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Dobbiner Entdeckung bewegt noch immer Gemüter : Weiter Rätselraten um Waffenfund

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Als wir von einem Waffenfund in Dobbin berichteten, wurde angenommen, dass die Waffen von Volkssturmeinheiten stammen könnten. Doch der Fund könnte auch mit einer ganz anderen Geschichte zusammenhängen.

svz.de von
erstellt am 30.Aug.2013 | 05:26 Uhr

Dobbin | Mitte August berichteten wir von einem Waffenfund in Dobbin bei Dobbertin. Zwei Sturmgewehre deutscher Herkunft, zwei englische und sechs deutsche Maschinenpistolen sowie acht Karabiner waren damals völlig verrostet bei Grabungsarbeiten entdeckt worden. Der Munitionsbergungsdienst entsorgte die Funde fachgerecht. Angenommen wurde, dass die Waffen vermutlich von Volkssturmeinheiten stammen könnten.

Seither haben uns einige Telefonate und E-Mails zu diesem Thema erreicht. Allerdings hatte sich Hartmut Göllnitz vertan, als er uns sein Wissen über die Waffen kundtat. "In meinen Anmerkungen ist mir ein ärgerlicher und insoweit unverzeihlicher Fehler unterlaufen", sagt er. "Der Standort des Führungsstabes des OKW am 30.04 1945 war selbstverständlich nicht das Dobbin bei Goldberg beziehungsweise Dobbertin, sondern es war das Dorf Dobbin am Ostufer des Krakower Sees." Göllnitz war der Meinung, dass das Dörfchen Dobbin am 30. April 1945 Standort des seit dem 20. April fast täglich seinen Standort wechselnden Führungsstabes des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW) war und daher die Waffen von dort stammen könnten.

Allerdings könnte der Fund auch mit einer ganz anderen Geschichte zusammenhängen: Denn dort sollen seinerzeit auch Kriegsgefangene Holzschwellen für Eisenbahnschienen gefertigt haben. Diese wurden am nahen Bahnhof Below dann weiter transportiert, hieß es. Vielleicht, so die Vermutung Einheimischer, stammen die Waffen daher von den Wachleuten, die diese in den letzten Kriegstagen dort verbuddelten. So jedenfalls die Erinnerung der damals knapp zehnjährigen Jungen. Dieser Hinweis wird auch gestützt durch Hartmut Göllnitz, der weiter informierte, dass möglicherweise die zwei britischen Maschinenpistolen während des Krieges in Deutschland in zwei Versionen in direkter Kopie nachgebaut wurden. "Diese wurden Potsdam bzw. Neumünster genannt und waren praktisch von der englischen STEN nicht zu unterscheiden", schreibt Göllnitz. Da diese Waffen vorzugsweise deutsche Spezialeinheiten, Sicherheitsdienste und das Geleitschutzpersonal führten, würde das die Geschichte mit dem Wachpersonal stützen. Auch Günther Schmädt aus Dömitz war als 13-Jähriger im Februar/März 1945 in Dobbertin als jüngster Teilnehmer in einem Wehrertüchtigungslager, bei dem sie mit der Handhabung von Kleinkalibergewehren und auch der Kalaschnikow eingewiesen wurden. Aus Erzählungen Gleichaltriger weiß er von einem Lager in Dobbin. Auch erinnert er sich an eine Übung oder einen blinden Alarm, bei dem "Gefangene ausgebrochen sein und die Wachmannschaften überwältigt haben sollen", so Schmädt. So eine Übung stützt auch die Geschichte, dass es in Dobbin Gefangene gegeben hat.

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