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Ein phantasievoller Ort : Wangeliner Garten - fest verwurzelt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Vor 20 Jahren wurde das Areal von anderthalb Hektar Krautland urbar gemacht. FAL e.V entwickelte es zu einem phantasievollen Ort

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erstellt am 17.Jun.2014 | 22:00 Uhr

Wussten Sie eigentlich, dass sich dort, wo seit fast 20 Jahren der Wangeliner Garten blüht, wächst und gedeiht, heute beinahe ein See befände. Zumindest wenn es nach den „Vätern“ gegangen wäre. Kerstin Breuer, Agraringenieurin Pflanzenproduktion, die den Garten 1994 mit angelegt hat und seit drei Jahren dessen Leiterin ist, bedauert nicht, dass es anders kam. „Die Idee war ursprünglich, einen See anzulegen und auf der Basis Wasser Naherholung zu betreiben“, erinnert sie sich. Der Anstoß, einen anderen Weg zu beschreiten, kam von außen. Der Verein FAL e.V. (Verein zur Förderung angemessener Lebensverhältnisse), der nicht wie viele andere den Wald fegen, die Menschen in der Region aber in Arbeit bringen und dabei die Region möglichst breit mitentwickeln wollte, bestand schon. Und bemühte sich um Förderer. Ein Vorort-Termin brachte Peter Pretscher, Bioökologe und ehemaliger Mitarbeiter des Bundesamtes für Naturschutz Bonn nach Wangelin. „Einen See? Hier?“, war seine erste Reaktion. Die zweite: „Hier existiert ein Sammelsurium an Pflanzen, Vögeln, Insekten, macht doch besser einen Garten draus.“

Das war Anfang der 90er Jahre. Bald wurde das erste Konzept zur „Verbesserung von Umwelt und Natur“ entwickelt, die Naturschutzgebiete Muschelberg, Heidberg, Enziansoll und Pechnelkenhügel gepflegt, Sträucher entfernt, um die Verdrängung seltener Pflanzen zu verhindern und schließlich die ca. 1,5 Hektar, die heute den Reiz des Wangeliner Gartens ausmachen, urbar gemacht. Pretscher war es auch, der den Wangelinern half, den Gartenplan zu entwickeln und 1:1 auf die Fläche zu projizieren. Das war quasi die Geburtsstunde jenes phantasievollen Ortes, der heute längst auch für nachhaltige Entwicklung, Wohnen, Bauen, Ernähren, Kultur und Umwelt steht.

Damals aber war da nur Wiese, jahrzehntelang naturbelassene Krautfläche. „15 ABM-Kräfte und ich begannen also mit der Urbarmachung und Bepflanzung“, erinnert sich Kerstin Breuer an die schweren Anfänge. Und an die Liste von 900 Pflanzen, die in neun Pflanzbereichen angelegt werden mussten, oder besser sollten. „Das war auch deshalb so unheimlich schwierig, weil es Anfang der 90er Jahre kaum Telefon und noch gar kein Internet gab“, kann die Gartenchefin über verdammt hohe Hürden heute nur noch schmunzeln. Sie kannte eine Menge Pflanzen. Alle 900 kannte sie nicht. Um die zu recherchieren, mussten sich die Wangeliner in Bibliotheken durch ganze Berge von Fachliteratur lesen. Erst dann konnte aus zahlreichen botanischen Gärten über die Möglichkeiten des internationalen Samenaustausches Saatgut geordert werden. Aus einer stillgelegten Gärtnerei in Plau am See konnten die dringend benötigte hunderte Tontöpfe beschafft werden. Währenddessen wurde Erde für die Anzucht präpariert.

Noch heute ist der Garten genauso strukturiert, wie er einst angelegt wurde, sagt Kerstin Breuer stolz. Nur die Zahl der Mitarbeiter hat sich über die 20 Jahre drastisch reduziert. Von den einst knapp 20 ist heute keiner mehr zu finden. Stattdessen sorgen zwei Ein-Euro-Jobber, zwei Kräfte, die auf 400-Euro-Basis arbeiten und mit etwas Glück immer auch zwei Bundesfreiwillige (Bufdi) für Ordnung auf den anderthalb Hektar. „Weil die Maßnahmen heute von kürzerer Dauer sind, macht das die Sache schwieriger“, bedauert die Gartenchefin. „Wenn sich die Leute hier bei uns eingearbeitet haben, ist die Maßnahme auch schon wieder beendet.“

Auch das war ein Grund, warum sich 2012 der Verein zur Förderung der Wangeliner Gartens gründete. 20 Mitglieder zählt er momentan, Leute aus ganz unterschiedlichen Bereichen, die eines gemeinsam haben: Das große Interesse daran, den Garten, der als größter Kräutergarten Mecklenburgs bekannt ist, der zu den fünf Schaugärten in MV gehört und Mitglied der Gartenstraße ist, zu erhalten.

Das gelingt. Mit Standbeinen, die nicht unbedingt mit Garten sehr wohl aber mit „angemessenen Lebensverhältnissen“ zu tun haben: Längst ist der Wangeliner Garten Heimstätte für gute Küche, hier finden die „Jenseits der Stille“-Konzerte statt, Ausstellungen, hier hat die Europäische Bildungsstätte für Lehmbau ihre praktische Bühne, Pflanzenmärkte, ebenso die verschiedenen Lehrgänge für den grünen Daumen…

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