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Dieter Düwel aus Lübz : Von eigener Partei tief enttäuscht

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

„Man tauscht Argumente aus, beleidigt aber nicht“: Dieter Düwel, Stadtvertreter in Lübz, geht auf Distanz zur Landes-SPD

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erstellt am 12.Feb.2015 | 22:00 Uhr

Dieter Düwel gründete nach der Wende den Lübzer SPD-Ortsverein mit. Heute ist der langjährige Kommunalpolitiker zumindest von den Genossen in Schwerin schwer enttäuscht. Ihr Verhalten im Zusammenhang mit der Südbahn bringt das Fass endgültig zum Überlaufen.

Dabei war für Dieter Düwel in der Aufbruchstimmung im Herbst 1989 die richtige Zeit gekommen, sich zumindest lokalpolitisch einzubringen. Gemeinsam mit seinem Kollegen Walter Kintzel, Wolfgang Buchholz und Pastor Winfried Waack traf er sich alle drei bis vier Wochen in der Praxis seines Nachbarn Dr. Konrad Rösel, um mit ihnen über den durch die Montags-Demos deutlich gewordenen Aufbruch zu diskutieren. Dabei blieb es nicht: Die Männer gründeten den SPD-Ortsverein(neu), was letztlich mit Plau am See zusammenlief. „Das Signal zu der Aktivität war am 7. Oktober, dem Jubiläumstag der DDR, aus Schwante bei Berlin gekommen. Von dort hatten wir es im Westfernsehen gesehen und im Radio gehört“, sagt der einstige Gymnasiallehrer.

Düwels Vater war 1927 Bürgermeister in Lübz geworden. Ein von den Nationalsozialisten bereits 1932 eingeleitetes Volksbegehren zu seiner Abwahl endete mit einer großen Niederlage. Ganze 340 Einwohner traten als Befürworter auf, 16 Stimmen waren ungültig. Überschrift am 8. Juli 1932 im damals erscheinenden „Mecklenburger Boten“ (Vorläufer der SVZ als Tageszeitung): „Riesenpleite der Nazis in Lübz“. Der Bürgermeister zeigte danach einen Regierungskommissar an, weil dieser behauptete, dass die Lübzer Stadtvertretung korrupt sei. Das Gerichtsverfahren endete mit einem Vergleich.

Ganz anders dann die Lage ein Jahr später: Am 5. April 1933 wurden der Bürgermeister „zum Schutz von Volk und Staat“ sofort beurlaubt und zwei SPD-Stadtvertreter verhaftet. Trotzdem blieb Düwel letztlich in Lübz und eröffnete eine Rechtsanwalts-Kanzlei, die geduldet wurde. Notar durfte er nicht sein. „Schlimm wurde es dann wieder in den frühen fünfziger Jahren“, erzählt Dieter Düwel. „Mein Vater vertrat viele Landwirte und private Geschäftsleute, sah, wie unmenschlich man zum Beispiel die Insassen in Gefängnissen behandelte, wurde rund um die Uhr bewacht und zwischendurch immer wieder mal kurz verhaftet.“

Bei der NVA hatte er selbst dann im Politunterricht („Wir sagten dazu Rotlichtbestrahlung“) den Offizier einmal gefragt, ob Neil Armstrong denn der Kommunistischen Partei der USA angehöre und Russe sei: „Er fragte nur verwundert ,Warum?’ und ich antwortete, dass Nikita Chruschtschow doch gesagt hatte, dass der erste Mensch, der den Mond betritt, Russe und Kommunist sei. Daraufhin durfte ich einen Kohlenhaufen von links nach rechts und wieder zurück schaufeln. Dabei blieb es.“

Vor allem wegen zuerst genannter Dinge und der Aktivität von Willy Brandt sowie Helmut Schmidt – zwei Menschen, die ihn unter anderem wegen ihres Mutes beeindruckt haben – sei für Düwel nur die SPD als Partei in Frage gekommen. Später war es ihm als Vorstandsmitglied der Geschichtskommission sogar vergönnt, persönlich mit Egon Bahr, Vordenker der neuen Ostpolitik, zu diskutieren. Als letztlichen Auslöser für seine politische Aktivität nennt er den Besuch von Heiko Lietz vom Neuen Forum in Lübz am 7. November 1989. Am 12. Januar 1990 wird der hiesige SPD-Ortsverein offiziell aus der Taufe gehoben und es heißt: „Sozialdemokraten für Toleranz und Demokratie“.

Im Berufsleben wird Düwel bald Schulleiter und tritt schon 1991 zunächst wieder aus der Partei aus, weil er sich überlastet fühlt. Acht Jahre später dann die Rückkehr, um seitdem als Stadtvertreter und von 1999 bis 2011 auch als Kreistagsabgeordneter aktiv zu sein. Zur Landes-SPD geht das langjährige Mitglied der Sozialdemokraten mittlerweile offen auf Distanz: „Die vor allem von der SPD angeschobene Inklusion in den Schulen (Mädchen und Jungen verschiedener Leistungsfähigkeit zusammen in einer Klasse unterrichten, d. Red.) halte ich prinzipiell für den künftig richtigen Weg, aber nicht so! Dann muss man erst einmal die Lehrer dafür ausbilden.“ Ohne Gräben aufreißen zu wollen, vertrete Düwel zudem die Meinung, dass die Landespolitik zu sehr von Menschen bestimmt werde, die das Leben in der DDR nie miterlebt haben und falsche Urteile in jede Richtung fällten. „Wenn zum Beispiel unser aus Nordrhein-Westfalen stammende Ministerpräsident verkündet, dass die DDR kein Unrechtsstaat war, sollte er lieber still sein. Auch wenn der Begriff Unrechtsstaat nicht definiert ist“, sagt er.

Demokratie sei, bei verschiedener Meinung Argumente auszutauschen, aber man beleidige sein Gegenüber nicht. Leider seien es im Landtag jedoch schon mehrfach gerade SPD-Abgeordnete gewesen, die dies missachteten: „Das habe ich mir nicht erzählen lassen, sondern selbst miterlebt. Und Höhepunkt der Sturköpfigkeit ist die Haltung zur Südbahn.“

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