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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

24. November 2017 | 01:22 Uhr

Geschichte : Vom Durstlöschen am Kloster

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

In einer weiteren Dobbertiner Geschichte – dieses Mal zusammengetragen von Dr. Claus Cartellieri – geht es um den Alkoholkonsum.

von
erstellt am 04.Nov.2017 | 05:00 Uhr

Es ist so einfach heute: Wer schnell etwas trinken möchte, dreht den Wasserhahn auf und hat zu jeder Zeit gesundes und sauberes Trinkwasser zur Verfügung. Vor einigen hundert Jahren gab es weder ein Leitungsnetz, noch war das aus Brunnen oder dem See entnommene Wasser ohne Gefahr für die Gesundheit trinkbar oder zum Kochen zu verwenden. Das Klosteramt Dobbertin musste sich auch um die Versorgung der Klosterdamen und Mitarbeiter Gedanken machen. Schon frühzeitig gab es eine eigene Brauerei, deren Erzeugnisse sehr begehrt waren.

In der Klosterordnung von 1610 wird jedoch der übermäßige Verbrauch von Brot und Bier in den Klöstern von Dobbertin und Malchow kritisiert. Mit dem Brot wurden womöglich auch Tiere gefüttert, denn es heißt darin, dass die „Jungfrawen im Kloster Dobbertin, über die 40. Deputat-Schweine, so sie jährlich vom Ampt in die Küchen bekommen, noch andere Schweine… halten und dahero in beyden Klöstern ein grewlicher Stank und allerley Ungesundheyt verursachet wird“. Es ergeht die Anordnung, „…die Schweine aus dem Kloster gantz weg- und abzuschaffen“.

Auch die Menge an Bier wird nunmehr begrenzt: „… dann auch jeder Domina alle vier Wochen, zwey Tonnen Bier, eine halbe Tonne schwach Bier, der Unter-Priorin anderthalb Tonnen Bier, eine halbe Tonne schwach Bier, den andern Jungfrawen eine Tonne Bier, und eine halbe Tonne schwach Bier, und den 15. Conversen [Laienschwestern] und Kloster-Schließern einer jeden eine halbe Tonne schwach Bier auf jede vier Wochen verreichen lassen sollen…“ Eine Tonne entsprach damals reichlich 100 Litern.

Domina und Unterpriorin hatten sicher auch Gäste zu versorgen und somit erhöhte Vergünstigungen.

Während des 30-jährigen Krieges wurden zahlreiche Soldaten auch mit Getränken versorgt. Einerseits wurde auf diese Weise für eine gute Stimmung gesorgt, andererseits mussten zum Schutz des Klosters umworbene Militärs bei Laune gehalten werden. Ebenfalls war es wohl manchmal notwendig, den Frieden zu erkaufen, wenn Ausgaben für Soldaten und Landreiter anfallen „für bier bezahlt so sie außgetrunken“ oder „einem fenrich, der mit 40 Mann Neugeworbenen Völkern durch Dobbertin gezogen… und da nicht nacht geblieben“, worüber die Trauer sich in Grenzen gehalten haben wird. So werden „wein und brandwein zur ausrichtung der Fremden“ regelmäßig in den Rechnungsbüchern ausgewiesen.

Am 13. November 1627 war Oberst Octavio Piccolomini Gast im Kloster Dobbertin, zu diesem Zeitpunkt bereits Kommandant der Leibgarde Wallensteins. Er behielt sein Standquartier als kaiserlicher Feldherr in Stargard bis 1629 und war später am Sturz und der Ermordung Wallensteins in Eger beteiligt. An diesem Abend jedoch wurde in Dobbertin ein echter Rekord aufgestellt: Die Herren konsumierten 28 ½ Stübchen Wein. Ein Stübchen entspricht einer Menge von mehr als drei Litern. Die Quellen schweigen sich über die Folgen aus, leider.




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