Flüchtlinge in Goldberg : Voneinander lernen – gemeinsam

Distanzieren sich klar von den Terroristen in Paris: Ahmad Afjouni und Samer Alhussain aus Syrien gemeinsam mit Gisela Hög, Schulleiterin an der Regionalen Schule Walter Husemann in Goldberg.
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Distanzieren sich klar von den Terroristen in Paris: Ahmad Afjouni und Samer Alhussain aus Syrien gemeinsam mit Gisela Hög, Schulleiterin an der Regionalen Schule Walter Husemann in Goldberg.

Das will die Initiative „Willkommenskultur in Goldberg“ erreichen. Immer mehr freiwillige Helfer finden sich unter den Einwohnern.

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19. November 2015, 18:00 Uhr

„We are against the terrorists in Paris“ – „wir sind gegen die Terroristen von Paris“ –, das sagt Samer Alhussain bei der Zusammenkunft der Initiative „Willkommenskultur in Goldberg“. Seit einiger Zeit lebt der syrische Elektroingenieur gemeinsam mit seiner Familie in Goldberg – zwei Brüder und eine Schwägerin sind dabei, seine Frau erwartet ein Kind. Samer Alhussain ist das Familienoberhaupt. „Wir müssen uns die Familienstruktur in Syrien anders vorstellen“, erklärt Gisela Hög, Schulleiterin der Regionalen Schule „Walter Husemann“ in Goldberg.

Auch darum geht es, Barrieren weiter abbauen, voneinander mehr lernen. Deshalb haben sich vor gut drei Monaten die Fraktionen der Stadt, Kirchen, Vereine und Verbände zur Initiative „Willkommenskultur in Goldberg“ zusammengefunden. Und der Kreis wächst. Stetig. Immer wieder kommen zur Versammlung neue Gesichter – mit Vorschlägen und Ideen. „Goldberg ist ein besonderer Ort, weil die Stadt einer der wenigen Orte ist, an dem sich eine Initiative wie unsere zusammengefunden hat“, erklärt Gustav Graf von Westarp eingangs. Der Goldberger hat sozusagen die Schirmherrschaft inne, ist aber für Anregungen und Ideen offen.

Nach der Informationsveranstaltung  in der evangelischen Kirche  hat sich einiges getan. Das Engagement unter den Goldbergern ist noch größer geworden. „In der vergangenen Woche haben wir die gespendeten Sachen herausgegeben“, erzählt Marianne Pfeiffer, Mitarbeiterin im Amt Goldberg-Mildenitz. Die Kirchgemeinden – die katholische, evangelische und auch neuapostolische – wollen ein internationales Café aufmachen, um dort mit den Flüchtlingen in Kontakt zu treten. Einen ersten Termin gibt es bereits –  10. Januar 2016. 

Auch Thomas Wierzejeweski gehört zum Kreis all jener, die nicht zögern, sondern ihre Idee einfach umsetzen. Der Goldberger trainiert beim TSV Goldberg die C-Junioren und hat den Bruder von Samer Alhussain in seine Mannschaft aufgenommen. „Mohammed hat sich gut integriert, wurde von den Jungs super aufgenommen.“ Der Trainer ist all denjenigen Eltern  dankbar, die mitgeholfen  und dem 14-jährigen Syrer zu Turnschuhen und Sportsachen verholfen haben. Und Thomas Wierzejeweski ist weiter bereit zu helfen. So findet er sich mit drei anderen Goldbergern zusammen, um immer mal wieder in den vom Landkreis angemieteten Wohnungen nach dem Rechten zu schauen. Denn einige Probleme gibt es dort: So sind die Wohnungen nicht nur spartanisch eingerichtet, die eine Wohngruppe musste zehn Tage ohne Strom auskommen. Jetzt ist das Problem endlich behoben. Doch die Syrer brauchen sozusagen einen Vermittler – der wurde jetzt im Initiativkreis gefunden.

Nun muss nur noch eines geregelt werden: Die Trägerschaft für die Deutschkurse an der Walter-Husemann-Schule. Dafür hat Gisela Hög gekämpft. Jetzt fordert sie die Stadt auf, diese Trägerschaft zu übernehmen. „Es ist alles vorbereitet, alle Unterlagen, alle Voraussetzungen sind erfüllt“, erzählt sie. Und die Zeit läuft gegen die Schulleiterin – gegen die Syrer. Denn der Kurs muss noch in diesem Jahr beginnen. 

Viele Helfer sitzen an diesem Abend im Jugendclub  an einem Tisch. Alle sind bereit, freiwillig zu helfen. Ein konstruktiver Abend geht dann zu Ende. Samer Alhussain nutzt die Gelegenheit dann, um sich zu bedanken – bei Deutschland, doch vor allem bei Gisela Hög. „Sie ist immer für uns da – bis spät abends“, sagt er. Und noch eines. „What happenend in Paris – isn’t the real Islam“ – „was in Paris passiert ist, ist nicht der echte Islam.“

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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