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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

25. November 2017 | 09:11 Uhr

Überraschung : Weihnachtsgeschenk für die Kunst

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Freude in der Langen Straße 90: Irene Müller spendet als Botschafterin der Wärme dem Verein Goldbergkunst 500 Euro

von
erstellt am 18.Dez.2014 | 20:00 Uhr

„Ich musste lernen, zu meiner Behinderung ,du‘ zu sagen. Erst als ich das konnte und ich meine neue Lebenssituation akzeptierte, ging es wieder aufwärts“, sagt Irene Müller aus Goldberg. Irene Müller ist seit 28 Jahren blind. Die Goldbergerin hat sich damit arrangiert, arbeitet in der Stadtvertretung von Goldberg mit, engagiert sich seit vielen Jahren im Blinden- und Sehbehindertenverein Lübz e.V.. Der Satz steht in einem Flyer, herausgegeben vom Verbundnetz der Wärme. Auf Vorschlag von Bürgermeister Peer Grützmacher ist Irene Müller zur Botschafterin der Wärme 2014 ernannt worden. Mit ihrem Engagement hilft sie auch anderen.

Aus diesem Grund war sie jetzt in der Galerie von Goldbergkunst zu Gast. Herzlich haben Birgit Schröder und Gerhard Stromberg sie empfangen. Und etwas Kleines hatte die Goldbergerin ebenfalls im Gepäck: 500 Euro spendet sie dem Verein. Denn darauf zielt das Projekt ab – soziales Engagement zu zeigen und Wärme zwischen den Menschen herzustellen. „Jeder Botschafter hat Geld zur Verfügung, um Vereine und Verbände zu unterstützen“, verdeutlicht Irene Müller. Unter anderem hat die Goldbergerin bereits die Aphasie-Gesellschaft in der heimischen Region unterstützt. „Es gibt so viele Vereine und Verbände, die so gute Arbeit leisten. Doch keiner sagt, wie die Vereine all das Geld aufbringen sollen.“

Dieses Mal wollte Irene Müller einen Verein unterstützen, der aus ihrer Stadt kommt – aus „ihrem süßen Goldberg“, wie sie sagt. „Da der Bürgermeister mich vorgeschlagen hatte, wollte ich, dass das Geld auch einem Verein aus der Stadt zugute kommt. Und kunstinteressiert war ich schon immer“, sagt Irene Müller und lächelt. Auch wenn sie heute die Bilder in der Galerie nicht mehr sehe, habe sie dennoch zahlreiche Menschen an ihrer Seite, die ihr die Bilder sehr gut beschreiben können. Bei einem Bluthochdruckschock 1986 wurde ihr Sehnerv irreparabel beschädigt, so dass Irene Müller seit dem nicht mehr sehen kann – damals war sie 31 Jahre alt.

Über die kleine Finanzspritze freut sich Gerhard Stromberg besonders. Denn der Verein möchte im kommenden Jahr mit Kinderbuchautorin Kristina Andres aus Dobbin ein Buch herausgeben. „Wir möchten auf die Leipziger Buchmesse. Dafür ist das Geld sehr gut“, erläutert Kurator Gerhard Stromberg. Eine weitere kleine Überraschung hält Irene Müller noch vor. „Es wäre schön, wenn Sie mir für die nächste Mitgliederversammlung ebenfalls eine Einladung zukommen lassen könnten, denn ich würde gern Mitglied werden“, verrät sie. So wächst der Verein Goldbergkunst in der Mildenitzstadt immer weiter – Jahr für Jahr. Neue Projekte haben Birgit Schröder und Gerhard Stromberg ebenfalls schon im Visier. Über Irene Müller als weiteres Mitglied freuen sie sich besonders. „Gern würden wir mit Ihnen zusammenarbeiten. Vielleicht können Sie uns helfen, wie wir blinden Menschen unsere Ausstellungen in der Galerie näher bringen können“, sagt Gerhard Stromberg.

Ideen hat Irene Müller, geht sie doch selbst mit dem Blinden- und Sehbehindertenverein immer wieder in Kirchen und Galerien. „Wir haben gut ausgebildete Kirchenführer, die auch sehr gut Bilder beschreiben können. Alles läuft eben anders ab. Alles muss konkreter beschrieben werden, nicht: ,Sehen Sie hier‘, sondern ,Sie sehen rechts von mir.‘ All das lernen die Kirchenführer bei uns“, verdeutlicht die Botschafterin der Wärme.

Irene Müller ist auch Botschafterin der Wärme geworden, weil sie Barrieren zwischen den Menschen mit und ohne Behinderung abbauen möchte. „Es muss weitaus mehr geredet werden. Wir haben mittlerweile ein paar Leuchttürme mehr, aber es reicht noch lange nicht aus.“
 

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