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Broock: Schaupflügen mit alten Maschinen : Von Technik-Raritäten Kraft gefordert

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Am Sonntag trafen sich rund 20 Liebhaber alter Landmaschinen aus dem ganzen Kreis in Broock, um mit ihre aus mehreren Jahrzehnten stammenden Technik-Schätze ein Stück Land umpflügen.

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erstellt am 03.Sep.2013 | 11:14 Uhr

Selbst Kenner, die den Vorgang schon öfter beobachtet haben, scharen sich nach dem Mittagessen um Jörg Piplow, als er das Starten seines Lanz Bolldogs vorbereitet. Einfach Schlüssel herumdrehen und losfahren wäre kein Anlass dafür. Bei Piplow geht es heiß her: Er zündet zunächst eine mit Benzin gefüllte Lötlampe an und hängt sie unter die vordere Auswölbung des Motors. Die laut fauchende Flamme heizt dem Stahl über ihr so lange sein, bis er glüht, weshalb man von einem Glühkopfmotor spricht. Durch die Hitze verdampft der in die Kammer eingeströmte Diesel. Das nach etwa fünf Minuten mögliche eigentliche Starten des Motors erfolgt dadurch, indem man die abnehmbare Lenksäule seitlich auf eine Schwungscheibe steckt und sie herumdreht. Beginnt der Motor zu laufen, gilt es allerdings, die Eisenstange so schnell wie möglich wieder abzuziehen, weil sie sich sonst leicht verklemmt. Das zu späte Abnehmen endete früher öfter mit einem gebrochenen Arm oder parallel zu den anderen Fingern waagerecht in die andere Richtung stehendem Daumen. „Ältere Leute, zu deren Arbeitsalltag solche Geräte noch gehörten, haben mir auch davon erzählt“, sagt Piplow.

Am Sonntag trafen sich rund 20 Liebhaber alter Landmaschinen aus dem ganzen Kreis in Broock, um ihre aus mehreren Jahrzehnten stammenden Technik-Schätze nicht poliert zur Schau zu stellen, sondern um mit ihnen ein vom örtlichen Landwirtschaftsbetrieb Jacobs zur Verfügung gestelltes Stück Land umzupflügen. Mit dem ältesten – einem 1927 gebauten Fordson – trat dabei Organisator Stephan Surrey an. Er arbeitet im örtlich ansässigen Betrieb seines Vaters, der Landmaschinen und andere Kraftfahrzeuge repariert. „Fast alle haben auch einen Pflug zuhause, können ihn aber nicht einsetzen. Hier besteht die Möglichkeit dazu, wofür wir der spontanen Zustimmung von Firma Jacobs sehr dankbar sind“, sagt der junge Mann, der besonders Produkte der Firma Deutz schätzt.

2012 fand das Schaupflügen in Broock zum ersten Mal statt, im nächsten Jahr soll es vielleicht schon über zwei Tage gehen. Surrey bewertet die Aktivität als Traditionspflege. Aus seinem Arbeitsalltag weiß er, dass ein Pflug heute bei unvergleichbarer Tiefe sechs bis acht Scharten besitzt (zu DDR-Zeiten waren es sogar bis zu 12, gezogen von einem russischen Fahrzeug mit Panzermotor), ein großer Traktor mit 250 PS täglich aber auch leicht 600 Liter Diesel schluckt: „Wenn das man reicht.“

Der 1941 gebaute Lanz von Jörg Pip-low hat 20 PS, würde bei ununterbrochenem Einsatz aber auch kaum 100 Liter am Tag verbrauchen. Durch den mit nur einem Kolben bei 4,7 Liter Hubraum arbeitenden Motor ist die Kraft der Maschine schon bei unteren Drehzahlen sehr groß und ihre Bauweise verursacht das schon im Leerlauf unverkennbare Geräusch. Beim Umbrechen des Bodens gefordert und durch entsprechendes Treten des Gaspedals ändert sich das ruhige, dumpfe Blubbern auf dem Acker in vergleichsweise harte Schläge, die das dicke Auspuffrohr erreichen und Kraft spüren lassen.
Seinen Bulldog hat Piplow jetzt seit drei Jahren. Aus auf drei Paletten abgelegten Einzelteilen setzte er diese wieder zu einem 2250 Kilogramm schweren Schlepper zusammen – in Eigenarbeit. Lediglich bei einigen Motorteilen leistete ein Fachbetrieb Unterstützung. „Auch das Getriebe gab es nur noch in Form nebeneinander liegender Zahnräder und Kugellager musste ich überall ersetzen“, sagt der Parchimer. „Für mich ist auch mein Hobby die Erhaltung von Kulturgut.“

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