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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

21. November 2017 | 11:33 Uhr

Jugendherberge barrierefrei : Von Barrieren keine Spur

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

das Ehepaar Petra und Wolfgang Giese. Sie führen die Herberge seit 1989 privat, bauten sie 2005 parallel zu Sanierung und Neuausstattung barrierefrei und damit rollstuhlgerecht um.

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erstellt am 01.Okt.2014 | 21:20 Uhr

Auf dem Gelände der Jugendherberge Plau am See erfolgte jetzt der erste Spatenstich für eine neue Mehrzweck-Sporthalle. Im Frühjahr kommenden Jahres soll der Bau der isolierten Leichtbauhalle in Sandwichplattenbauweise abgeschlossen sein. Investoren sind das Ehepaar Petra und Wolfgang Giese. Sie führen die Herberge seit 1989 privat, bauten sie 2005 parallel zu Sanierung und Neuausstattung barrierefrei und damit rollstuhlgerecht um. Der Sporthallen-Neubau soll der vorerst letzte große Baustein sein, das Angebot für Menschen mit Handicap zu erweitern, so Wolfgang Giese zu den Gästen am Rande der kleinen Feier.

300 000 Euro werden in das Projekt fließen, wobei 50 Prozent der Kosten das Land per Förderung übernimmt. Dr. Stefan Rudolph, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, überreichte am Dienstagnachmittag den Fördermittelbescheid. Rudolph gratulierte den Gieses zu ihrem außergewöhnlichen Engagement und nannte ihr Projekt „Zukunftsland“. Warum? Weil die Gieses, die einen langen Atem bei den Verhandlungen mit dem Wirtschaftsministerium geführt hatten, mit dieser Halle die Angebote für das Miteinander von Gästen mit und ohne Handicap weiter erhöhen.

Für das Land Mecklenburg-Vorpommern ist schon die Herberge in dieser Größenordnung einzigartig, da etwa 60 Rollstuhlfahrer mit Begleitpersonen gleichzeitig aufgenommen werden können, sagte Stefan Rudolph. Die Halle setze jetzt noch einen oben drauf. „Vieles ist schon in privater Regie errichtet worden“, ergriff Wolfgang Remer, Präsident des Landessportbundes das Wort. „Dass aber private Investoren ein Projekt wie eine barrierefreie Mehrzweck-Sporthalle angehen, ich glaube, das hat es noch nicht gegeben.“

In der kleinen Feierstunde, zu der viele Freunde, Partner im Sport und Mitstreiter im ehrgeizigen Projekt gekommen waren, fanden viele dankbare Worte für die Visionen des Plauer Ehepaares. Etwa Hanni Rossek vom Behindertenverband Waren, Martin Doller, den über seinen Verein „Hai Live“ (ein Segelverein für Menschen auch mit Handicap) viel mit den Gieses verbindet, Rüdiger Börst von den Parchimer Tanzteufeln, der versprach künftig mit seiner Rollitruppe Trainingslager nach Plau zu legen, oder Olaf Bagans. Wie seine Frau Ergotherapeut kommt er seit drei Jahren mit einer Gruppe behinderter Kinder aus dem Märkischen Oberland in die Plauer Herberge. „Wir danken euch. Uns hat es hier immer gut gefallen, ihr habt uns immer unterstützt und genau deshalb haben wir euch auch so sehr ins Herz geschlossen.“

Den Gieses geht es da nicht anders. Sie fanden ihre Berufung in der Arbeit mit Menschen mit Behinderung. „Sie gehören wie wir zu unserer Gesellschaft und und ich muss ganz ehrlich sein, wir finden es sehr positiv , mit diesen Leuten zu arbeiten und ihnen mehr Chancen für ein Miteinander zu geben.“

Bundesliga-Elektrorollstuhlhockey, Rollstuhltänzer, Handbiker, Segler mit Behinderung… – viele haben die Herberge im Plauer Luftkurort längst für sich entdeckt. „Mit unserer eigenen Halle“, freut sich Petra Giese, „werden wir unsere barrierefreie n Angebote noch erweitern können, weil wir dann unabhängig sind von den anderen Hallen.“ Und – das muss dem Plauer Ehepaar auch unternehmerisch wichtig sein – wird es vielleicht gelingen, Vor- und Nachsaison zu verlängern.

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