zur Navigation springen
Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

24. November 2017 | 04:47 Uhr

Mecklenburger Klöster : Widerstand gegen Reformation

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Neue, erstmals umfassende Veröffentlichung über Mecklenburger Klöster erschienen. Auch die Dobbertiner Anlage wird vorgestellt

Die Mecklenburger Klöster werden in einem neuen, zweibändigen Standardwerk des Rostocker Hinstorff-Verlages mit 1424 Seiten sowie 600 Farb- und 127 schwarz-/weiß-Abbildungen erstmals umfassend vorgestellt.

Es gab 43 Klöster in Mecklenburg, zu denen Besitzungen von 30 auswärtigen hinzukamen. Das bedeutendste Bauwerk dieser Gattung in unserer Region lag in Dobbertin. Heute ist es eine der am besten erhaltenen Klosteranlagen in Mecklenburg.

In einer umfangreichen Einleitung werden im Buch der historische Raum Mecklenburg, die Orden und Klöster im Land, deren Bau- und Kunstgeschichte sowie archäologische Befunde dargelegt. Die Ordensgemeinschaften wirkten im kirchlichen Dienst unter den Menschen und widmeten sich vor allem der Seelsorge. In den Klöstern wurden praktische Techniken in der Landwirtschaft und der Kräuter- sowie Heilkunde (Klostergarten) gepflegt, die auch an die Bevölkerung weitergegeben wurden. Die Klöster waren Bildungszentren. Sie fungierten als Stützpunkte der Missionierung der Wenden und der Kultivierung des Landes, wurden damit zu wichtigen Entwicklungszentren.

Gegründet wurde Dobbertin als Benediktinerkloster von Fürst Heinrich Borwin I. von Mecklenburg zwischen 1219 und 1225. Um 1234 erfolgte die Umwandlung in ein Nonnenkloster. Besonders unter den beiden bedeutendsten Landesherren aus dem Hause Werle, Nicolaus I. und seinem Enkel Nicolaus II., nahm Dobbertin seit Mitte des 13. bis Anfang des 14. Jahrhunderts einen bemerkenswerten Aufschwung – auf 40 Seiten in Text und Bild vorgestellt.

Lange eine der größten Grundherrschaften

Das Kloster war für mehrere Jahrhunderte eine der größten und beständigsten Grundherrschaften in Mittel- und Südmecklenburg. Die Nonnen stammten aus den niederen Adel und aus gehobenen bürgerlichen Familien der benachbarten Städte. Die Autoren schreiben: „Auffällig ist hierbei mehrfach eine besondere Symbiose von zum Teil stadtsässigem Niederadel und städtebürgerlicher Oberschicht, etwa am Beispiel Parchims.“

Die wichtigste Erwerbung des 15. Jahrhunderts für Dobbertin war die von Mestlin sowie Augzin, Hohen Augzin, Gloveke, Kadow, Kölpinsdorf, Mühlenfeld und Ruest aus adliger Hand. Sehlstorf war bereits 1292 erworben worden. 1462 rundete das Dorf Domsühl die Dobbertiner Besitzungen im Südwesten des Kerngebietes ab. Zwei Jahre zuvor gelangte das wüste Schwinz an das Kloster und wurde in der frühen Neuzeit zum Zentrum der Dobbertiner Forstwirtschaft.

Die Frauenklöster gehörten wegen ihrer Spezifik zu den am spätesten reformierten geistlichen Einrichtungen. Im Buch ist zu lesen: „Als Weg hierzu diente in Übereinkunft von Landesherren und Landständen die Visitation. Nicht weniger als fünf solcher Visitationen im Zeitraum von 1557 bis 1578 waren erforderlich, um gegen den erbitterten Widerstand mehrerer Dobbertiner Nonnen teilweise unter Gewaltanwendung der Reformation den Weg zu bereiten. Selbst bei Übergabe Dobbertins als ,Landeskloster’ an die Landstände 1572 war die geistliche Umwandlung des Klosters noch nicht endgültig vollzogen. Erst das Aussterben der älteren Nonnengeneration führte praktisch zu diesem Ergebnis.“

Mit den Klöstern in Malchow und Ribnitz sowie mit Rühn und Hl. Kreuz in Rostock zählte Dobbertin zu den wenigen mecklenburgischen Klöstern, die als evangelische adlige beziehungsweise bürgerliche Damenstifte eine zweite Epoche ihres geistlichen Daseins erlebten. „Das Recht zur Einschreibung seiner Töchter in die Landesklöster sollte in der Folgezeit zu einem wichtigen und bald heftig umstrittenen Privileg gerade des alten beziehungsweise eingeborenen mecklenburgischen Adels werden“, heißt es in dem neuen Werk. An die Stelle der Priorin trat die Domina als Vorsteherin, an die des Propstes der Klosterhauptmann – beide selbstverständlich stets aus dem alten mecklenburgischen Adel. Der große Grundbesitz (mehr als 25 000 Hektar) in Gestalt des neu geschaffenen Klosteramtes blieb die wirtschaftliche Grundlage.

In nachreformatorischer Zeit entwickelte sich um Kirche und Klausur ein ausgedehnter Gebäudekomplex.

Ab dem 18. Jahrhundert umfangreich erweitert

Zu ihm gehören einerseits die backsteinernen Wohnhäuser der Stiftsdamen aus dem 18. und 19. Jahrhundert und andererseits der zweigeschossige barocke Putzbau des Amtshauses im Zentrum der Anlage sowie einige Wirtschaftsgebäude des 19. Jahrhunderts. Die Klosterkirche erfuhr zwischen 1828 und 1857 eine neogotische Überformung und in der Folge wurde auch der Kreuzgang neugotisch verändert.

Nach der Novemberrevolution 1918 wurde das Klosteramt Dobbertin vom neuen Freistaat Mecklenburg-Schwerin übernommen. Das evangelische Damenstift existierte weiter bis 1945. „Das Kriegsende im Mai 1945 brachte dem Kloster die sowjetische Besetzung und nach deren Abzug eine Plünderung der leer stehenden Klostergebäude. 1947 erfolgte die Umwandlung in ein Landesalters- und -pflegeheim für 500 Personen bei gleichzeitiger Ablehnung einer Weiternutzung als evangelisches Damenstift. Immerhin konnten die zwölf in Dobbertin verbliebenen Konventualinnen 1948 je ein Zimmer im Kloster, dem damaligen Landesaltersheim, beziehen. Als letzte von ihnen verstarb 1974 Elisabeth Charlotte Gräfin von Bassewitz.

Bereits seit 1962 lebten bis zu 650 geistig und seelisch behinderte Menschen im ehemaligen Kloster als Außenstelle der Bezirksnervenklinik Schwerin. Seit 1991 werden sie dort vom Diakoniewerk Kl. Dobbertin gGmbH betreut, verbunden mit einer grundlegenden Sanierung und Renovierung der Gebäude.“

Wer Interesse an dem neuen Werk hat: „Mecklenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte, Kommenden und Prioreien (10./11. – 16. Jahrhundert)“, herausgegeben von Wolfgang Huschner, Ernst Münch, Cornelia Neustadt und Wolfgang Eric Wagner im Hinstorff Verlag , ISBN 9 78 33 56 01 51 40

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen