gleichstellung : Weiter Hilfe für Mann und Frau

Angelika Lübcke ist weiterhin Gleichstellungsbeauftragte im Raum Lübz.
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Angelika Lübcke ist weiterhin Gleichstellungsbeauftragte im Raum Lübz.

Angelika Lübcke erneut Gleichstellungsbeauftragte im Raum Lübz / Bedenken: Eltern vermitteln in Erziehung zu wenig Grundwerte

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17. Juli 2014, 22:00 Uhr

In den Beratungsgesprächen von Angelika Lübcke, für weitere fünf Jahre Gleichstellungsbeauftragte in der Stadt und im Amt Eldenburg Lübz, sind alle Fragen rund um die Suche nach Arbeit – bisher ausschließlich mit Frauen – immer wieder ein großes Thema. „Wir gucken dann zum Beispiel gemeinsam, ob die Unterlagen ordentlich sind. Wenn nicht, vermittle ich den Kontakt zum Bewerbercenter“, sagt sie. Einige bräuchten nur eine Information, die am Telefon gegeben wird, andere kommen mehrere Male. So unterschiedlich wie diese Daten sind auch die Hilfesuchenden. Ihr Alter reicht von Ende 20 bis Ende 50 und sie sind sehr unterschiedlich gebildet.

„Grundsätzlich gibt es genug Hilfsangebote, aber wo man sie findet, ist eine Schwierigkeit“, so Angelika Lübcke. „Kaum jemand kennt alles.“ Unabhängig davon, dass die Gleichberechtigung in Deutschland grundsätzlich sehr weit vorangeschritten sei, sieht die Beauftragte die oft noch unterschiedlichen Löhne von Männern und Frauen als großes Problem an.


Richtiger Weg nur, wenn Frauen selbst wollen


Zu fordern, dass mehr Frauen Führungspositionen bekleiden sollen, sei auch in Ordnung, doch sie müssten es können und auch wollen: „Eine Prozentzahl vorzugeben, damit die Quote stimmt, ist der verkehrte Weg. Mein Wunsch ist, dass Frauen mehr Mut haben, sich etwas zuzutrauen und zu engagieren. Zum Beispiel gibt es in den 13 Gemeinden des Amtes Eldenburg-Lübz nur vier Bürgermeisterinnen. Es könnten mehr sein, nicht nur auf diesem Posten. Die Fähigkeiten dazu sind vorhanden.“

Angelika Lübcke, selbst Bürgermeisterin in Siggelkow, ist seit Bestehen des Amtes Eldenburg Lübz (zehn Jahre) in ihm Gleichstellungsbeauftragte und bekleidete diesen Posten vorher schon vier Jahre lang im damals noch existierenden Amt Marnitz. Die 53-jährige gebürtige Perlebergerin studierte Landwirtschaft und kam 1983 nach Siggelkow. Sie war Brigadier in der Schafzucht und in den letzten DDR-Jahren in der Lohnbuchhaltung beschäftigt. „Mit der Wende kam ich ins Babyjahr und verpasste ein bisschen den Anschluss“, meint sie. „Ab 1994 gelang es mir, in verschiedenen Projekten überwiegend für Frauen zu arbeiten. Ich sagte mir, dass wir ihnen nur helfen können, wenn sie Geld verdienen.“ Der so genannte „Zweite Arbeitsmarkt“ mit zeitlich begrenzten Angeboten war unter anderem immer wieder der Kritik ausgesetzt, zu nicht mehr zu taugen, als die Arbeitslosenstatistik zu schönen. Das sieht Angelika Lübcke anders: „Wenn wir dieses Instrument nicht gehabt hätten, wäre es insgesamt eine Katastrophe geworden, denn gerade Frauen standen nach der Wende vor dem Nichts. Von vielen stieg das Selbstwertgefühl und gut ein Drittel konnten wir letztlich in den Ersten Arbeitsmarkt vermitteln – ein Superergebnis. Für viele waren die Angebote also ein Sprungbrett.“

Nicht nur Frauen, auch Männer kommen zu der Gleichstellungsbeauftragten, zum Beispiel dann, wenn es nach oder im Verlauf einer Scheidung um die Einhaltung der Besuchszeiten für eigene Kinder geht. Leider bleibe es so gut wie immer dabei, Tipps zu geben, weil sich ein Gespräch mit dem Ex-Partner wegen verhärteter Fronten in der Vergangenheit in der Regel als so gut wie unmöglich erweise.


Wenig Kommunikation führt zu Vereinsamung


Hauptleidende seien die manchmal sogar noch als Spielball missbrauchten Kinder, die abhängig vom Alter oft nicht verstünden, was gerade geschieht. Für sie seien die Eltern weiterhin der Vater und die Mutter.

Stichwort Gespräch: Kommunikation sei das A und O in Gesellschaft wie häuslicher Partnerschaft. Zu beobachten sei, dass Vereinsamung etwa wegen Rückzugs aus der Öffentlichkeit zunehme. Dabei bräuchten viele nur einen Anstoß, um zurück zu finden, was nicht mehr vorhandenes Miteinander jedoch verhindere. „Nicht über, sondern mit jemandem zu reden hat in den vergangenen Jahren unglaublich gelitten“, sagt Angelika Lübcke. „Ob nun Handy, Fernsehen, Tablet, Chillen oder was es sonst noch alles gibt: Dabei muss man nicht sprechen und die Verbreitung genannter Dinge hat mit große Schuld an dieser schlimmen Entwicklung. Sprache verstümmelt zunehmend. Keine Runde mehr – ob öffentlich oder privat – in der nicht einer ein Handy in der Hand hat und Kommunikation behindert. Und es ist ein Trugschluss, dass man 24 Stunden am Tag erreichbar sein muss!“

In Gesprächen zeige sich immer wieder, dass Eltern selbst wichtige Grundwerte wie die Achtung vor Dingen und anderen Menschen oft nicht mehr vermitteln und sie selbst auch nicht vorleben. Wer seinem Kind keine Grenzen aufzeige, die es von sich aus nicht kennen könne, begehe einen „Riesenschritt in die falsche Richtung“. Ein Kind befinde sich im Lernprozess und dürfe daher nicht als gleichberechtigter Partner behandelt werden: „Sonst entsteht eine falsche Selbstsicherheit und die Sache geht gegen den Baum. Bitte und Danke zu sagen etwa scheint zunehmend schwierig und wenn man einen Jugendlichen auffordert, jemandem einen Guten Tag zu wünschen, darf man sich nicht wundern, wenn immer öfter eine Antwort wie ,Tut mir leid, geht nicht, ich bin nicht gut drauf’ oder ähnliches kommt.“ Das überall gegenwärtige Schlagwort Fachkräftemangel gebe es nicht nur, weil viele junge Leute nach der Schule unsere Region verlassen, sondern auch wegen dieses falschen Selbstbewusstseins. Es sei falsch, solche Auswüchse zu verallgemeinern, aber der Anteil nehme zu.

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