Grambow : Waldschäden durch Verbiss steigen

Nicht nur mit Verbiss haben Waldbesitzer zu kämpfen, sondern auch mit Schäden durchs „Fegen“ und „Schälen“.
Nicht nur mit Verbiss haben Waldbesitzer zu kämpfen, sondern auch mit Schäden durchs „Fegen“ und „Schälen“.

Privatwaldbesitzer fordern von Jägerschaft mehr Wild zu schießen. Gleichgewicht solle auch beim Bestand herrschen

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01. September 2017, 06:00 Uhr

Gerd Scheel aus Grambow ist wütend. „Stinksauer bin ich“, sagt er gegenüber unserer Zeitung. Wenn der Grambower durch seinen gut neun Hektar großen Wald geht, kann er nur immer wieder mit dem Kopf schütteln. Wieder ist das Wild am Werk gewesen. Naturverjüngung ist bei ihm kaum möglich. „Ich habe schon ewig mit Verbiss in meinem Waldgebiet zu kämpfen“, sagt der Privatwaldbesitzer. Immer mehr einzäunen und Verbiss-Mittel streichen wolle er aber auf Dauer nicht mehr. Gerd Scheel geht es um Grundsätzliches. „Es geht mir nicht ums Geld. Es geht mir um die nachfolgenden Generationen.“ Er fordert – und das habe er den Jägern schon oft gesagt –, dass sie mehr abschießen müssen. „Es ist einfach zu viel Wild im Wald. Doch mir wird immer wieder gesagt, ich soll mehr einzäunen.“

Seit einigen Jahren schon beobachtet auch Christian Albrecht, Förster beim Gut Karow, die steigenden Wildzahlen. „Der Bestand ist einfach zu hoch, das ist nicht mehr gesund“, erklärt der Förster. Auch er sorgt sich um seinen Wald – das Revier Karow-Hahnenhorst. „Unsere Gegend hier ist das wildreichste Bundesland.“ Derzeit werden vor allem die Maisfelder, die das Gut Karow ebenfalls vorhält,  Tag und Nacht  bewacht. Anders ginge es nicht. Der Schaden, den die Tiere anrichten,  wächst  täglich. Nicht nur auf dem Feld, auch im Wald. Auf gut 51 Hektar Ackerfläche wurde bereits im Frühjahr ein Schaden von rund 180000Euro angerichtet. „Nur durch Verbiss. Wir reden dann über Totalausfälle und immense Kosten“, erklärt Christian Albrecht. Auch er wolle nicht ständig seinen Wald einzäunen. „Naturnaher Waldbau muss möglich sein.“

Vor allem auf den Terminaltrieb, den Hauptstamm, der jungen Pflanze haben es die Tiere abgesehen. Das bestätigt auch Henning Voigt, Wildmeister beim Landesjagdverband MV. „Das Wild verbeißt den Terminaltrieb. Es ernährt sich davon. Das müssen wir klar zur Kenntnis nehmen.“ Auch er wolle in Zukunft einen ausgewogenen Wildbestand haben. Das stehe außer Frage. Dennoch appelliert Henning Voigt auch an die Grundeigentümer. „Die Grundeigentümer können Einfluss nehmen, auch sie haben Verantwortung. Sie können den Jagdpächtern sagen, dass sie mehr abschießen sollen“, sagt Henning Voigt. Der Wildmeister  gibt auch zu, dass es steigende Bestände gibt. „Wir alle müssen daran arbeiten, dass wir einen ausgewogenen Bestand haben“, sagt Henning Voigt.

Die Schäden im Wald werden aber nicht allein durch Verbiss angerichtet, auch das sogenannte Schälen und Fegen setzt den Förstern in ihren Wäldern zu. „Wir haben Schälschäden an nahezu allen Baumarten“, sagt Holger Weinauge für das Waldgebiet Karow-Hahnenhorst. Wird die Rinde bei einem jungen Baum abgefressen, also geschält, können Pilze und andere Schädlinge ungehindert eindringen. Der Baum nimmt Schaden, stirbt mitunter ab. Auch beim Fegen ist das so. Rehböcke und Hirsche bilden jährlich neues Geweih aus. Ist das Wachstum beendet, versuchen die Tiere die Basthaut, unter der das neue Geweih heranwächst, loszuwerden. Dabei reiben sie ihr Geweih immer wieder an der Rinde vor allem junger Bäume – sie fegen.   Auch das beschädigt den Baum.

 Holger Weinauge, selbst Förster und Vorstandsmitglied der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Mecklenburg-Vorpommern (FWV MV), geht sogar noch weiter in seiner Aussage. „Wenn nichts unternommen wird, stirbt der Wald von unten, weil nichts mehr natürlich nachwächst.“ Wildschäden kennt der Förster nicht nur aus dem Bereich Karow, sondern auch im Ludwigsluster und Hagenower Raum haben die Förster stark damit zu kämpfen. „Alles Zäunen, das stelle man sich mal vor. Das ist ein völlig abwegiges Verfahren“, sagt er ganz deutlich. Für ihn ist das Thema ein gesamtgesellschaftliches Problem. „Wenn die Jäger ihre Planungen nicht überdenken, der Bestand reduziert wird, wird der Wald instabil.“

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