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11. Dezember 2017 | 20:09 Uhr

Warnung vor dubiosen Einladungen

vom

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erstellt am 26.Jan.2012 | 10:25 Uhr

lübz/ hamburg | Im ersten Augenblick freut sich Suse Klingbeil aus Lübz, als ihr eine Einladung zum Neujahrsempfang der "Tourist AG Hamburg" in der Hansestadt ins Haus flattert: "Ich dachte gleich daran, bei dieser Gelegenheit vielleicht meine dort wohnende Schwester besuchen zu können." Doch nur Minuten später breiten sich Zweifel in der Rentnerin aus, die vergleichsweise viel reist und dementsprechend Erfahrungen hat, was Tourismus betrifft. "Ich rief bei meiner Cousine an und erzählte ihr von der Einladung. Sie hat mich gleich davor gewarnt, darauf einzugehen, was sich für mich als richtig herausgestellt hat", sagt sie.

"Moin, Moin! Hamburg - Die Hafenstadt lädt ein!" ist ganz oben auf der Seite zu lesen, daneben ein Logo der "Hamburger Tourist AG" mit Fernsehturm und anderen bekannten Gebäuden der Stadt. Nicht nur, dass es keine Firma mit diesem Namen gibt: Als Absender ist die "MF Laris GmbH, Postfach 31 13 21, 10643 Berlin" abgedruckt. Vor ihr haben unter anderem schon die Städte Leipzig und Dresden gewarnt.

Anlass für die Einladung als "ganz besondere Überraschung" sei das 50-jährige Bestehen der Hamburger Tourist AG. Sie habe sich entschlossen, 500 aus verschiedenen Orten und Städten ausgeloste Gäste einzuladen. Suse Klingbeil gehöre zu ihnen: "Genießen Sie und eine Begleitperson Ihrer Wahl einen wunderschönen Ausflugstag in Hamburg mit allem drum und dran." Die Lübzerin sei am 15. Februar ins "HTA-Infozentrum" zu einem "leckeren Frühstück und einer kurzweiligen Infoshow" eingeladen, woraufhin es ein landestypisches Präsent kostenlos überreicht gebe. Suse Klingbeil solle beiliegende Antwortkarte "so schnell wie möglich" zurücksenden, damit alles in ihrem Sinne vorbereitet werden könne. "Aus Wettbewerbsgründen" habe sie eine Versicherungs- und Buchungsgebühr in Höhe von fünf Euro zu zahlen, heißt es auf einem von der Karte abzuschneidenden Streifen. Unterzeichnet ist das Schreiben von Franz-Josef von Stein, "Präsident der Hamburger Tourist AG". Im weltweit arbeitenden Internet ist dieser Name ausschließlich dem von 1879 bis 1897 tätigen Erzbischof von Würzburg vorbehalten.

Raffiniert ist nicht nur die seriöse Aufmachung des Gewinnschreibens, die Suse Klingbeil beinahe dazu gebracht hätte, sich anzumelden, sondern auch der verwendete Name Hamburger Tourist AG, der der wirklich existierenden Gesellschaft Hamburg Tourismus GmbH so ähnlich ist, dass der Unterschied den meisten auf den ersten Blick nicht auffallen dürfte. "Auch dadurch ist der Image-Schaden für uns und die Stadt enorm", sagt Sascha Albertsen, Pressesprecher der Hamburg Tourismus GmbH. "Aus unserer Sicht ist es Betrug am Kunden, jetzt auch verstärkt im Umfeld von Hamburg - eine unglaubliche Frechheit! Ich bin entsetzt ob dieser dreisten Praktik."

Suse Klingbeil ist nicht die einzige Hinweisgeberin und niemand kann gleichzeitig sagen, wie viele Bewohner der Lübzer Region die beschriebene Einladung erhalten und sie vielleicht schon angenommen haben. Mittlerweile stapeln sich die Schreiben im Büro von Albertsen, weil viele das zwielichtige Angebot durchschaut hätten. Obwohl beispielsweise die Leipziger Tourismus und Marketing GmbH (LTM) zumindest Ende vorigen Jahres noch keine rechtlichen Schritte gegen die Briefkastenfirma erwog, verhält sich dies in Hamburg anders: "Aus jetziger Sicht werden wir rechtlich gegen die nach unseren Erkenntnissen bundesweit agierende MF Laris GmbH vorgehen, weil in den Briefköpfen beispielsweise die Hammaburg, Hauptbestandteil des Hamburger Wappens, in Originalform abgedruckt ist. Hier muss man Missbrauch verhindern."

Ein weiterer Hinweis darauf, dass es sich im vorliegenden Fall um kein seriöses Angebot handele, sei, dass nirgendwo auf dem Schreiben ein Festnetz-Telefonanschluss angegeben ist, sondern nur eine Handy-Nummer steht. Dem Briefkopf zufolge ist das "Touristik-Service-Telefon" montags bis donnerstags von 8.30 bis 12 Uhr erreichbar.

Auf der Antwortkarte stehen konkrete Busabfahrtszeiten, etwa um 6.52 Uhr ab ZOB in Lübz und um 7.18 Uhr ab Bahnhof in Parchim. "In den Schreiben wird mit Lügen und großen Worten hantiert, aber völlig fingiert muss das alles nicht sein", sagt Albertsen. "Die Leute werden vielleicht tatsächlich von einem Bus abgeholt und dann zu einer Verkaufsveranstaltung gebracht, die mit den Dingen in den Einladungen wenig zu tun hat." Der Pressesprecher hat unter anderem Kontakt zur Verbraucherschutzzentrale, den alle ebenso aufnehmen sollten, wenn sie den Verdacht haben, dass sie betrogen werden: "Ich rate auch den Bewohnern der Lübzer Region: Beim Verbraucherschutz melden und Finger weg von den Schreiben! Am besten gar keine Reaktion zeigen. Seriöse Angebote sehen anders aus."

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