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Philipp Hein studierte in Shanghai : Vom behüteten Broock nach China

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Sie ist größer, bunter, lauter und einfach viel überwältigender, als alles, was Philipp Hein bisher gekannt hatte. Der 22-jährige Broocker verbachte eineinhalb Jahre in Shanghai. Eine Stadt, die niemals schläft.

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erstellt am 02.Jul.2013 | 05:44 Uhr

Broock | Sie ist größer, bunter, lauter und einfach viel überwältigender, als alles, was Philipp Hein bisher gekannt hatte. Der 22-jährige Broocker lernte eine Stadt kennen, die scheinbar niemals schläft. Eineinhalb Jahre verbrachte der junge Mann in Shanghai, die bedeutendste Industriestadt Chinas und eine der größten Metropolen des Landes. Als Ausländer kämpfte er sich durch den Großstadt-Dschungel, lernte eine fremde Sprache und Kultur kennen, und schaffte sich ein Zuhause in einer Stadt mit 26 Millionen Einwohnern, auf einer Fläche so groß wie Mecklenburg-Vorpommern.

Der ehemalige Eldenbrug-Gymnasiast absolvierte 2008 sein Abitur und fragte sich dann, wie wohl jeder, was kommt nun. Zur Bundeswehr wollte der junge Mann nicht, also entschied er sich für ein freiwilliges politisches Jahr im Schweriner Landtag. Danach stand fest: ein Studium in BWL. "Aber ich wollte nicht irgendeinen Standard studieren. Ich habe mich für BWL entschieden mit einem doppelten Abschluss - einem in Deutschland und einem in China", erzählt Philipp Hein.

Eineinhalb Jahre verbrachte der Broocker in einer Uni nahe Frankfurt. Dann ging die Reise los. "Wir wurden regelrecht ins kalte Wasser geworfen", erinnert sich der 22-Jährige. Die einzige Vorbereitung waren drei Wochen Sprachreise in China vor der Uni. Dann hieß es Koffer packen für eineinhalb Jahre Shanghai. "Es war eine einmalige Erfahrung." Die Kultur unterscheidet sich komplett zu der der Deutschen, das Essen, die Mentalität und auch die Denkweisen sind einfach vollkommen verschieden. "Dennoch sind die Chinesen gerade Deutschen gegenüber sehr aufgeschlossen und herzlich", erklärt der Auswanderer.

In einem Hochhaus direkt in der Innenstadt wohnte Philipp Hein mit zwei weiteren Studenten. "Die WG konnten wir direkt von ehemaligen Studenten übernehmen", erzählt der Absolvent. Insgesamt sind sie zu zehnt in das Abenteuer China von Deutschland aus gestartet. "Die größte Herausforderung war die Sprache. Nicht nur das Sprechen, sondern auch die ganzen Schriftzeichen. Man muss erst das deutsche Wort übersetzen und dann noch das Zeichen dazu wissen", weiß der junge Mann. Jedes Schriftzeichen hat eine eigene Bedeutung, bildet aber im Zusammenhang mit anderen Zeichen wiederum neue Wörter. "Bis jetzt habe ich ungefähr 2500 Schriftzeichen gelernt." Im alltäglichen Sprachgebrauch werden zirka 3000 Schriftzeichen verwendet. "Und Akademiker können teilweise bis zu 10 000 Zeichen." Zusätzlich zur Uni nahmen die jungen Studenten Privatunterricht, um die Sprache noch schneller zu beherrschen. "Die Wirtschaftsthemen wurden meist auf Englisch behandelt, aber kulturelle Fächer in der Uni waren auf Chinesisch", erklärt Philipp Hein. Auch die ersten Seiten seiner Bachelor-Arbeit sind in chinesischen Schriftzeichen geschrieben.

Die Uni an sich war jedoch leichter, als in Deutschland. "Wir mussten oft nur Seitenweise Bücher auswendig lernen", erinnert sich der Mecklenburger. Daraus entstanden jedoch auch einige Reibungspunkte, aufgrund der unterschiedlichen Kulturen und Denkweisen. "Die Chinesen lernen nicht zu Hinterfragen. Da bin ich öfter mal freundlich angeeckt", erzählt der Student und schmunzelt.

Nach der Arbeit und dem Lernen in Shanghai kam das Vergnügen. "Wir waren abends eigentlich immer in der Stadt unterwegs", erinnert sich Philipp Hein. Zuhause kochen gab es so gut wie nie. "Die Chinesen essen jeden Tag in einem Restaurant oder lassen sich etwas nach Hause liefern." Auf der Speisekarte stehen nicht immer gewöhnliche Gerichte. "Ich wurde immer wieder aus Deutschland gefragt, wie denn nun Hund schmeckt. Dann habe ich es einmal ausprobiert: Es schmeckt grauenvoll. Das werde ich nie wieder essen", erzählt der junge Mann und lacht.

In China hat Philipp Hein jedoch nicht nur positive Sachen erlebt. "Gerade die Umwelt ist hier kein Thema. Es ist schon ungewohnt, dass man morgens Fernsehen schauen muss, um zu wissen, wie hoch die Umweltverschmutzung ist, ob man raus gehen darf oder nicht", so der 22-Jährige. Zur Zeit der Vogelpest gab es nirgends Putenfleisch zu kaufen. "Wir haben ein halbes Jahr lang nur Gemüse gegessen."

Knapp eine Woche ist der Weltreisende nun wieder in seiner Heimat. Am meisten vermisst er wohl die unkomplizierte Lebensweise der Chinesen. "Wir hatten immer einen Lieferservice, egal ob von einem Restaurant oder Supermarkt. Und ich vermisse unsere ,Ayi’. Übersetzt heißt das so viel wie Tante." So heißen in China die Putzfrauen. Sie kam zweimal in der Woche und hat die Wohnung geputzt sowie die Wäsche gebügelt. "Umgerechnet hat jeder von uns 40 Cent für eine Stunde bezahlt."

Eineinhalb Jahre Shanghai waren unglaublich erfahrungsreich und haben Philipp Hein zu dem Menschen gemacht, der er jetzt ist. Ab August wird der Broocker eine Anstellung als Unternehmensberater in Hamburg anfangen. "Ich hoffe, ich kann die Sprache und das Gelernte auch in irgendeiner Form mit einbringen", so der 22-Jährige. In Zukunft möchte der junge Mann es erst einmal ruhiger haben. "Es war eine tolle Zeit und ich würde es auch gern wieder machen. Aber momentan genieße ich auch die Ruhe zu Hause", erzählt Philipp Hein.

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