Bürgerbefragung in Goldberg : Weiter Brummis durch Goldberg?

Engste Stelle in der Langen Straße (B192) von Goldberg: Zwei Laster kommen nicht gleichzeitig durch.
Engste Stelle in der Langen Straße (B192) von Goldberg: Zwei Laster kommen nicht gleichzeitig durch.

Oder doch lieber eine Ortsumgehung? Diese Frage sollen jetzt die Einwohner beantworten - parallel zur Landtagswahl am 4. September

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30. August 2016, 21:00 Uhr

Hier wird’s eng, wenn Brummis auf einen zukommen. Gemeint ist die Lange Straße – die B192 – von Goldberg. Um den Lkw-Verkehr herauszubekommen, wurde bereits mehrfach eine Ortsumgehung debattiert. Kontrovers auch in der Stadtvertretung. Jetzt sind die Goldberger nach ihrer Meinung gefragt. „Anfang des Jahres hat die Stadtvertretung entschieden, eine Bürgerbefragung zu diesem Thema zu machen“, erklärt Marko Kinski, Leitender Verwaltungsbeamter (LVB) im Amt Goldberg-Mildenitz. Diese findet  am kommenden Sonntag, 4. September statt. „Wir wollen jetzt schauen, wie die Bürger das sehen. Dabei müssen Pro und Contra berücksichtigt werden. Welche Vor- und Nachteile bringt eine Ortsumgehung mit sich“, verdeutlicht Marko Kinski.

Hintergrund zur Befragung
Die Bürgerbefragung zur Ortsumgehung Goldberg findet am 4. September nur für die Einwohner der Stadt und ihre Ortsteile statt. Wer am Wahlsonntag verhindert sein sollte, kann sein Votum noch in der Woche darauf – vom 5. bis 8. September – im Rathaus zu den Öffnungszeiten der Verwaltung abgeben.

 Wird der Einzelhandel durch die Umgehung benachteiltigt? Wird es  weniger Lärm für die Einwohner geben? Welche Trassenführung – Ost oder West – wird favorisiert? Diese und weitere Fragen müssten sich die Goldberger  stellen. „Die Fragen, die im Heimatboten stehen zu Kosten, Tourismus, Wirtschaft... erwecken bei mir den Eindruck, dass die Bürger vor der Befragung Angst haben müssen“, erläutert Dieter Langer, Stadtvertreter und direkter Anwohner der B192, der sich telefonisch an unsere Redaktion gewandt hatte. Seit Jahren kämpft er für eine Umgehungsstraße.

Tag ein, Tag aus passieren die Straße rund 46000Fahrzeuge im Durchschnitt (Pkw: 42539; Lkw: 3776) in Richtung Güstrow und Plau am See – festgestellt bei einer Verkehrszählung im Juni 2014. „Die Genehmigungsbehörde hat nach der Messung gesagt, dass das Verkehrsaufkommen für eine Bundesstraße normal und der Verkehr in den vergangenen Jahren nicht mehr geworden sei“, erklärt Marko Kinski.  Sieben Tage lang wurde im 60-minütigen Zeitintervall von 0 bis 23.59 Uhr die Messung vom Straßenbauamt Schwerin durchgeführt. Grund für die Verkehrszählung war ein  Antrag auf Geschwindigkeitsreduzierung – von 50 auf 30 Stundenkilometern. Mehrmals hatte die Stadtverwaltung diesen Antrag bei der Straßenverkehrsbehörde des Landkreises Ludwigslust-Parchim gestellt – immer wieder wurde er abgelehnt. Für Marko Kinski unverständlich. „Es gibt mehrere Orte, durch die ebenfalls eine Bundesstraße führt, bei denen ein Tempo-Limit genehmigt wurde – Neustadt-Glewe oder Warin zum Beispiel“, erläutert der LVB. Nach eingehender Prüfung der Straßenverkehrsbehörde des Landkreises  war ein Einschreiten nicht erforderlich. „Geregelt wird dies über den Paragrafen 45, Absatz 9, Satz 1 und 2“, erklärt Kreissprecher Andreas Bonin. „Eine Lärmbelästigung, die ein Einschreiten erforderlich macht, liegt in Goldberg nicht vor“, so der Pressesprecher. Dem Urteil liegt nicht nur die Verkehrszählung, sondern auch ein Schall-technisches Gutachten aus 2013 zugrunde. „Das Gutachten sagt aus, dass in Goldberg keine Lärmbelästigung vorliegt, da das Verkehrsaufkommen auch nicht so hoch ist, wie an anderen Orten“, sagt Andreas Bonin weiter.

Zumindest ein Tempo-Limit wäre aus vielerlei Sicht schon mal ein Anfang, ein nächster Schritt gewesen.  Aber: „Es wäre gut, wenn der Lkw-Verkehr umgelenkt werden könnte“, so Marko Kinski. Deshalb sind jetzt die Goldberger gefragt. „Das Ergebnis wird sicherlich noch einmal in der Stadtvertretung ausgewertet werden. Einen entsprechenden Beschluss wird es sicherlich auch geben“, erläutert der LVB weiter.  Aber: Auch wenn die Bürgerbefragung mit einem klaren Ja zur Ortsumgehung ausfalle, solle keine Hoffnung auf baldigen Baubeginn geweckt werden. Grund: Eine Ortsumgehung dauert und im Bundesverkehrswegeplan 2030 ist Goldberg nur mit einem „weiteren Bedarf“ vermerkt.

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