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Forstwirtschaft : Wenn die grünen Riesen des Waldes fallen...

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

...dann arbeiten Mitarbeiter des Forstamtes Sandhof in den Wäldern der Region und durchforsten auch Privatwälder – ein Angebot des Forstamtes für Kleinwaldbesitzer

svz.de von
erstellt am 09.Jan.2014 | 09:00 Uhr

Es knackt und berst, Holzspäne zieren den Waldboden – überall verstreut und doch mit System. Wie Hänsel und Gretel im Grimm’schen Märchen sich mit Brotkrumen den Weg kennzeichnen, so markiert der Harvester seinen Pfad durch Dobbins Wald mit Holzspänen. Motorsägen heulen auf, Holz bricht, Bäume fallen. Der Motor des Treckers knattert und wieder knallt es in der Ferne. Erneut ist ein Baum gefallen. Denn in einem Teil des Dobbiner Waldes wird durchgeforstet. Mehrere hundert Jahre alte Kiefern werden abgeholzt, fachmännisch, sachgerecht und ordnungsgemäß. Denn Angestellte von Forstbaumschulen aus Mecklenburg und Mitarbeiter des Forstamtes Sandhof übernehmen die Arbeit. So auch Uwe Linke, Revierleiter im Revier Sehlstorf. „Wir machen hier in Dobbin nicht nur Waldpflege, sondern auch Verkehrssicherung. Bäume, die dicht an der Straße stehen, müssen beschnitten werden“, erläutert der Revierförster.

Rote Farbe klebt an einigen Baumstämmen und auf dem Waldboden – gut zu erkennen und von weitem zu sehen für Norbert Heider. Der Rinderzüchter schiebt in Dobbin das abgeerntete Holz und die Reste auf Welle. Er weiß, worauf es ankommt. Doch bevor er mit seinem Trecker der roten Farbe an Baum und Boden folgt, gibt es von Uwe Linke noch eine Einweisung. Gemeinsam schauen sich die Männer die Karte des zu bearbeitenden Gebietes an. Hier und da muss das Holz zusammengeschoben werden – auf Welle geschoben werden–, damit wieder genügend Platz ist – für neues Leben. Denn in diesem Bereich des Dobbiner Waldes soll aufgeforstet werden. „Hier werden wir einige Buchen und Fichten pflanzen. Doch die neuen Bäume brauchen Platz zum Wachsen“, erzählt Uwe Linke.

Dann geht es los. Der Motor des Treckers heult auf. Norbert Heider legt den Gang ein und gibt Gas. Jetzt werden Holzreste, Äste und Laub zusammengeschoben. Damit wird nicht nur Platz geschaffen für die neuen Bäume, sondern auch Lebensraum. Denn in diesen zusammengeschobenen Waldresten nisten sich gern Tiere ein, „ein perfektes Biotop für Vögel entsteht bei dieser Arbeit“, verdeutlicht noch einmal der Revierförster.

Unweit von Norbert Heider arbeiten auch Frank Wulff und Werner Neitzke zusammen, nicht Hand in Hand, aber doch irgendwie im Takt. Der eine bedient und fährt den Holzvollernter, einen sogenannten Harvester, der andere ist ihm ständig auf den Fersen. Denn Werner Neitzke fährt den Trecker und sammelt die abgeernteten Holzstämme ein und bringt diese mit System aus dem Waldgebiet – er ist der Holzrücker. Mit seimem Trecker fährt er die abgesteckte Strecke aus dem Wald und stapelt die Stämme – der Länge nach – aufeinander. Denn nicht jeder Baum ist gleich und von guter Qualität. Gut 1,78 Hektar Privatwald durchforsten die beiden. Dieses Gebiet gehört Frank Grigoleit, Landwirt aus Below. „Vor einigen Jahren habe ich dieses Waldgebiet erworben“, erzählt er. Der Belower hat jetzt das Angebot des Forstamtes Sandhof angenommen, den Wald einmal anzuschauen und durchzuforsten. Denn hier stehen einige mehrere hundert Jahre alte Kiefern, die gefällt werden können. „Alle zehn Jahre sollte ein Wald mal durchforstet werden“, erklärt Revierförster Uwe Linke.

Bei ohrenbetäubenden Lärm fahren Frank Wulff und Werner Neitzke mit ihren tonnenschweren Maschinen Stück für Stück durch den Wald und folgen ebenfalls der roten Farbe an Baum und Boden – wie auch Norbert Heider. Wieder kracht es, das Holz berst und bricht – wieder ist ein Baum gefallen. Der Harvester greift mit seinem Kranarm die Kiefer. Nur wenige Sekunden braucht der Fällkopf des Holzvollernters und die Kiefer ist gefällt und zugleich auf die entsprechende Länge gekürzt. All das erfolgt vollautomatisch.

Zufrieden beobachtet Frank Grigoleit das Geschehen. „Ich wollte, dass dieses Gebiet einmal ordnungs- und sachgemäß durchforstet wird“, erzählt er, warum er das Angebot des Forstamtes angenommen hat. Denn jetzt können die guten Bäume in seinem 1,78 Hektar großen Privatwald wieder wachsen. Und genau darum geht es. „Bäume brauchen Platz. Efeu stört sie nicht, die Trauerkirsche schon eher. Deshalb sollte regelmäßig, alle zehn Jahre, ein Wald angeschaut werden, damit der Wald wieder Platz hat, gesund zu wachsen“, erläutert noch einmal Uwe Linke ausführlich die Vorgehensweise.

Es knackt und kracht, Holzspäne zieren den Waldboden in Dobbin. Einige Bäume sind bereits gefällt und liegen jetzt fein säuberlich der Länge nach aufgestapelt außerhalb, am Rand des Waldes. Die Motoren des Holzvollernters und des Treckers sind noch immer zu hören. Jetzt haben die grünen Riesen wieder Platz zum Wachsen, weiter in die Höhe, dem Himmel entgegen – bis in zehn Jahren wieder an dieser Stelle der ein oder andere Baum berst,bricht und zu Boden fällt.

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