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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

17. Dezember 2017 | 17:00 Uhr

tiergesundheit : Wenn Bellos Herz stehen bleibt...

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

...dann geht es um Sekunden – ein Vhs-Kurs zeigt, worauf es im Notfall ankommt und was nicht getan werden darf

von
erstellt am 07.Feb.2015 | 08:00 Uhr

Langsam öffnet sich die Tür. Ein Hundekopf erscheint zwischen Tür und Zarge. Die Ohren hängen schlapp herunter, die Rute richtet sich auf. Der Beagle wedelt mit dem Schwanz, er freut sich. Schnuppernd geht er von Teilnehmer zu Teilnehmer. Dem Einen legt er seine Vorderpfoten auf den Schoß, bei einem anderen schnuppert Barny nur. Heute steht er im Mittelpunkt, denn Barny ist heute Schulungsobjekt. Seine Besitzer, Kerstin und Rainer Pirzkall, werden an dem Beagle einiges demonstrieren. Denn es geht um Erste Hilfe am Hund. Fünf Teilnehmer besuchen den Kurs der Kreisvolkshochschule Ludwigslust-Parchim. Geleitet wird er von den beiden Tierheilpraktikern Pirzkall aus Dargelütz.


Jeder Ersten Hilfe, folgt eine Zweite


Fünf Augenpaare sind neugierig auf Rainer Pirzkall gerichtet. Die Teilnehmer sind gespannt, was der Tierheilpraktiker alles zu berichten weiß. Wie bei der Ersten Hilfe am Menschen gibt es auch zwei wichtige Grundsätze bei der Ersten Hilfe am Hund. Mit Hilfe eines Beamers wirft Rainer Pirzkall seine Präsentation an die Wand. Anders als sonst tauchen in roter Schrift auf gelben Hintergrund die beiden Grundsätze auf: „Jeder Ersten Hilfe folgt eine Zweite; nur ,nichts‘ tun ist falsch.“ Und noch etwas Wichtiges gibt der Dargelützer seinen Kursteilnehmern mit auf den Weg: „Bleiben Sie ruhig. Ihr Hund spürt die Nervosität und Angst.“ Zwischen Verbandszeug, Watte, Pinzette zaubert Rainer Pirzkall kurzerhand ein kleines Fläschen aus seiner Tasche: Rescue-Tropfen, sogenannte Notfall-Tropfen. Nicht nur gut für Bello, sondern auch für Herrchen. „Mein Tipp an Sie: Die ersten vier Tropfen nehmen Sie bei einem Notfall und dann Ihr Hund“, sagt Kerstin Pirzkall. Liebevoll streichelt sie ihrem Beagle Barny über das Fell.

Die fünf Teilnehmer, die aus ganz unterschiedlichen Regionen kommen, lauschen den Ausführungen des Tierheilpraktikers. Der eine kommt aus Parchim, eine andere aus Crivitz und wiederum andere aus Schwerin. Aus verschiedenen Gründen zieht es die Hundebesitzer in diesen Vhs-Kurs. Zum einen, weil sie schon einmal eine Notsituation mit einem Hund erlebt haben, zum anderen um darauf vorbereitet zu sein, wenn’s passiert. „Kommen Sie mit Ihrem Hund in eine Notfallsituation gilt es zunächst Ruhe bewahren und den Hund anzuleinen“, verdeutlicht Rainer Pirzkall. Selbstschutz lautet hier die Devise. Denn der Vierbeiner kann unkontrolliert reagieren. „Versuchen Sie sich Hilfe zu holen, alleine werden Sie es oftmals nicht schaffen“, so der Dargelützer weiter.


Nach der Theorie folgt die Praxis


Ähnlich wie beim Menschen muss auch beim Hund die Atmung und der Herzschlag kontrolliert werden. „Die Atmung beim Hund ist normal, wenn er 20 bis 30 Atemzüge in der Minute tätigt. Hecheln gehört nicht zur Atmung“, erläutert Rainer Pirzkall mit Nachdruck. Je nach Rasse beträgt der Puls zwischen 80 und 120 Schlägen pro Minute. „Den Puls ertasten Sie am besten an der Innenseite des Oberschenkels“, so Rainer Pirzkall. Jetzt muss Barny ran. Kerstin Pirzkall hilft ihrem Vierbeiner auf den Tisch. Jetzt sind auch die Teilnehmer gefragt. Rainer Pirzkall zeigt noch einmal, wo genau der Puls zu fühlen ist. „Auf beiden Seiten muss er gleichmäßig zu spüren sein“, sagt er, und fühlt von außen an den Oberschenkeln seines Rüden. Doch bei einer schweren Verletzung kann auch der Puls eines Hundes schon einmal schwer zu ertasten sein. Zwischen der vierten und fünften Rippe am Brustkorb ist das Herz zu spüren. Wer den Puls seines Hundes nicht findet, muss auf Nummer sicher gehen und das Herz ertasten. Bei Barny schlägt es diesen Abend ein bisschen schneller als sonst. Der Beagle ist aufgeregt. Auch als die Teilnehmer nach der Theorie anfangen, ihm die Pfote zu verbinden. „Wichtig bei der Verletzung am Pfotenballen, immer Watte zwischen den Zehen stecken und erst dann verbinden“, erklärt Rainer Pirzkall. Denn zwischen den Zehen des Hundes sitzen die Schweißdrüsen. „Ohne Watte wären Entzündungen vorprogrammiert. Und den Daumen nicht vergessen“, so der Tierheilpraktiker.


Die richige Technik beim Beatmen


Kerstin und Rainer Pirzkall erklären an diesem Abend auch die Dinge, die nicht gemacht werden dürfen. „Üben Sie auf keinen Fall die Beatmung an einem Hund, der bei Bewusstsein ist. Sie können damit mehr Schaden anrichten als alles andere“, weist Rainer Pirzkall ausdrücklich darauf hin. Wenn aber Bello aufhört zu atmen, dann bleibt oftmals nur die lebensrettende Mund-zu-Schnauze-Beatmung. Dabei wird wie folgt vorgegangen: Die Atemwege werden freigemacht, der Kopf des Hundes wird leicht nach vorn überstreckt, die Zunge nach vorne gezogen, sie darf aber nicht heraushängen. Dann wird das Maul zugedrückt und der eigene Mund muss über den Nasenlöchern des Hundes sein. „Sie atmen langsam aus, zehn bis 20 Beatmungen pro Minuten. Wenn’s zu schnell ist, platzen die Lungenbläschen des Hundes“, so Rainer Pirzkall.

Und bei Herzstillstand? Dann muss kurz und schnell der Brustkorb zusammengepresst werden – zehnmal in sechs Sekunden und dann wieder zweimal beatmen. „Dies können Sie zwei bis drei Minuten machen. Wenn der Hund dann nicht wieder reagiert, ist er leider tot“, erläutert Rainer Pirzkall. Damit es dazu nicht kommt, haben die fünf Teilnehmer den Vhs-Kurs besucht. Jetzt sind sie für den Ernstfall gewappnet. Wenn also Bellos Herz stehen bleibt, wissen sie zumindest, was sie machen müssen.

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