WAZV Parchim-Lübz : Von Rohren oft nur Gerippe übrig

Lothar Brockmann,  Geschäftsführender Leiter des Wasser- und Abwasserzweckverbandes Parchim/Lübz
Lothar Brockmann, Geschäftsführender Leiter des Wasser- und Abwasserzweckverbandes Parchim/Lübz

Der Wasser- und Abwasserzweckverband Parchim-Lübz investiert in der Gemeinde Werder rund 690 000 Euro in ein neues Regen- und Trinkwassernetz.

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14. September 2017, 21:00 Uhr

2012 hat der Wasser- und Abwasserzweckverband Parchim/Lübz (kurz WAZV) zum ersten Mal auch die Entsorgung von Regenwasser in seine Geschäftstätigkeit aufgenommen – für vier Gemeinden komplett und für einige Ortsteile von sieben Kommunen.

Die zunächst überall erfolgte Überprüfung der Rohrleitungen mit Hilfe einer durch sie fahrenden Kamera habe ergeben, dass man so gut wie nichts mehr gut nennen kann, sagt Lothar Brockmann, Geschäftsführender Leiter des WAZV. Unterschiede bestünden nur darin, wie schnell gehandelt werden muss. Warum bei der Gemeinde Werder, in der schon seit Mai gebaut wird, alle Alarmglocken schrillten, erklärt Brockmann: „Die Ende der 1970er-/Anfang der 1980er-Jahre verbauten Betonrohre der in der Straße liegenden Hauptleitung mit einem Durchmesser von 30 Zentimetern sind an vielen Stellen porös geworden und sind an mehreren Stellen schon in sich zusammengefallen – eine große Gefahr im öffentlichen Bereich.“

Früher gab es auf den Privatgrundstücken Klärgruben, in denen das Schmutzwasser aufgefangen wurde. Wenn alle Kammern, in denen sich nacheinander die schweren Bestandteile absenkten, voll waren, lief das Wasser ganz hinten über und sollte im Boden versickern – wenn es konnte. „Funktionierte dies nämlich nicht, weil der Boden zum Beispiel lehmhaltig war, wurde oft kurz beim Bürgermeister gefragt, ob man das Rohr nicht einfach an die Straßenentwässerung anschließen könne. Deshalb sind solche Leitungen als ,Bürgermeister-Kanäle’ bekannt geworden“, sagt Michael Benkmann, der beim WAZV früher für den Bereich Abwasser zuständig war und dort seit diesem Jahr finanzielle und strukturelle Abläufe überprüft. Neben dem Umstand, dass die Entleerung der Klärgrube in bestimmten zeitlichen Abständen nicht vorgeschrieben war (Brockmann zufolge blieben viele so lange unberührt, bis man Torf in ihnen stechen konnte), bestehe ein weiteres Problem darin, dass die Betonrohre der im Abwasser enthaltenen Schwefelsäure nicht standhielten: „Wir finden öfter nur noch das aus der Beimischung bestehende Gerippe, weil sich der Zement herausgelöst hat.“

Zudem seien im Abwasser heute ungleich mehr Verschmutzungen (durch neue Medikamente und Reinigungsmittel etwa) als früher enthalten und für die Körperhygiene habe man deutlich weniger Wasser verbraucht. „Eine Dusche etwa hatten die wenigsten. Gewaschen wurde sich meist am Waschbecken und vielleicht einmal in der Woche gebadet – Dinge, die sich kolossal verändert haben, ohne dass die Menschen deshalb früher ungepflegter waren“, so Brockmann.

Als sich Werder noch nicht dem WAZV angeschlossen hatte, musste sie sich allein mit dem Landkreis auseinandersetzen. Er trägt drei Viertel der Baukosten in Höhe von insgesamt rund 690 000 Euro, davon 175 000 für die gleich miterneuerte Trinkwasserleitung. „Rein technisch erzielten wir eine frühe Einigung – bis der Kämmerer dazukam“, sagt Brockmann. „Weil die Co-Finanzierung fehlte, wurde das Projekt immer wieder verschoben und dann endlich für 2017 gesichert.“ Die Gemeinde habe sich nicht zuletzt wegen ihrer angespannten Haushaltssituation dazu entschieden, wie ein Grundstückseigentümer behandelt zu werden. Auf diese Weise zahlt sie das Entgelt für gemeindeeigene Gebäude und Gemeindestraße, von denen Regenwasser in den neuen Kanal eingeleitet wird. Bei Privatgrundstücken trägt der Eigentümer nur die Kosten für den Anschluss des Hauses.

Bei der Sanierung der rund 600 Meter langen Strecke vom Ortsausgang in Richtung Passow bis zur Kreuzung Grevener Straße hat sich ein Problem ergeben: Der alte, zwischen Gehweg und Straße liegende Kanal sollte der alten Planung zufolge in der Erde liegen bleiben und mit Beton verfüllt werden, damit von ihm keine Gefahr mehr ausgeht. Leider sei dies nicht mehr möglich, weil er der Belastung durch den an der Baustelle vorbeigeführten, vollkommen über ihn geführten Verkehr nicht gewachsen war und an mehreren Stellen einbrach. „Deshalb müssen jetzt über die Entfernung der alten Rohre hinaus sowohl der Gehweg als auch die Straße komplett erneuert werden“, so der Geschäftsführende Leiter.

Während die alte Leitung durchgängig einen Durchmesser von 30 Zentimeter besitzt, steigert sich die neue vom selben Wert über 50 bis zu 80 Zentimeter am Vorfluter. Dadurch kann künftig über die doppelte Menge Wasser mehr als bisher ablaufen. Bei der Auswahl der Rohrgrößen entscheiden die Fachleute nach den Auszeichnungen des Deutschen Wetterdienstes über gefallenene Niederschlagsmengen. Einmal in fünf Jahren gehe man von noch höheren Mengen aus und schaffe so zur Sicherheit einen Puffer. Er gilt nicht mehr, wenn wie in Florida und der Karibik rund 600 Liter pro Quadratmeter fallen – die Jahresmenge in Mecklenburg-Vorpommern.

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