zur Navigation springen
Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

20. Oktober 2017 | 00:01 Uhr

Tourismus : Von gesundem Baustoff überzeugt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Gute Besucherzahlen bei Sommerveranstaltungen des Lehmmuseums Gnevsdorf / Besondere Angebote am kommenden Sonnabend

von
erstellt am 31.Jul.2016 | 21:00 Uhr

Gut 250 Grad Hitze herrschen in dem fahrbaren Lehmbackofen, als Marita Kiehnscherf das gerade fertig gewordene Brot aus ihm herauszieht. „Hoffentlich nicht klitschig geworden“, sagt die ehrenamtliche Leiterin des Gnevsdorfer Lehmmuseums, die sich die Arbeit mit ihrer Kollegin Marina Stolt teilt. Der erste Schnitt auf dem Tisch nebenan zeigt: Alles gelungen. Ein noch besserer Duft verbreitet sich, als die flachen Mandel-Nusskekse entnommen werden.

Am Sonnabend hatte das Museum erneut zum jeweils im Juni, Juli und August stattfindenden „Mecklenburger Lehmbausommer“ eingeladen. Kinder, aber auch Erwachsene nutzten das Angebot. Schon während der Woche kamen Kindergruppen aus Plau am See und Klein Damerow, wo Touristen untergebracht sind – allein von dort 35 Mädchen und Jungen. „Angekündigt waren sie für Donnerstag, doch sie standen bereits gespannt Mittwoch vor der Tür, was für uns eine Herausforderung in puncto Organisation darstellte, aber es ging alles gut“, sagt Marita Kiehnscherf. Besonders begeistert zeigt sie sich von der an den Tag gelegten Kreativität der Plauer Kinder. Aus Lehmklumpen ließen sie Marienkäfer, Engel, Donut, Friedens-Emblem, Würfel und Schildkröten entstehen: „Sie waren so kreativ – das sieht man selten.“

Mit dem Erfolg von Sonnabend ist die Leiterin auch deshalb zufrieden, weil sich zunehmend Erwachsene dafür interessierten, ihr Haus mit dem Baustoff Lehm zu sanieren. „Es stellt sich immer mehr heraus, dass superdichte Häuser schneller von Schimmel befallen werden, was nicht nur unhygienisch ist, sondern auch zu Krankheiten führt“, so Marita Kiehnscherf. „Vor die Fassade geklebtes Styropor etwa bedeutet, dass ich bei nicht v Lüftungsanlage in jeder Stunde für mindestens fünf Minuten voll Durchzug machen müsste, um diese Folge zu verhindern, was natürlich niemand tut – schon allein nachts nicht.“ Energie zu sparen bedeute nicht nur, sie fürs Heizen zu verringern, sondern auch die für die Herstellung von Dämmstoffen zu berücksichtigen. Meist geschehe dies nicht, sei in keiner Vorschrift berücksichtigt. Bei vielen setze ein Umdenken ein.

Lehm nehme Schadstoffe auf und sorge verbaut dafür, dass sich eine Luftfeuchtigkeit zwischen 45 und 55 Prozent einstellt. „Trocken entzieht er sogar Holz noch ein Prozent Feuchtigkeit“, sagt die Leiterin. „Das bestätigen Bauleute immer wieder, die alte Fachwerkwände öffnen und sehen, dass zum Beispiel auch das Holz der Grundschwelle noch wie neu ist – wenn nichts feucht geworden war.“

Ein neuer Lehmbackofen ist in Gnevsdorf im Bau, der größte Teil steht bereits. In dieser Woche wird ein junger Zimmermann, der sich auf der Walz befindet, den Dachstuhl aufsetzen. Für dieses Projekt haben die Museumsmitarbeiter viel Fachliteratur gelesen. Das Schamottgewölbe wird von zwei Zügen umgeben sein, die nach vorn zusammenlaufen und als ein Kanal zum Schornstein zurückgeführt werden. Besucher wolle man animieren, Verzierungen anzubringen.

Auf dem Sommerfest am kommenden Sonnabend sollen mit Kräutern gefüllte und in Lehmformen gebackene Forellen oder Saiblinge angeboten werden. Wer sich diese Besonderheit nicht entgehen lassen möchte, sollte seine Bestellung sofort unter Telefon 038737/ 338 30 aufgeben.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen