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Reformationsjubiläum in Plau am See : Wider das Papsttum zu Rom…

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Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Luther original: Zum Reformationsjubiläum startet die Evangelisch Lutherische Kirchengemeinde in Plau am See eine Lesereihe

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erstellt am 27.Jan.2017 | 06:00 Uhr

Wer hat schon Lutherschriften (außer der Bibel natürlich) im Original selbst gelesen? Wohl die wenigsten. Um dem abzuhelfen, startete die Evangelisch Lutherische Kirchengemeinde Plau am 23. Januar zum Reformationsjubiläum eine Reihe mit Lesungen aus Werken Martin Luthers. Aus der 1545 erschienenen letzten größeren Schrift vor Luthers Tod „Wider das Papsttum zu Rom, vom Teufel gestiftet“ las der ehemalige Gnevsdorfer Pastor Gerhard Winkelmann im Plauer Heimatmuseum. Pastor Stephan Poppe erläuterte den Anlass: Papst Paul III. (1543 - 49) hintertrieb die Bestrebungen von Kaiser Karl V. (lebte 1500 - 58), der wollte ein Konzil der deutschen Fürsten und Reichsstände einberufen, um alle Fragen zu klären, die mit der Reformation die Einheit des Glaubens und des Reiches bedrohten. Der Kaiser wünschte ein „freies, christliches Konzil in Deutschland“, wobei frei bedeutete, jeder sollte sagen, was er denkt. Der Papst jedoch wollte bestimmen, worüber verhandelt wird, er wollte entscheiden, was gilt. Christlich bedeutete für den Papst, dass er bestimmte, wer Christ ist. Der Papst weigerte sich zudem, nach Deutschland zu reisen. Luther als vogelfreier Ketzer durfte natürlich nicht zum Konzil, weshalb er „schimpfte, was das Zeug hielt“, wie Poppe anfügte. „Auf drei Zeilen Argumente folgt eine Seite unflätiges Reden, was Luther heute sicher eine Anzeige wegen Beleidigung eingebracht hätte. Luther behauptete, der Papst rede „rottwelsch“, also in der Gaunersprache, er sei auch kein heiliger, sondern ein „höllischer Vater“. Das kann durchaus lustig sein, war aber sehr ernst gemeint.

Winkelmann hatte etliche Stellen in der Schrift herausgesucht, in welcher Luther beweisen wollte, dass das Papsttum vom Teufel gestiftet ist. Die Schrift beginnt mit diesen Sätzen: „Der aller Hellischt (höllisch) Vater Sanct Paulus Tertius, als were er ein Bischoff der Römischen kirchen, hat zwey breve (Briefe) an Carolum Quintum unsern Herrn Keiser geschrieben, darinnen er sich fast zornig stellet, murret und rhümet seiner Vorfarn Exempel nach, Es gebüre nicht einem Keiser noch jemand ein Concilium anzusetzen, auch nicht ein National, sondern allein dem Bapst, der allein dem Bapst, der allein macht habe zusetzen, ordiniren, schaffen, alles was in der Kirchen zu gleuben und zuleben ist.“

Eigentlich vertritt Luther in seiner Schrift die Position des Kaisers, der mit einem Konzil die strittigen Fragen besprechen wollte. Karl V. war ein zutiefst gläubiger Mensch, der letzte deutsche Kaiser, der seine Krone vom Papst erhalten hatte. Frömmigkeit und Rittertum prägten seine Religiosität und seine Entschlossenheit im Kampf gegen die Ungläubigen sowie seine Beharrlichkeit beim Festhalten an der Einheit der westlichen Christenheit. Die Kehrseite der Medaille war, dass Karl V. zwar für eine Reform der römischen Kirche eintrat – was durch seine beharrlichen Versuche belegt ist, den Papst von der Notwendigkeit der Einberufung eines allgemeinen Konzils zu überzeugen. Er begriff aber nichts von dem, was Luther beseelte, er verstand die neue religiöse Geisteshaltung der Reformation nicht. Obwohl Karl V. die Protestanten im Schmalkaldischen Krieg 1546/47 besiegte, scheiterte er politisch und musste mit dem Augsburger Religionsfrieden 1555 ein Nebeneinander der Konfessionen akzeptieren, worauf er 1556 abdankte und ins Kloster ging.

Der Abend im Plauer Museum brachte den rund 50 Zuhörern sicher einen geistigen Gewinn, bekamen sie doch einen Einblick in die Geisteswelt der Lutherzeit. Und dazu gehört es, „den wahren, ungeglätteten Luther zu hören“, wie Pastor Stephan Poppe betonte. Auf die nächsten Vorträge der Reihe darf man schon sehr gespannt sein.
 

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