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WG für Demenzkranke in Lübz : Wenn das Gehirn nicht mehr kann

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Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Die in Lübz eingerichtete Wohngemeinschaft für Demenzkranke der Arbeiterwohlfahrt ist sehr erfolgreich. Kürzlich erhielt sie Besuch vom Sozialausschuss der Stadtvertretung.

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erstellt am 18.Apr.2017 | 19:00 Uhr

Die Mitglieder des Sozialausschusses der Stadtvertretung sind immer wieder in Einrichtungen zu Gast, in denen Menschen betreut werden. Jüngst war es die ambulante Wohngemeinschaft (WG) für demenziell Erkrankte der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in der ehemaligen Post. Eine dortige WG besteht seit dem 1. April 2016, eine zweite seit Januar dieses Jahres. Bei den Betroffenen lassen die Gedächtnisleistungen oft bis zu kompletter Verwirrtheit nach, was von den fachlich stetig weitergebildeten Pflegehilfskräften viel Geduld verlangt. Betreuung und Versorgung sind 24 Stunden lang und damit rund um die Uhr abgesichert. „Als Betroffener lernt man sich jeden Tag neu kennen. Der Bedarf steigt auch deshalb, weil die Menschen immer älter werden“, sagt Pflegedienstleiterin Sigrid Hoborn. Den Prozess, dem Vergessen entgegen zu wirken, könne man letztlich nicht aufhalten. Zur Beschäftigung gehöre unabhängig davon, daran zu erinnern, was zum Beispiel früher zum Alltag der Betroffenen gehörte, was in der Regel auch positive Ergebnisse bringe. Einige der Bewohner – zwischen 65 und 92 Jahre alt – hat die AWO schon vor Aufnahme in die WG zuhause gepflegt.

Eines von sieben Zimmern im zweiten Obergeschoss ist gegenwärtig frei, im ersten haben acht Bewohner ein neues Zuhause gefunden. Orientierungshilfen für sie sind unter anderem an Türen befestigte Lieblingsblumen, um beispielsweise den Weg zum Badezimmer zu finden.

Die AWO sei froh, einen Investor gefunden zu haben, der das zu DDR-Zeiten errichtete Gebäude in der Blücherstraße den Anforderungen entsprechend umgebaut hat. Dazu zählt unter anderem ein am Treppengeländer installierter Plattformlifter mit einer Tragfähigkeit von bis zu 300 Kilogramm. Durch ihn ist es zum Beispiel möglich, auch schwerere Elektrorollstühle und Rollatoren samt Nutzer mühelos vom Erdgeschoss bis ganz nach oben zu transportieren. Allein sein Bau hat rund 27 000 Euro gekostet. Pflege und Betreuung liegen in Händen der AWO, die außerdem seit 1991 die Sozialstation in Lübz betreibt. Fachkräfte sind auch hier Mangelware: Zum 1. August wird ein Auszubildender für Altenpflege gesucht.

Sigrid Hoborn zufolge lohnten sich Wohngemeinschaften für die an Demenz Erkrankte. „Die Vorteile liegen klar auf der Hand“, sagt sie. „Das Leben in einer WG ist oft günstiger als in einem Pflegeheim, weil es Synergieeffekte etwa bei Pflege, seniorengerechter Ausstattung und alltäglichen Hausarbeiten gibt.“ Durch die intensive Begleitung steige zwar der Betreuungsaufwand, doch wegen der Erhaltung von Fähigkeiten sinke wiederum der Pflegeaufwand.

Dem Konzept einer ambulant betreuten WG für Demenzerkrankte liege das Verständnis von privatem Wohnen zu Grunde. Die Mieter lebten in ihr selbstbestimmend, könnten aber in verschiedensten Bereichen der Pflege, Hauswirtschaft, Betreuung und Begleitung direkte Hilfe sowie Unterstützung benötigen. Unter anderem kochen die Pflegekräfte gemeinsam mit den Bewohnern, organisieren Ausflüge, persönliche Feiern, Friseur-, Fußpflege- und Arzttermine, leisten Hilfe bei der Gestaltung des Tagesablaufs, nehmen Mahlzeiten gemeinsam ein und aktivieren zu Tätigkeiten.

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