen typisches Tunneltor, das in Groß Raden ausgegraben werden konnte. Eine Modellzeichnung zeigte im Übrigen, wie die wehrhaften hölzernen Burgen errichtet wurden. Dicht an dicht sind die Stämme aufeinander geschichtet. Holzbauten im Fachwerkstil sähen daneben fragil aus! Wichtig aber für das Thema: Sowohl die slawische Burg in Schwerin als auch die in Quetzin (Plau) umfassten insgesamt vier- bis fünftausend Quadratmeter. Noch waren die Orte also ebenbürtig, größer war wohl nur die bereits im 9. Jahrhundert errichtete Mecklenburg nahe Wismar.

Wer schreibt, der bleibt. Eher beiläufig erwähnt der Dozent, dass in Schwerin eifrig Urkunden verfasst wurden. Eine erste Schriftquelle, allerdings wohl nicht in Schwerin selbst verfasst, nennt den Ort beziehungsweise die Wendenburg Schwerin im Jahre 1018, ihr Verfasser ist ein Thietmar von Merseburg. Auf dieser ersten schriftlichen Erwähnung fußt denn auch ein weiteres Gründungsdatum der Stadt. Schriftquelle toppt Sachquelle.

Mit dem vorgerückten Mittelalter wird die Sache kompliziert. Das deutsche Gebiet ist ein „Reich“, die Grenzen der vielen einzelnen Herrschaftsgebiete verschieben sich immer wieder. Ähnlich ist es in Mecklenburg. Nach der Eroberung und Christianisierung des Landes durch Heinrich den Löwen ab 1164 geht Plau 1272 an die Herrschaft Werle (vorher unter Herrschaft Mecklenburg), wird nach Aussterben der Linie aber wieder mecklenburgisch. Die Grafschaft Schwerin sei zu dieser Zeit quasi „Ausland“ gewesen, so Ruchhöft. Ein Städtevergleich im hohen Mittelalter ergab: In Plau und Schwerin war Holz immer noch Hauptbaustoff, Plau aber hatte bereits vor Schwerin eine Stadtmauer. Plau, Parchim und Güstrow waren zur genannten Zeit größer als Schwerin. 1167 aber war Schwerin bereits Bischofssitz geworden, ein Vorteil im Run um das Privileg, Herrschaftszentrum zu werden. An Bedeutung und Reichtum dominierten allerdings die Hansestädte Wismar und Rostock, ängstlich bedacht, ihre relative Unabhängigkeit von landesherrlichen Ansprüchen zu bewahren.

1358 kaufte Albrecht II. von Mecklenburg die Grafschaft Schwerin. Augenzwinkernd berichtete Fred Ruchhöft, dass die Kaufsumme bis heute nicht ganz bezahlt wurde. Schwerin, nun nicht mehr „Ausland“, durchlebte unter den Mecklenburgern dann eine wechselvolle Geschichte. Von Bedeutung für die weitere Entwicklung der Residenz zur Landeshauptstadt wurde jedenfalls, dass die Stadt nach Neuordnung der desaströsen Landesfinanzen am Ende des 15. Jahrhunderts zum festen Sitz der Finanzkasse wurde.

Im 16. Jahrhundert baute Heinrich V. die Burg Plau zur Festung aus. Hätte Plau damit nicht auch seine Chance gehabt? Wohl nicht. Die zentrale Verwaltung lag bereits in Schwerin und Güstrow. Einige Zufälle haben Schwerin im Lauf der Zeit zur Landeshauptstadt gemacht, schließt der Historiker. Plau aber könne mit seiner Entwicklung durchaus auch zufrieden sein, sagt Dr. Fred Ruchhöft. Er muss es wissen. Schließlich stammt er aus Plau.

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