zur Navigation springen

Johannes Oerding im SVZ-Kreuzverhör : Von Sahnehäubchen und Knöllchen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Beim Lübzer Turmfest zog Johannes Oerding bereits am Mittag einige Zuschauer beim Soundcheck an. Am Abend bewies der Musiker Entertainer-Qualitäten

von
erstellt am 28.Aug.2017 | 12:00 Uhr

Der Soundcheck läuft, in Lübz zieht Johannes Oerding bereits am Mittag seine „Kreise“. Es ist mittlerweile das fünfte Studioalbum. Johannes Oerding, ein Jung’ vom Land. Dass er mit Musik einmal Geld verdienen würde, daran hat er als Jugendlicher nicht geglaubt, studierte deshalb erst einmal in Holland Betriebswirtschaft und Internationales Marketing. Beim Lübzer Turmfest war er der Hauptact am Abend, Davor nahm sich der Musiker noch etwas Zeit und sprach mit SVZ-Redakteurin Sabrina Panknin über Kindheitsträume und warum er als Singer-Songwriter mittlerweile auch eine politische Botschaft hat.

Gibt es ein Ritual, wie du dich auf ein Konzert vorbereitest?

Johannes Oerding: Kurz bevor es los geht, eine Viertelstunde vor Showtime, hole ich die Jungs rein und dann bilden wir einen Kreis, da besprechen wir, was wir machen, was wir vorhaben. Und dann trinken wir einen Ramazzotti und dann geht’s los. Das ist unser Ritual seit zwölf Jahren.

Das ist jetzt dein fünftes Studioalbum. Welches ist dein wichtigstes?

Das kann ich so gar nicht sagen. Ich denke, dass jedes Album ein Step für sich war. Klar, „Alles brennt“ – das vierte Album – hat bundesweit für einen Durchbruch gesorgt. Da merkt man, die Leute nehmen einen jetzt wahr. Aber jedes Album war ein Meilenstein für sich. Ich hab’ weiterhin an meinem Profil gearbeitet, mich weiterentwickelt. Heute weiß ich genau, wohin die Reise geht.

War der Weg zur Musik denn immer klar?

Insgeheim habe ich gewusst, dass ich irgendwann auf einer Bühne lande. Das habe ich schon als Kind gemacht. Das habe ich geliebt. Ich wusste aber sehr, sehr lange nicht, dass man das auch beruflich machen kann. Ich komme aus einem kleinen Dorf. Da habe ich als Schüler auf ’nem Dorffest gesungen, und das war’s dann auch. Ich bin erst mit 17 in Kontakt mit der Musik gekommen. Nebenbei habe ich noch in Holland studiert. Im Grunde genommen aber, habe ich es schon forciert, dass ich irgendwann musikalisch arbeite.

Wo findest du deine Inspiration?

Auch das ist unterschiedlich. Meistens höre ich erstmal selber in mich rein. Was habe ich gesehen, was habe gehört. Was bedrückt mich, was beeindruckt mich. Was möchte ich erzählen. Um Inspiration zu bekommen, musst du auch viel unterwegs sein. In viele Situationen auch geraten, in denen du reist, Leute beobachtest. Du erlebst auch immer wieder neue Leute und die erzählen auch immer wieder neue Geschichten. Als Singer-Songwriter muss man auch ein bisschen zuhören.

Wie entsteht so ein Song wie „Weiße Tauben“?

Ich merke, dass ich die zwei, drei Jahre extrem politisch geworden bin, auch in Interviews versuche ich Haltung zu beziehen. Ich will auch Leute zum Nachdenken anregen. Es war ein Muss, auch mal etwas darüber zu schreiben. Aber nicht mit erhobenem Zeigefinger. Die Zeilen für den Refrain hatte ich schon.

Ist das für dich als Singer-Songwriter wichtig gewesen, gerade jetzt einen solchen Song zu machen?

Für mich persönlich war es sehr wichtig. Früher wollte ich nur meine Musik machen und niemanden mit meiner persönlichen Meinung nerven. Ich merke aber, dass man doch Verantwortung übernehmen kann. Und ich möchte es auch. Vielleicht auch einfach nur zum Wählen aufzurufen.

Du bist viel unterwegs. Ein Song auf der neuen Platte heißt auch „Nur unterwegs“. Wo findest du deine Entspannung?

Ehrlich gesagt, ich brauche gar keine Entspannung, ich bin extrem belastbar. Ich suche mir schon meine Auszeiten, das kann auch auf Tour sein. Im Dezember, Januar, Februar ist es ruhiger, da schläft die Musikbranche. Das sind dann auch die Monate für mich, in denen ich komplett runterfahre. Da verreise ich auch gern mal allein, um mich runterzufahren, auf Reset zu drücken. Man findet schon seine Ruhemomente, aber ich arbeite unheimlich gerne.

Hast du dir dein Leben genau so vorgestellt?

Ich habe schon davon geträumt, auf großen Bühnen zu stehen. Ich habe schon immer im Kinderzimmer Rockstar gespielt. Es gab aber auch eine Zeit, gerade bei den ersten ersten Alben, da lebst du dann erstmal nur am Limit. Du verdienst keine Kohle, musst nur investieren, Leute überzeugen und immer abliefern. Das war aber eine gute Schule, wenn du elf, zwölf Jahre alles selber gemacht hast, dann lernst du das zu schätzen. Das, was jetzt alles passiert, sind Sahnehäubchen obendrauf.

Wir haben bei unserer Zeitung eine Rubrik „20 Fragen zum Wochenende“. Da würde ich dir auch gern ein, zwei Fragen draus stellen. Wo ist dein Lieblingsort auf der Welt?

Das ist in Ko Phangan in Thailand.

Was findet man immer bei dir im Kühlschrank?

Milch. Eigentlich nur Milch für meinen Kaffee. Mein Kühlschrank ist immer leer, weil ich nie koche.

Was wolltest du als Kind mal werden?

Es gab schon Phasen im Leben, in denen ich mich gefragt habe: Wohin geht die Reise? Werde ich wie mein Vater und Bruder Mediziner? Nee, dafür bin ich zu faul. Werde ich Lehrer oder irgendwas mit Sport. Und weil ich nicht wusste, was ich machen wollte, habe ich dann in Holland Betriebswirtschaft und Internationales Marketing studiert. Das klang irgendwie ganz bunt. Aber einen konkreten Berufswunsch hatte ich nie. Ich habe immer gehofft, dass ich irgendwie Leute unterhalten werden, sei es in ’nem Robinson Club als Animateur.

Gibt es noch einen Traum, den du dir erfüllen möchtest?

Ich möchte mal in ein spanisches Land reisen, um richtig spanisch zu lernen.

Auftritte, Konzerte, Interviews – wir Journalisten stellen bestimmt auch mal dieselben Fragen. Wenn du jetzt an meiner Stelle wärest, welche Frage würdest du dir selber stellen?

Gibt es Dinge, die du als Kind toll fandest, aber als Erwachsener nicht mehr?

Und wie beantwortest du die Frage?

Ich glaube, es war der Gang zum Briefkasten. Wenn ich morgens für meinen Vater die Zeitung holen sollte, und ich immer gehofft hatte, dass irgendwie eine Postkarte drin ist. Heute hasse ich es, den Briefkasten aufzumachen und freue mich, wenn er leer ist. Keine Rechnungen, kein Knöllchen...

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen