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Parchim: Jagd-Frevel scharf verurteilt : Waidmänner der Region distanzieren sich

vom

Waidleute der Region Parchim distanzierten sich auf ihrer Delegiertenkonferenz am vergangenen Sonnabend scharf von den Jagdpraktiken im Müritz-Nationalpark.

svz.de von
erstellt am 17.Feb.2013 | 10:08 Uhr

Parchim | Ein eindeutiges Signal ging am Sonnabend von der 22. Kreisdelegiertenkonferenz des Kreisjagdverbandes Parchim e. V. in Richtung Landwirtschaftsminister: Die anwesenden Vertreter der 22 aktiven Hegeringe distanzierten sich geschlossen von den Jagdpraktiken im Müritz-Nationalpark und schlossen sich einem Brief des 1. Vorsitzenden der Gesellschaft für Wildtier- und Jagdforschung e. V. (GWJF), Prof. Dr. Michael Stubbe aus Halle, an.

Dieser hatte sich bestürzt an Landwirtschafts-, Umwelt- und Verbraucherschutzminister Dr. Till Backhaus gewandt, nachdem die Zeitschrift "Unsere Jagd" die Vorfälle im Müritz-Nationalpark aufgedeckt hatte und sie damit erstmals öffentlich machte (SVZ berichtete). "Der Aufschrei durchzieht die gesamte Republik und hat dem guten Ruf Ihrer Jagd- und Naturschutzpolitik enormen Schaden zugefügt", so Stubbe und weiter: "Sofern diese Darstellungen den Tatsachen entsprechen, werden Jagdethik, Weidgerechtigkeit, jagdliches Brauchtum, Tierschutz und wissenschaftliche Erkenntnisse mit Füßen getreten. Mit Nachdruck distanzieren wir uns von dem Ideengut und den Jagdpraktiken des Ökologischen Jagdverbandes, der offenbar federführend in jagdwirtschaftliche Praktiken eingreift."

Den Aufschrei - den bekam auch Jürgen Katzmann, Vorsitzender des Kreisjagdverbandes Parchim e. V., zu spüren. Er konnte es selbst nicht glauben, was er da in seiner Verbandszeitung gelesen hat. "Ich war nicht dabei", stellte er klar. Sein Telefon habe nicht mehr stillgestanden. "Das, was da beschrieben wurde, habe ich auf keiner Jagd erlebt", habe er bisher nur weidgerechtes Verhalten empfunden. Er rief die Mitglieder seines Verbandes dazu auf, "macht weiter so, wie wir die Jagd gelernt haben nach den moralisch-etischen Werten der Jagd. Die Achtung vor der Kreatur ist das höchste Gut, dem ordnet sich alles unter." Jeder Verstoß gegen das Jagdgesetz gehöre angezeigt. Rainer Barabas, Leiter des Hegeringes Sternberg, machte aus seinem lange angestauten Frust keinen Hehl: "Es hat sich eine zahlenmäßig sehr kleine Gruppe von jagenden Personen etabliert, die unter dem Deckmantel des naturnahen Waldumbaus traditionelle ethische Grundsätze in der Jagd ablehnen oder bewusst missachten. Gemessen an der verschwindend geringen Anzahl der selbst ernannten Ököjäger ist ihr Einfluss überproportional groß. Offensichtlich nicht selten ohne eigene Hegeverantwortung in einem Revier, fallen ihre (Un)Taten, so sie überhaupt bekannt werden wie das Gemetzel im Nationalpark, auf tausende weidgerecht jagende Jäger zurück. Das Ansehen der Jägerschaft in der Bevölkerung wird damit auf lange Sicht stark beschädigt", so Rainer Barabas. Etwas mehr Courage haben sich Weidmänner aus dem Parchimer Land in den vergangenen Tagen offenbar vom Landesjagdverband gewünscht. Dessen Präsident, Dr. Volker Böhning, bekräftigte am Sonnabend in Parchim, dass man sich dafür einsetzen werde, dass dem verantwortlichen Dezernenten der Jagdschein entzogen werde: "Die Beweise sind eindeutig."

Einstimmige Zustimmung fand auf der Delegiertenversammlung ebenfalls das auf dem Bundesjägertag 2012 in Pforzheim vorgestellte Diskussionspapier des Deutschen Jagdschutzverbandes mit 16 Punkten zur "Standortbestimmung der Jagd".

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