Wechselbörse : Wangeliner Tauschhaus wird Zwei

Stellen sich dem Fotografen: die supermodels von Wangelin Fotos: Monika Maria Degner
Stellen sich dem Fotografen: die supermodels von Wangelin Fotos: Monika Maria Degner

Von einem Laufsteg mitten in Wangelin und einer Schwarzwälder Nähmaschine

svz.de von
02. September 2015, 12:36 Uhr

Eigentlich ist der zweite Geburtstag einer Einrichtung wie der des Tauschhauses noch kein großer Anlass für ein Geburtstagsfest. Aber für die FAL-Wangeliner schon. Man macht einfach was draus, zum Beispiel mit Kuchen, Verlosung und einer Modenschau. Zum „guten Leben“, sagt Warnfried Altmann, Vorsitzender des Fördervereins Wangeliner Garten, lachend, gehört auch mal ein Fest, gutes Essen und Spaß.

Und Spaß hatten sie an diesem Nachmittag zuhauf, obgleich das Wetter mit unberechenbaren Wechseln leicht verwirrte. Spaß hatten ebenfalls zwei Ur-Wangeliner Ehepaare, die sich ganz ohne Berührungsvorbehalte beim bunten Zeltdach einfanden. Auch die ursprünglichen Dorfbewohner, erläutert Altmann, frequentieren das Tauschhaus. Überhaupt gebe es einen permanenten Umsatz von Gegenständen, die noch brauchbar sind und im Tauschhaus den Besitzer wechseln, anstatt weggeworfen zu werden. Eine gute Idee also, die ankommt, so sieht die Bilanz nach zwei Jahren des Bestehens aus. Und Klaus Hirrich, Vorsitzender des FAL, wäre nicht er selbst, würde er nicht auch jetzt an die Zukunft denken: Jedes Dorf sollte sein Tauschhaus haben, sagt er sinngemäß. Aber natürlich müssten die Gemeinden mitspielen.

Ressourcenschonend lautet die Empfehlung für Tauschgeschäfte dieser Art, aber für manche hat das Tauschhaus vielleicht auch den Sinn, dass es hilft, wenn der Beutel mager ist. Und obgleich der Name etwas anderes nahelegt – niemand muss, wenn er etwas genommen hat, auch gegenleisten. Manche Sachen, sagt Florian Hartl vom FAL, sind, obwohl abgelegt, auch noch richtig schön. Seine Frau entdeckte im Tauschhaus Teller und urteilte prompt: „Die nehmen wir mit.“

Dass man in Wangelin aber auch „Gedanken, Visionen und Perspektiven tauscht“, weiß Manfred Ederle. Der ehemalige Pfarrer aus dem Nordschwarzwald und seine Frau leben erst seit ein paar Monaten in dieser Gegend, aber Ederle fühlt sich mit dem Verein offenbar schon sehr verbunden. Und er hat nicht nur einen erweiterten Tauschbegriff, sondern auch seine badische Nähmaschine und badischen Humor importiert. Die Nähmaschine, Hauptpreis der Verlosung, sei „in einem keltischen Fürstengrab gefunden worden, früher Aldi-Stil“, behauptet er. Und so witzig und ausgelassen geht’s weiter. Jetzt verschwinden die Models in der Tauschkammer. Naturgemäß haben sich hier viele Kleidungsstücke angesammelt und bald schreiten sie in erstaunlich stimmigen Kombinationen über den Wangeliner Laufsteg: eine Businessfrau mit Hüftschmeichler, eine Anna Karenina, ein Mafioso, eine Unschuld vom Lande und so weiter und so weiter. Alle amüsieren sich köstlich.


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