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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

18. Dezember 2017 | 06:20 Uhr

Lübz : Wenn die letzte Ruhe Amtssache ist

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Im Todesfall keine Verwandten bekannt oder Weigerung, für Bestattung von Verwandten zu sorgen: Kriminalistische Arbeit in Lübzer Verwaltung

von
erstellt am 06.Jan.2017 | 05:00 Uhr

2016 musste die Ordnungsbehörde des Amtes Eldenburg Lübz für die Bestattung von vier Menschen sorgen. Lediglich einer von ihnen hatte keine Angehörigen, in den anderen drei Fällen weigerten sich die Bestattungspflichtigen konsequent, die Beerdigung vorzunehmen. In zwei weiteren Fällen waren die Angehörigen erst nach einer Ordnungsverfügung doch noch dazu bereit.

„Häufiger ist es so, dass sich Eltern getrennt haben, als ihre Kinder noch ganz klein waren und diese deshalb überhaupt keine Verbindung zu Vater oder Mutter haben“, sagt Thomas Rosenfeldt, Leiter des auch für Ordnungsfragen zuständigen Bürgeramtes im Amt Eldenburg Lübz. Die Behörde stehe immer wieder vor dem Pro-blem, schnell genug einen Bestattungspflichtigen zu ermitteln, weil die gesetzliche Vorgabe gilt, dass der Leichnam binnen zehn Tagen beerdigt werden muss. Die Verwaltung veranlasst die Einäscherung, wenn sie niemanden gefunden hat.

Tätig wird die Behörde auch dann, wenn Angehörige bekannt sind, diese sich jedoch nicht über eine Beisetzung einigen können. Zentrales Thema ist dann öfter der Streit um die Kosten. Eingetrieben werden sie dann zum Beispiel über Vollstreckungsverfahren oder über das Verwaltungsgericht.

„Gar nicht mehr so selten sind die Fälle, in denen es keine Angehörigen gibt“, sagt Rosenfeldt. „Auch dieser Bereich gehört zwar zu unserer alltäglichen Arbeit, aber wenn man einmal näher darüber nachdenkt, dass sich am Ende seines Lebens niemand mehr um einen Menschen kümmert, stimmt einen dies durchaus nachdenklich.“ Einige könnten aus finanziellen Gründen nicht handeln. Für sie stehe das Sozialamt des Landkreises als Ansprechpartner zur Verfügung.

„Manchmal sind die Beweggründe von Nachkommen objektiv sogar nachvollziehbar, wenn sie zum Beispiel darüber berichten, von dem Verstorbenen oft geschlagen oder sogar vergewaltigt worden zu sein. Man kann gerade auch diese Situation als Außenstehender allerdings kaum umfassend richtig bewerten, denn man hört nur eine Seite, ohne die Aussagen sofort in Zweifel ziehen zu wollen“, sagt Bürgeramts-Mitarbeiter Daniel Weiß. Erst in der Woche vor Weihnachten hat er die letzten Sachen eines Verstorbenen mit unbekanntem verwandtschaftlichen Umfeld aus dem Krankenhaus geholt und begann dann, seine familiäre Lage zu klären, was unter anderem mit Telefonaten von morgens bis abends verbunden war: „Eine oft geradezu kriminalistische Aufgabe – besonders dann, wenn es nicht mal einen letzten Willen gibt.“ Was die Schwierigkeit steigert, ist die Tatsache, dass kaum jemand dort wohnen geblieben ist, wo er geboren wurde. Oft stellt sich zum Beispiel heraus, dass es Halbgeschwister gibt, die nichts voneinander wissen

Rosenfeldt berichtet ergänzend, dass es bei den problematischen Fällen oft um weitaus mehr als eine irgendwann erlebte Beleidigung geht: „Die Vorlage einer offiziellen Anzeigebestätigung ist zwar die absolute Ausnahme, was uns aber überhaupt nicht wundert, denn offiziell gab es zu DDR-Zeiten keine Dinge wie etwa Vergewaltigung in der Familie. Da galt das heile Bild als Regel. Im Bericht des Abschnittsbevollmächtigten tauchten ihm vielleicht auch mal zugetragene Vorfälle deshalb so gut wie nie auf.“

Jeder kann seine Bestattung schon zu Lebzeiten regeln und dafür Geld auf ein Notaranderkonto (ein in eigenem Namen, aber für fremde Rechnung unterhaltenes Konto, das der Inhaber für den Dritten treuhänderisch verwaltet; Quelle: wikipedia) einzahlen. So ist die Kostenübernahme für eine Bestattung geregelt. „Von jedem, der in ein Pflegeheim zieht, wird zum Beispiel gefordert, dass er angibt, welcher Bestatter die Beerdigung vornehmen soll“, sagt Rosenfeldt. Die Einzahlung von Geld auf ein Anderkonto sei trotz strenger daran gelegter Maßstäbe zwar mit einem Vertrauensvorschuss verbunden, letztlich jedoch eine gute Regelung.

Übrigens: Die Angabe eines Verwandten, mit dem Verstorbenen zerstritten gewesen zu sein, zählt nicht als Argument, von der Kostenübernahme für eine Bestattung befreit zu werden – wird auch versucht...

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