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Ausstellung Kulturhaus Mestlin : Von den Kulturwundern im Osten

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Mestliner Kulturhaus im Fokus einer Ausstellung über einstige soziale und kulturelle Zentren der DDR. Die Vernissage findet am 9. Juli statt

Es war ein sozialistisches Projekt: das Kulturhaus. Etwa tausend wurden zwischen 1949 und 1989 in der DDR gebaut. Von oben angeordnet, konnten sie vom Volk benutzt werden, ihre direkten Betreiber waren Industriebetriebe oder LPGs. Und lauscht man den Geschichten der älteren Mestliner, so war Leben in den Häusern.

Vielfach, so auch in Mestlin, werden die großen, die Herrschaft der Arbeiter und Bauern repräsentierenden Bauwerke heute als finanziell kaum tragbare Geldgräber wahrgenommen. Eine ganz andere Perspektive auf die Kulturhäuser nimmt dagegen die am 9. Juli um 14 Uhr im Kulturhaus Mestlin startende Ausstellung ein, die den erstaunlichen Titel „Das Kulturwunder im Osten Deutschlands“ trägt. Ihre Kuratoren, die Filmemacher Helga Storck und Peter Goedel sowie Pierre Wilhelm, wollen dazu ermutigen, die Bedeutung dieser sozialen und kulturellen Zentren von einst für uns heute neu zu entdecken. „Mittlerweile gibt es Gemeinden“, schreiben die Ausstellungsmacher, „die trotz extremer Finanzprobleme versuchen, ihre Kulturhäuser weiterhin für die Bedürfnisse der Anwohner zu nutzen. Unsere ausgewählten Kulturhäuser in Mestlin, Plessa, Unterwellenborn reihen sich hier ein. Hier wurden jeweils Vereine gegründet, die sich für Erhalt, Finanzierung und Nutzung der Häuser engagieren. Ein Hoffnungsschimmer.“

Auch die Ausstellung hat bereits ihre kurze Geschichte. Am Anfang stand der 2011 entstandene 90-Minuten-Dokumentarfilm „An der Saale hellem Strande“ über das Kulturhaus der Bunawerke in Schkopau (Sachsen-Anhalt) der Filmemacher Storck und Goedel. 2014 erarbeiteten sie im Auftrag des Goetheinstituts in Atlanta (USA) eine umfassende Ausstellung zum Thema Kulturhäuser. Heute durchwandert die Schau, unterstützt von der bayerischen Landeshauptstadt München und der Rosa-Luxemburg-Stiftung ganz Deutschland. Von Potsdam kommend wird sie vom 9. Juli bis 7. August in Mestlin zu sehen sein, anschließend reist sie nach München.

Die Kuratoren möchten zur Reflexion der Möglichkeiten einladen, die Kulturhäuser heute noch bereitstellen. Welches Erbe können wir, nach den Zeiten der parteiideologischen Anbindung, heute annehmen? „Die Kulturhaustradition geht bis ins 19. Jahrhundert zurück“, sagt hierzu Peter Enterlein, 2. Vorsitzender des Vereins „Denkmal Kultur Mestlin“, „sie erfuhr in der DDR eine Art Aufplusterung. Aber heute sind Kunst und Kultur nicht einmal mehr erklärtes Staatsziel. Der Staat hat sich stark aus der Verantwortung zurückgezogen.“ Allerdings, ergänzt die erste Vorsitzende, Claudia Stauß, müsse man mit dem Erbe lernen umzugehen. Wichtig ist ihr: „Ein Kulturhaus ist für a l l e und es muss sich nicht refinanzieren.“ Aber heute müsse ein solches Haus wesentlich von Selbstverantwortung und Eigeninitiative der Menschen im Umfeld getragen werden.

Auch zur Vernissage am 9. Juli zielt der Blick – allerdings ein Blick zurück – auf die Bevölkerung vor Ort und wird ein „Erzählsalon“ mit Katrin Rohnstock veranstaltet werden. Der Verein bittet außerdem alle, die Fotos oder andere Dokumente aus der Mestliner Kulturhauszeit besitzen, diese beizutragen. So kann die Ausstellung mit einer kleinen Mestliner Schau ergänzt werden.

Die Vernissage beginnt am Samstag um 14 Uhr. Am Sonntag darauf, 10. Juli um 17 Uhr, wird Tino Eisbrenner singen und aus seiner Biografie „Von heute auf morgen“ lesen. Die Ausstellung ist jeweils mittwochs bis sonntags 11 bis 17 Uhr geöffnet und wird noch von weiteren Veranstaltungen gerahmt werden.

 



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