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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

22. September 2017 | 02:55 Uhr

hinter den kulissen : Vorhang auf für die Förderschule

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Lübz’ Schule am Neuen Teich öffnete am Sonnabend seine Türen. Nach 20 Jahren war es der erste Tag der offenen Tür

„Nach zwanzig Jahren gibt es an dieser Schule wieder einen Tag der offenen Tür“, sagt der Leiter der Förderschule am Neuen Teich, Steffen Petzak. Mit einigen „special guests“ sitzt er nach der Eröffnung kurz beisammen, verschnauft und äußert sich ausgesprochen zufrieden. „Wir hatten überhaupt keine Ahnung, wie der Tag laufen wird, aber – sie sind gekommen.“

Und tatsächlich: An diesem Samstag Morgen sind wieder reichlich Besucher in die Lübzer Förderschule mit dem riesigen Einzugsbereich fast bis Neustadt-Glewe geströmt. Und wieder ist zu spüren: Diese Schule, die in der bestehenden Form auf längere Sicht nicht bleiben wird, wird geliebt. Es heißt schon etwas, wenn ein Hausmeister sich ohne Abstriche positiv über seine Schule äußert, so wie hier Frank Wahls: „Mich freut die Schule jeden Tag.“ Die vierzehn engagierten, fachlich entsprechend ausgebildeten Lehrer tragen nun also, neben allen anderen regelmäßig stattfindenden Projekten, auch diese „offene Tür“. „Und die Schüler und Schülerinnen“, sagt Schulsozialarbeiterin Steffi Tesch, „sind stolz, sich einmal anders präsentieren zu dürfen.“ Ausdrücklich erwähnt Petzak auch die Unterstützung durch die Sparkasse Parchim-Lübz, die mithalf, diesen Tag zu gestalten.

Und so ist ein flotter Gruppentanz von Schülerinnen der 10. Klasse Berufsreife zu sehen. Was auf dem Parkett des Atriums so selbstverständlich anmutet, ist in Wahrheit das Produkt einer gekonnten Koordination von Kopf und Körper und natürlich der Verbindung mit dem Rhythmus. Erfreuter Beifall belohnt die Aufführung. Das gleiche gilt für Fabians Soloauftritt als Sänger mit dem Zwanziger-Jahre-Hit „Mein kleiner grüner Kaktus“. Sinnig und rührend zugleich ist Fabinas Gestik in Richtung Publikum, wenn der kleine Kaktus wieder und wieder im Refrain gepriesen wird. Und wie mutig ist so ein Solo!

Höhepunkt dieser Offenen Tür ist die Vorführung eines kleinen gereimten Theaterstücks. Im Unterrichtsfach „Darstellendes Spiel“ wurde es von Steffen Petzak und Schülern eingeübt, jetzt wird es draußen im Grünen gezeigt. Die jungen Darsteller schwitzen im dicken Bären- oder Wolfskostüm, denn wieder einmal, ähnlich wie in den vergangenen Weihnachtsmärchen, geht es um Tiere. Und es geht um ein Haus, dem Sinn nach um einen Schutzraum, eine Hülle, die nun entdeckt und bezogen wird von Frosch, Maus, Hahn und Igel und – allerdings entgegen der Regie – auch erst einmal nicht verlassen wird. Aber das Haus bleibt nicht unumkämpft. Bald ziehen Fuchs, Wolf und der starke Bär über den Hügel herbei, um das Haus zu erobern. Ein Kampf. Die schwachen Tiere müssen sich wehren...

Heute schon begleiten die fachlich geschulten Lehrer der Förderschule Kinder in Grund- und Hauptschulen, die nach dem Prinzip der Inklusion beschult werden. Während 70 Prozent der Förderschulkinder nach Abschluss der Berufsreife sofort eine Ausbildung beginnen können, tun sich der Erfahrung nach die „inklusiven“ Kinder deutlich schwerer, berichtet Steffen Petzak. In der Förderschule am Neuen Teich seien auch deshalb die Schülerzahlen stabil, weil viele aus der Inklusion wieder heraus und an die Förderschule gehen. Manch ein sogenanntes „verhaltensoriginelles“ Kind wird hier wieder aufgefangen, Petzak nennt Beispiele für zumindest kleine Fortschritte in strukturiertem Handeln: „Es dauerte nicht lange“, sagt er, „bis die Schulsachen tatsächlich jeden Tag mitgebracht wurden.“ Die Schule, in der nur neun Kinder in einem Klassenraum sitzen, hat die Liste der Förderschwerpunkte stark erweitert. „Zum alten Förderschwerpunkt Lernen trat die Förderung der geistigen, sprachlichen und motorischen Entwicklung. Die Förderung verhaltensgestörter Schüler zählt dazu“, erläutert der Schulleiter.

Aber das Prinzip Inklusion wurde bundesweit festgeklopft. Auch für die Förderschule in Lübz hat dies Konsequenzen. Ab 2024 wird es diesen Schultyp überall in Eigenständigkeit nicht mehr geben. „Sie wird andocken an die Grund- und Regelschule“, so der Leiter. Aber zunächst „im Zuge des Ausbaus der Inklusion kann die Förderschule eine Alternative für die gelingende sonderpädagogische Betreuung sein.“

 









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