Below : Von der Magie des Einfachen

Lädt zu einer völlig neuen Form des Reisens ein: Stefie Steden hat die Kunsthalle Below eröffnet.
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Lädt zu einer völlig neuen Form des Reisens ein: Stefie Steden hat die Kunsthalle Below eröffnet.

Die Berlinerin Stefie Steden hat mit der Kunsthalle Below eine Welt der Sehnsucht und Naturnähe geschaffen

svz.de von
24. Mai 2018, 05:00 Uhr

Reisen in ferne Länder an Sehnsuchtsorte, was haben sie mit Below zu tun? Viel, auch Below ist so ein Sehnsuchtsort. Stefie Stedens abgelegene Kunsthalle Below ist seit kurzem geöffnet. Der Parkplatz auf dem Rasen frisch gestutzt. Auf dem Areal mitsamt seiner Halle, einem ehemaligen Melkstall, liegt ein Anstrich von Einfachheit, der sich bei näherer Betrachtung als anspruchsvoll herausstellt. Anspruchsvoll deshalb, weil wir an eine Umwelt gewöhnt sind, die von Konsumgegenständen vollgepfropft ist. In der Kunsthalle Below aber regiert das Wenige, um sich seine Wirkung zurückzuerobern.

„Natürlich haben wir hier zuerst viel aus- und aufräumen müssen“, sagt Steden. Heute präsentiert sich das Gebäude sehr offen: Unter der Dachabdeckung sind nur ein paar alte Latten stehen geblieben, Trennwände gibt es kaum, aus allen Richtungen strömt Licht ein.

Den Haupttrakt betretend finden Gäste sich gegenüber einer anthrazitfarben überstrichenen Wand, davor steht ein improvisierter Empfangstresen, etwa wie im Hotel. Im Kontrast zur allgemeinen Einfachheit erscheint die Schrift auf der Wand geradezu elegant: „Experimentelle Reisen“ ist da zu lesen. Und somit sind wir beim Thema: Reisen ist das Motto der Sommerakademie in der Kunsthalle Below. Stefie Steden dazu: „Warum Reisen wie die Wahnsinnigen? Ich stehe für minimales Reisen.“

Wie aber reist man minimal? Die Berlinerin Steden nennt als Beispiel ein Kunstprojekt, an dem viele wie in einer Endloskette teilnehmen können: das Zimmerreisen. „Es bedeutet, sich das Erlebnis der Fremde zu verschaffen, indem man in andere Wohnungen reist. Ist es nicht spannend zu erfahren, wie eine Person sich dort niederschlägt?“ In Below schlägt sich das Thema Reisen auch noch anders nieder. Künstler beispielsweise können her reisen, um hier zu wohnen. Dafür hat Steden, Mutter von drei Kindern und beruflich tätig als Web-Desig-nerin, kleine Kammern hergerichtet. Vielleicht waren es einst die Verliese von Stallgerätschaften, heute sind sie Wohnzellen, die viel Ruhe ausstrahlen: eine Liege, ein Nachttischchen, eine Lampe, ein Bild. Jedes dieser einfachen Dinge wirkt eigentümlich schön. Reisen heißt auch fahren und fahren bedeutet meistens Auto. Der Kulturraum Auto wartet draußen im Gras in Gestalt einer Limousine. „Autokino“ steht auf dem Nummernschild. Drinnen ertönt Filmmusik. Zu sehen ist – nichts. Oder? Doch, man sieht die Landschaft durch den Ausschnitt der Frontscheibe. Wiese, Bäume, einen Weg und Pferde. Das ist nicht nichts. Und es geht Steden in diesem Gegenentwurf zum Phantasialand auch um ein anderes Sehen. „Den Ort so nehmen, wie er ist“, sei das Ziel.







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