zur Navigation springen

Lichtverschmutzung MV : Wenn die Finsternis verschwindet

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Noch gibt es in MV Orte, an denen es stockfinster ist. Diese müssen erhalten bleiben. Den Sternenhimmel erlebbar machen, will Ralf Koch

Ruhe, saubere Luft, Wasser. Damit kann die Region punkten. Davon ist Ralf Koch, kommissarischer Leiter der Naturparkverwaltung Nossentiner/Schwinzer Heide, überzeugt. Von den touristischen Attraktionen einmal abgesehen, können und müssen die Gemeinden mehr für ihre Natur und Umwelt machen.

Seit Längerem bereits befasst er sich mit dem Thema Lichtverschmutzung. „Dunkelheit gilt als Schutzgut. Vor allem in Großstädten gibt es kaum noch Dunkelheit“, erklärt Ralf Koch. Zu Lichtverschmutzung, auch Lichtsmog genannt, hat er bereits Vorträge vor Gemeindevertretungen gehalten. So auch in Neu Poserin. Grund: Die Gemeinde will ihre Straßenbeleuchtung auf LED-Lampen umrüsten. „Zur Umstellung auf LED gehört mehr, als nur Energie einzusparen“, weiß der Naturschutzexperte.  Warmweißes Licht ist besser als blaues Licht. Dieses nämlich schädigt nicht nur Menschen, sondern auch Tiere und Pflanzen. „Der Mensch braucht für seinen Bio-Rhythmus den Wechsel von hell zu dunkel. Und es gibt viele nachtaktive Tiere, die durch die zunehmende Beleuchtung in der Nacht gestört werden“, weiß Ralf Koch. Blaues Licht – wie bei Smartphone- und Handy-Displays – soll dafür verantwortlich sein, nicht in den Schlaf finden zu können. Es unterdrückt das Hormon Melatonin, das nicht nur für Tiefschlafphasen  verantwortlich ist, sondern auch das Wachstum von Krebszellen verhindert.

In der Tierwelt kann ebenfalls einiges beobachtet werden, wenn  falsche LED-Lampen gebaut werden. „Fledermäuse nehmen Umwege in Kauf, um zu ihrer Futterquelle zu kommen, sobald sie auf diese Lampen treffen“, verdeutlicht Ralf Koch. Auch Insekten wie Glühwürmchen, Motten, Nachtfalter werden durch blaues Licht gestört oder verenden sogar.

Wichtig ist auch, wohin die Lampe strahlt. „Die Abstrahlung nach oben muss verhindert werden und wie lange eine Lampe brennt. Es muss nicht sein, dass die Straßenbeleuchtung die ganze Nacht an ist.“ Intelligente Lösungen müssen gefunden werden. Deshalb startet im kommenden Jahr in der Naturparkverwaltung ein neues Projekt, das sich genau diesem Thema widmet. „Wir wollen jemanden einstellen, der sich halbtags mit Lichtverschmutzung beschäftigt und beratend für die Gemeinden tätig wird“, erklärt Ralf Koch.

Ruhe, saubere Luft, Wasser – Dunkelheit. Damit kann die Region punkten. Und in Mecklenburg-Vorpommern gibt es immer noch genügend Orte, an denen es nachts stockfinster ist. „Wir wollen in Wooster Teerofen zum Beispiel die Nacht, die absolute Finsternis, erlebbar machen“, verdeutlicht Ralf Koch. Von Holzliegen aus  den Sternenhimmel betrachten. Denn nur „die ewigen Sterne kommen wieder zum Vorschein, sobald es finster genug ist“, schrieb   der schottische Philosoph Thomas Carlyle.

zur Startseite

von
erstellt am 04.Jul.2016 | 21:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen