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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

23. November 2017 | 04:57 Uhr

(Aus)Gefragt : Weiche Knie und Helden mit Verfallsdatum

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Vor seinem Auftritt am kommenden Donnerstag in der Plauer St. Marienkirche beantwortet Opernsänger Gunther Emmerlich unsere 20 Fragen zum Wochenende. Eine amüsante „Beichte“ des Dresdeners.

von
erstellt am 30.Aug.2014 | 22:00 Uhr

„Theater und Kirche dürfen eins nicht, und zwar langweilen.“ Opernsänger, Fernsehmoderator und Christ Gunther Emmerlich muss das wissen. Seit über 40 Jahren steht er auf den Brettern dieser Welt, hat es bis zum „Ritterschlag“ in der Carnegie Hall in New York geschafft. Und langweilen will der Dresdener auf keinen Fall, wenn er am 4. September (20 Uhr) zum „Festlichen Konzert“ in die Plauer St. Marienkirche kommt. Dafür werden er und seine langjährigen Kollegen und Freunde Kurt Sandau (Solotrompete) und Klaus Bender (Orgel), beide ehemalige Mitglieder der Staatskapelle und Semperoper Dresden, und Sabina Herzog (Cello) aus Berlin sorgen. „Niemand muss die Augenbrauen ganz hochziehen und vor drei Bücher lesen, nur weil das Konzert in der Kirche stattfindet“, sagt Emmerlich. Vielmehr verspricht der 69-Jährige kurzweilige anderthalb Stunden mit Werken von Bach, Händel, Mozart und Mendelssohn-Bartholdy, Spirituals, Orgel- und Trompetenmusik und dazischen immer wieder Humorvolles von den Komponisten, über alte Zeiten, Martin Luther…
Vor seinem Auftritt in Plau am See führte SVZ-Redakteurin Simone Herbst mit Gunther Emmerlich ein Telefoninterview. Die 20 Fragen, die wir normalerweise Menschen aus der Region stellen, waren für den Dresdner allerdings mehr wie ein „Überfall“. Er nahm ihn mit Humor.

 

