aufführung : Von Engeln mit Kugelköpfen

Man ist sich einig: Aschenputtel hat zu putzen und zu gehorchen.  Fotos: monika maria degner
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Man ist sich einig: Aschenputtel hat zu putzen und zu gehorchen. Fotos: monika maria degner

Davon handelt unter anderem auch das Weihnachtsereignis an der Goldberger John-Brinckman-Grundschule

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01. Dezember 2014, 21:00 Uhr

Es duftet nach Tannen und Torte. In den unteren Gängen des schönen, alten Schulgebäudes am Schützenplatz reihen sich Verkaufstische aneinander. Weihnachtslichter auf den Treppenstufen geleiten den Besucher bis in den ersten Stock zur Schulaula. Hier werden Chor und Theatergruppe das Publikum bald mit ihren neuesten Werken überraschen. „Jedes Jahr leiten wir so den Advent ein“, berichtet Schulleiterin Annett Wüster. „Und dem Basar geht immer eine Projektwoche voraus. In dieser Woche kommen die Eltern in die Klassen und basteln gemeinsam mit den Kindern.“ Das Einstudieren der Chor-Stücke und des Theaterstücks bedurfte allerdings einer längeren Probenzeit, die schon im September begann.

Dass die vielen Tannengestecke und weihnachtlichen Holzbasteleien, die Lavendelsäckchen und Leseraupen in nur einer Woche entstanden sind, ist allerdings auch erstaunlich. Da haben Eltern und Kinder wohl ganz schön hingelangt. „Ach was“, wehrt eine Mutter ab, die über einer bunten Tannenhecke aus Weihnachtsgestecken auf Käufer wartet. „Das war nicht so schwierig, denn schließlich waren die Kartons mit dem Deko-Material gut sortiert.“ Basismaterial des Basarangebots ist übrigens überwiegend Holz. Dickere, senkrecht aufgestellte Holzscheite wurden in Engel mit Kugelköpfen, Weihnachtskerzen und reich geschmückte Weihnachtspäckchen umgewandelt. Und das Wunder: Bereits nach der ersten Vorstellung in der Aula sind die Tische mit den Holzobjekten schon so gut wie leergefegt, hat es in der Kasse des Fördervereins der Schule, denn hierher fließen die Gewinne des Basars, wieder weihnachtlich süß geklingelt. „Zwei bis drei Jahre dauert es immer, bis wir mit unseren Aktionen wieder so viel angespart haben, dass wir etwas anschaffen können“, sagt Annett Wüster. „Im letzten Jahr haben wir unsere Schulküche gekauft.“ Und jetzt hat der emsige Förderverein begonnen, für die Einrichtung eines Entspannungsraums zu sparen.

So lernen die Kinder beim Adventsverkauf der Erwachsenen nebenbei etwas fürs Leben. Ähnliches gilt für die Bühnenauftritte. Als die Vorstellung beginnen soll, sind alle Plätze in der Goldberger Schulaula besetzt, ebenso die Stehplätze. Da braucht man Selbstbewusstsein. Einige Chorkinder haben sich im Gang aufgestellt, bereit, die Bühne zu erklimmen. Hinter ihrer Ruhe und Konzentration dürfte sich ein wenig Lampenfieber verbergen, aber dann werden sie von Musik und Rhythmus und nicht zuletzt von Schulleiterin und Musiklehrerin Annett Wüster getragen, die temperamentvoll den Takt angibt. Zur Melodie von Jingle Bells zum Beispiel singen sie „Nikolaus, Nikolaus, pack die Taschen aus“ und zu „Feliz Navidad“ gehen sie hüftschwingend in die Knie.

Ein kleines Ereignis für sich ist dann die Aufführung des Aschenputtelmärchens. Unter der Leitung von Christiane Schubert zeigen die kleinen Schauspieler unter anderem eindrucksvoll, wie ein Mitglied der Familie von den anderen ausgegrenzt, erniedrigt und ausgebeutet wird. Da prasseln die Befehle nur so auf Aschenputtel nieder und die jungen Darsteller der bösen Partei mühen sich nach Kräften, herrisch genug zu erscheinen. Am Ende des Programms spendet das Publikum allen Beteiligten so viel Beifall, dass zum Piano mit zwei sehr schönen Solostimmen „Stille Nacht, heilige Nacht“ vorgetragen wird, ein ganz besonderer Ausblick auf Weihnachten.


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