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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

21. November 2017 | 00:20 Uhr

Plau am See  : Wettrennen auf der Spezialstation

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Stroke Unit-Station am Plauer MediClin erneut zertifiziert: Optimale Bedingungen zur Behandlung von Schlaganfallpatienten

von
erstellt am 22.Mai.2015 | 08:00 Uhr

Schlaganfallpatienten werden  zunehmend auf spezialisierten Schlaganfall-Stationen behandelt, den so genannten Stroke Units (SU). Das  sind Stationen mit   speziellem Monitoring in der Akutphase. In  Plau  ist  das  integrative Behandlungskonzept  der Intensivstation  angegliedert.  „Wir haben so die Möglichkeit,    Atmung, Herz-Kreislauf, Flüssigkeitshaushalt, Blutzucker und Temperatur  unserer Patienten  zu überwachen. Ärztlich wie pflegerisch. Jede Abweichung vom Normwert wird so  viel  schneller erkannt und kann  entsprechend behandelt werden“, so  Dr. Torsten Helberg, Leitender Oberarzt  Neurologie   und  Stroke Unit am Plauer MediClin Krankenhaus.

Ca.  550 „Schlaganfälle“ jährlich im MediClin

Seit zwölf Jahren ist Helberg  in Plau tätig und bei 500  bis 550 Schlaganfallpatienten jährlich  weiß  er  genau um die Tücke  der akuten Fehlfunktion. Da  ein Schlaganfall  nämlich meist plötzlich  auftritt, zählt er nicht nur zu den häufigsten, sondern auch zu den gefährlichsten Todesursachen.   Grund  ist  ein plötzlicher Sauerstoffmangel im Gehirn, ausgelöst durch ein Blutgerinnsel. Typische Symptome sind Kopfschmerzen, Sehstörungen, Schwindel, Übelkeit,  Lähmungen oder auch  Ausfälle des Gesichtsfeldes. Was  den  Schlaganfall so gefährlich macht –  es  bleiben im Grunde nur  viereinhalb Stunden  für eine  Erfolg versprechende  Behandlung. „Innerhalb der ersten drei Stunden nach Beginn des Schlaganfalls kann man versuchen, das Blutgerinnsel medikamentös aufzulösen“, erklärt Dr.  Helberg.   Diese Methode, bei der dem Patienten intravenös ein Medikament verabreicht wird, nennt  man systemische  Lysetherapie.  Zweite  Methode,  die    bei maximal viereinhalb Stunden alten Schlaganfällen zur Anwendung kommt,  ist die  sogenannte lokale Lysetherapie.  Hier wird  das  Medikament mittels Katheter über die zuführende Arterie in das verschließende Blutgerinnsel eingebracht.   Bei Schlaganfällen, die älter sind,  greifen die Spezialisten zur Thrombektomie, ziehen  den Blutpfropfen mittels Katheter aus dem Blutgefäß   heraus.   „Eine schonende Methode zwar. Das Problem  aber ist, dass   vor  ihrer Anwendung  bereits viel Zeit  verstrichen ist und durch  die Sauerstoffunterversorgung    Teile   des Gehirns    schon geschädigt sind. Und mit jeder Minute werden es mehr“, sagt der Plauer Oberarzt.  Während  Patienten nach  Lysetherapien  durchaus vollständig genesen können,   haben verschleppte Schlaganfälle oft  Lähmungen, Sehstörungen, Verlust der Sprache etc.   zur Folge.

 „Deshalb ist bei einem  Verdacht  auf einen Schlaganfall  auch keine Zeit zu verlieren“, sagt Helberg eindringlich und  betont: „In einem solchen Fall    sollte man entweder   sofort die 112  rufen  oder den Patienten ins  nächstgelegene Krankenhaus mit Stroke Unit fahren.“ Hier auf der Spezialstation  beginnen Ärzte  und Schwestern  mit dem  „Wettrennen gegen  die Zeit“.  Das Falscheste,  was man machen könne, sei  es abzuwarten und  sich womöglich  anderntags   stundenlang in die Sprechstunde seines Hausarztes zu setzen.

Vorreiter waren die USA und Skandinavien. Seit  Jahren  wird aber auch das Netz der Krankenhäuser  mit zertifizierten Stroke Unit-Einheiten in Deutschland enger gestrickt. Das MediClin Krankenhaus in Plau,  mit  derzeit sechs Stroke Unit-Betten gehört seit Jahren  dazu.  Anfangs  regional zertifiziert,   erhielt es vor drei Jahren erstmals die überregionale Zertifizierung von der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft.  Jetzt  bekam  das Krankenhaus die Rezertifizierung. Es gibt  Stroke Units, die gar nicht zertifiziert sind,  regional  und überregional zertifizierte Stroke Units. Den Unterschied zwischen den Häusern machen  die  Anforderungen an  die gesicherten Qualitätsstandards. „Wir als überregionale SU müssen  24 Stunden am Tag, sieben  Tage die Woche  sowohl neurochirurgische als auch neuroradiologische Kompetenzen vorhalten, personell wie technisch.  Zudem     müssen wir  weitere Qualitätskriterien erfüllen, wie  die kontinuierliche Überwachung, 24-Stunden-Computertomografie, leitliniengerechte Diagnostik- und die eingangs schon erwähnten Behandlungsmethoden“, erklärt Dr.  Helberg.   Was den Unterschied zu  nicht zertifizierten Häusern ausmacht? Das auf Herz und Nieren geprüfte „Gesamtpaket“,  bei dem Zeit  tatsächlich  Hirn ist. 

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