Plau am See, wissen Sie eigentlich, wo das liegt, oder verlassen Sie sich da ganz auf Ihr Navi?
Ich war schon x Mal in Mecklenburg und finde es unglaublich schön hier. Deshalb verbringe ich hier auch gern meinen Urlaub, etwa in Ahrenshoop, Kühlungsborn oder Ückeritz. Bei einem Aktivurlaub bin ich auch schon mal an Plau vorbei gerudert. Also nein, Plau finde ich definitiv auch ohne Navi wieder.
Herr Emmerlich, nun zu unserem Überfall, den Fragen also, die wir sonst bekannten Menschen aus der Region stellen. – Wo kann man Sie am ehesten antreffen?
Unterwegs. Ich bin viel mehr unterwegs als zu Hause; immer noch. Das bringt mein Beruf einfach so mit sich. Ich mag das aber auch, denn so kann ich immer neue schöne Flecken kennen lernen. Und ich habe auch nicht vor, damit so bald aufzuhören.
Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Ich habe mir in jungen Jahren mit Ferienarbeit im VEB Schamottewerk Eisenberg ein wenig was dazu verdient. Ich kann Ihnen sagen, das war stupide schwere Arbeit. Aber, seitdem habe ich große Hochachtung vor Menschen, die diese Anstrengungen ihr Leben lang aushalten.
Wofür haben Sie das Geld ausgegeben?
Als ich genug beieinander hatte, habe ich mir ein Sportfahrrad von Diamant gekauft. Damit war ich sogar mal bei der Kleinen Friedensfahrt am Start. Das war zu DDR-Zeiten der Ableger für Schüler. Ich wurde Zehnter in einem Starterfeld von 50. Ich war gut.
Was würden Sie gerne können?
Sehr gern würde ich Malen können. Es gibt Leute, die behaupten, ich könnte es. Nun ja, ich sehe das anders. Außerdem würde ich gern die Mikrobe der menschlichen Dummheit finden. Das war die, nach der immer auch Kurt Götz gesucht hatte, sie aber nicht finden konnte. Doch ich bleibe dran.
Was stört Sie an anderen?
All die Dinge, die mich auch an mir stören. Wenn ich anfangen würde, sie aufzuzählen, würde das sehr langweilig. Gravierend finde ich Unaufrichtigkeit und Humorlosigkeit. Wobei Humor eben auch nicht erlernbar ist. Wenn ich morgen von der Kanzel der Lutherkirche in Wittenberg spreche (Emmerlich ist Schirmherr der laufenden Generalsanierung der Schlosskirche zu Wittenberg, Anm. d. Red) wird das auch da mein Thema sein. Denn ich denke, wer keinen Humor hat, sollte nicht auf die Kanzel, sollte vielleicht nicht einmal in den Altarraum. Für den wäre die Verwaltung gut.
Worüber haben Sie zuletzt herzlich gelacht?
Die Frage ist schwierig, die Antwort noch schwieriger. Ich lache jeden Tag und das mehrfach. Zuletzt vielleicht über die Meteorologen, die logen. Nein, das ist Quatsch. Wenn Wettervorhersagen, nach denen man mitunter ja seine Termine ausrichtet, wiedermal nicht stimmen, ist das doch eher zum Heulen.
Was haben Sie zuletzt Unvernünftiges getan?
Unvernunft ist eine Kategorie, die ich bewusst gar nicht zur Kenntnis nehme. Was nicht heißen soll, dass bei mir da nicht jeden Tag einiges zusammenkommt. Bei aller Unvernunft scheint mir die Hauptsache jedoch, dass es niemandem schadet. Im übrigen glaube ich, dass Menschen, die immer vernünftig sind, langweilen.
Wer ist Ihr persönlicher Held?
Mit Helden tu’ ich mich ja ganz schwer. Denn jede Epoche redet den Menschen ihre Helden ein. Nur sind deren Verfallsdaten immer relativ beschränkt.
Welches Buch lesen Sie gerade?
Als ich dieses Buch mit dem Hundertjährigen verschlungen hatte, habe ich mir weitere Bücher von Jonas Jonasson besorgt. Ich blättere mich aber auch immer wieder gern durch Peter Ustinov, zum Beispiel durch sein ,Ich und Ich’. Ich will nicht anmaßend sein, aber seine Erinnerungen an sein Leben, seine Arbeit, das ist mir sehr nahe. Peter Ustinov war ein ganz Großer. Und – wenn ich das erzählen darf – als das Münchner Abendblatt nach einer Vorstellung von mir den Vergleich zu Ustinov zog, war das eine der schönsten Kritiken, die ich je über mich lesen durfte.
Welche Fernsehsendung verpassen Sie nie?
Da gibt es keine. Was mich interessieren würde, kommt meist zu Zeiten, wenn ich auf der Bühne stehe. Eines war mir dann aber so wichtig, dass ich meinem Agenten verboten hatte, parallel Engagements anzunehmen: Und das waren bei der Fußballweltmeisterschaft Halbfinale und Endspiel. Na eigentlich alles ab Achtelfinale…
Wo trifft man Sie eher: Auf dem Fußballplatz oder bei einer Sportübertragung vor dem Fernseher?
Auf dem Fußballplatz. Noch eher allerdings beim Skat. Ich bin in sechs Runden.
Wen würden Sie gerne mal treffen?
Den Papst. Er Katholik, ich Evangele, ja mit ihm würde ich gern mal ein ökumenisches Gespräch führen. Er scheint mit gütig, klug und weise.
Wenn Sie nicht selbst kochen: Was kommt dann bei Ihnen auf den Tisch?
Ich gehe gern zum Italiener. Als gebürtiger Thüringer bin ich aber auch der thüringischen Küche zugetan, kann noch die echten Thüringer Klöße machen. Die kriegt man bei uns in kaum einer Gaststätte, auch wenn es in der Speisekarte noch so fett gedruckt steht.
Mit welchem Lied verbinden Sie Ihre schönste Erinnerung?
Es gibt da diesen Musicalfilm ,Die Regenschirme von Cherbourg’ mit Catherine Deneuve in der Hauptrolle. Ein Titel zieht sich da durch, der ist einfach Wahnsinn. Beim Opernball in Dresden, den ich von Beginn an moderiere, durfte ich Catherine Deneuve begrüßen. Als ich ihr die Hand reichte, wurden mir die Knie weich. Ohne Quatsch.
An welches Geschenk erinnern Sie sich noch gerne, und von wem haben Sie es bekommen?
Wieder so ’ne schwierige Frage. Aber ich weiß, meine Frau hat mir an alle meine Bettdecken und Inlets 20 Zentimeter drangenäht. Alle meine 193 Zentimeter haben sich darüber gefreut.
Welchen Traum möchten Sie sich erfüllen?
Es wäre wohl unverschämt, mir noch mehr zu wünschen, denn im Grunde habe ich mir alles Erträumte erfüllen können. Selbst den Ritterschlag, den Auftritt in der Carnegie Hall in New York. Aber gut, es würde mich freuen, einmal in ,Der Mann von La Manchia“ mitspielen zu dürfen. Das ist das Musical nach dem Roman ,Don Quijote’ von Cervantes. Ansonsten bin ich wunschlos glücklich.
Was werden Sie als Rentner machen?
Rente nehme ich nicht zur Kenntnis. Ich will mir von keiner Sozialversicherung und keinem Sozialministerium vorschreiben lassen, wann mein letzter Arbeitstag ist. Mein Beruf ist viel zu schön. Ich werde singen. Und wenn ich das nicht mehr kann, hab’ ich noch das Schreiben und Lesen.
Wem sollten wir diese Fragen ebenfalls stellen?
Jedem, der fragwürdig ist – also des Fragens würdig.

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