zur Navigation springen
Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

21. September 2017 | 14:09 Uhr

Durch dickich in bobzin : Wandernd durch den Winterwald

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Revierförster Hartmut Bengs führte eine Exkursion durch den Wald von Bobzin. Eine wissenswerte Tour durch die Heimat

Da wo im Sommer das Turbinenwasser rauscht, schmatzt am Sonnabend der Schneematsch unter rund fünfzehn Paar Wanderstiefeln. Ein Teilnehmer stützt sich auf einen Wanderstab, der eindrucksvoll mit Stocknägeln übersät ist. Es ist Winter, wenig über null Grad und dunstig. Wer jetzt wandert, muss sich die Mütze über die Ohren ziehen. Revierförster Hartmut Bengs, der die Winterwandergruppe führen wird, dürfte an alle Wetter gewöhnt sein, nur die Kälte unter zehn Grad, sagt er, mag er nicht.

Schnell hat die Wandergruppe sich gesammelt. Zum sechsten Mal konnte der „Verein Wasserkraftwerk Bobziner Schleuse“ ein Grüppchen winterfester Kämpfer zum Treff vor das Wasserkraftwerk locken, Ziel ist ein etwa anderthalbstündiger Rundgang durch den Winterwald von Bobzin mit dem Kreiener Revierförster Bengs. Die meisten Teilnehmer sind schon mehrmals mitgegangen, wissen, wie auskunftsfreudig Revierförster Bengs ist, und so gerät der Weg, Matsch hin, Nebel her, umgehend zu einer Art „Waldlehrpfad“. Und wieder wird gestaunt, wie reich das Fachwissen ist, über das ein „Waldbauer“, wie Bengs sich auch nennt, verfügen muss.

„Dichtstand“ der Bäume zum Beispiel ist ein Thema, mit dem der Förster sich auseinandersetzen muss. Die Waldbäume, an denen die Gruppe jetzt im Bobziner Forst vorbeiläuft, stehen recht licht. Nach der Wende, berichtet Bengs, schieden sich die Geister Ost und die Geister West offenbar an diesem Thema. „Wir hier haben viel dichter gepflanzt, als im Westen üblich“, sagt er. Noch heute hält er die Bestände relativ dicht, denn „Holz wächst nur an Holz zu“ und Erträge soll der Wald schließlich bringen. Förster stehen immer auch unter wirtschaftlichem Druck. Pro Hektar müsse eine bestimmte Menge Holz geerntet werden können. Der Landesförster unterliegt also einem vorgeschriebenen Hiebsatz. Darüber hinaus hat er für Aufforstungsflächen, Jungbestandspflege und Kulturpflege zu sorgen.

Aber wenn man um sich blickt, denkt man weniger an Regularien und Vorschriften. Ob im Dunst oder bei unterschiedlichen Sonnenständen – immer verbreiten Waldbäume ein besonderes Fluidum. Aber vorderhand interessiert einen Förster das Atmosphärische sicher nicht – oder doch? Voller Begeisterung erzählt er von seiner Arbeit im Wald, verrät Bengs. Er habe schon früh entweder Bauer oder Förster werden wollen. Also muss doch etwas da gewesen sein, das nicht Hiebsatz, Festmeter oder Aufforstungsfläche heißt. Mit seiner Begeisterung für den Wald versucht der Förster auch junge Menschen zu erreichen. In der kommenden Woche beispielsweise wird er eine Ferienwanderung mit den Ferienpass-Kindern vom Mehrgenerationenhaus in Lübz unternehmen. Aber auch Ehrfurcht vor den allmählichen Prozessen in der Natur spricht aus seinen Schilderungen: „Man müsse sich vorstellen, dass Bäume, die wir jetzt ernten, zwei Generationen zuvor veranlagt wurden. Ohne ein Denken über die eigene Lebenszeit hinaus, lernen wir, kann man also nicht verantwortlich Förster sein.“

Aber auch über die ökonomische Seite werden die Wanderer immer wieder ins Bild gesetzt: „In Bobzin gibt es besonders gute Standorte auch für Eiche und Buche“, sagt Hartmut Bengs. Aber die Forstwirtschaft lebe heute vom Nadelholz, die Holzwerke nehmen weniger Buche ab als früher, Kiefern seien gefragt und würden verhältnismäßig gut bezahlt. Dazu kommt, dass die Laubbäume in unserer Region auch natürlicherweise nicht unangefochten sind. Die Ulme sei stark reduziert, auch die Eiche kränkle bereits, weiß Bengs, ähnlich wie die Esche ist sie im Sommer in der Krone Insektenfraß ausgesetzt.

All das und noch mehr gehört zum Alltag des Försters. Als die Wanderer am Ende bei Glühwein im ersten Stock des Kraftwerksgebäudes zusammensitzen, haben sie viel gefragt und viel gelernt. Der Förster ist ein guter Lehrer gewesen, immerhin verbinden ihn und sein 1800 Hektar großes Revier nun 25 Jahre Jahre Arbeitsleben. Er formuliert das so: „In diesem Jahr habe ich Silberhochzeit“.
 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen