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Schon sechs Tonnen Kadaver abgesammelt : Wieder Fischsterben im Weisiner See

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Mehrere Leser schlugen dieser Tage Alarm, berichteten von einem massiven Fischsterben im Weisiner See. Täglich stiegen neue Kadaver an die Oberfläche und der Gestank sei besonders an wärmeren Tagen "unerträglich".

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erstellt am 03.Jun.2013 | 04:25 Uhr

weisin | Mehrere Leser schlugen dieser Tage Alarm, berichteten in unserer Redaktion von einem massiven Fischsterben im Weisiner See. Täglich stiegen neue Kadaver an die Oberfläche und - so vor allem in der Nähe lebende Anwohner - der Gestank sei besonders an wärmeren Tagen "unerträglich".

Der See gehört einem Privatmann, der ihn an den Landesanglerverband verpachtet hat. "Eigentlich ist der Landkreis für die Klärung der Angelegenheit zuständig. Um jedoch nicht alles noch durch längere Dienstwege zu verzögern, haben wir spontan zugesagt, uns um die Sache zu kümmern und sie möglichst schnell zu klären. Die Folge davon ist leider auch, dass der Schwarze Peter für viele ungerechterweise jetzt bei uns liegt", sagt Thomas Rosenfeldt, Leiter des ebenfalls für Ordnungsfragen zuständigen Bürgeramtes des Amtes Eldenburg Lübz. Es organisierte unter anderem einen Besuch des kreislichen Gesundheitsamtes am See, weil das Amt selbst fachlich gar nicht in der Lage sei, die Ereignisse fundiert zu beurteilen. Die Untersuchung einer Wasserprobe habe jedenfalls ergeben, dass der See mikrobiologisch in Ordnung sei, so dass auch die Kadaver nicht speziell, sondern wie normaler Abfall entsorgt werden müssen. Weil es am Weisiner See zudem keine öffentlichen Badestellen gibt, sorge auch dieser Bereich für kein Problem. "Unabhängig davon ist die Sache natürlich schlimm", so Rosenfeldt. Bereits vor drei Jahren sei die Situation ähnlich gewesen. Auf die Frage, ob es Erkenntnisse darüber gebe, warum jetzt erneut so viele Fische verenden, antwortet der Amtsleiter, dass in den 1980er-Jahren viele Marmor- und Silberkarpfen eingesetzt wurden - hier nicht heimische, aus wärmeren Erdteilen kommende Arten: "Sie konnten sich nicht vermehren. Viele Tiere sind jetzt nicht nur alt, sondern zusätzlich auch noch durch den langen, kalten Winter geschwächt, so dass sie in großen Mengen verenden. Nach den bisherigen Erkenntnissen ist zu vermuten, dass dies weitergehen wird, bis die Arten raus sind."

Der Weisiner See ist 33,7 Hektar groß - gut 1700 Meter lang und im Norden 250, im Süden 220 Meter breit - sowie durchschnittlich fünf Meter tief. Von Norden gibt es zwei Zuflüsse, der Abfluss erfolgt zur Elde. Der Landesanglerverband fühlt sich eigener Aussage zufolge mit der Problematik weitestgehend allein gelassen. Als Pächter sei nicht er, sondern neben dem Eigentümer in erster Linie der Landkreis für die Beseitigung von Kadavern zuständig. Der Verband habe diesbezüglich letztlich die Initiative ergriffen, um die Lage so schnell wie möglich zu ändern und landesweit 50 Tonnen toten Fisch geborgen. Allein in Weisin waren es bis jetzt rund sechs. Nach einer ans Land gerichteten Kostenforderung für den Aufwand habe das Landwirtschaftsministerium geantwortet, dass man die Kadaver gar nicht hätte absammeln müssen. "Das geht aus unserer Sicht gar nicht. Die Tiere müssen weg, weil die bakterielle Belastung sonst viel zu groß ist - vom Gestank einmal ganz abgesehen", sagt Landesgeschäftsführer Axel Pipping. Der Eigentümer des Weisiner Sees habe sogar mit Kündigung des Pachtvertrages gedroht, wenn der Landesanglerverband Forderungen gegen ihn aufmachen sollte. Einen Prozess wolle der Verband jedoch nicht führen, sondern nehme das Absammeln in eigene Hände und lasse die Kadaver abfahren. Jeweils montags komme die Entsorgungsfirma. "Dass das Wasser mikrobiologisch in Ordnung sein soll, kann ich mir nicht vorstellen", so Pipping. "Wir werden die Thematik auf unserer nächsten Jahreshauptversammlung zur Sprache bringen und die Schaffung eindeutiger Rechtssicherheit sowie einheitlicher Leitlinien fordern, nach denen zwingend zu verfahren ist."

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