Schulprojekt in Lübz : Vom Baby-Stress zurück in Alltag

Sozialpädagogin Barbara Guth (2. v. r.)  zeigte den Teilnehmern des Projektes „Babybedenkzeit“ was mit Kindern passiert, wenn Mütter in der Schwangerschaft Alkohol trinken oder rauchen.
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Sozialpädagogin Barbara Guth (2. v. r.) zeigte den Teilnehmern des Projektes „Babybedenkzeit“ was mit Kindern passiert, wenn Mütter in der Schwangerschaft Alkohol trinken oder rauchen.

Neuntklässler der Förderschule Lübz ziehen Bilanz des Projektes „Babybedenkzeit“.

svz.de von
04. März 2016, 12:00 Uhr

Vier Tage und drei Nächte Baby-Alarm statt Schlafen, Lernen und Freizeit liegen hinter Jasmin, Pia, Lena und Marilyn. Die vier Schülerinnen der Förderschule Lübz haben in dieser Woche am Präventionsprojekt „Babybedenkzeit“ teilgenommen (wir berichteten) – Und das mit Erfolg, wie die Auswertung am Freitag ergeben hat.

Ein Computer im Inneren des Babysimulators hat aufgezeichnet, wie gut oder schlecht die Säuglinge versorgt wurden. „Ihr seid alle sehr verantwortungsbewusst mit eurem Kind umgegangen“, sagte Sozialpädagogin Barbara Guth von der DRK-Schwangerschaftsberatungsstelle in Sternberg. „Die Augenränder sind von Tag zu Tag mehr geworden“, erinnerte sich Schulsozialarbeiterin Steffi Tesch an die gemeinsamen Treffen in der täglich stattgefundenen Gesprächsrunde. Sie und Barbara Guth begleiteten das Projekt und standen in ständigem Telefonkontakt mit den Teilnehmern. So waren sie nicht auf sich allein gestellt.

Doch bevor es an die Auswertung ging, hatte Barbara Guth noch etwas vorbereitet. „Ich habe euch noch drei weitere Babys mitgebracht. Die sehen aber anders aus als eure“, kündigte sie an. Und das sahen sie tatsächlich. Denn sie waren von Missbildungen an Kopf und Gliedmaßen gekennzeichnet und stark entwicklungsverzögert. „Das passiert, wenn Mütter während der Schwangerschaft Drogen nehmen, Alkohol trinken oder rauchen“, erklärte Barbara Guth.

Diese Taten hinterlassen Spätfolgen wie beispielsweise die Schädigung innerer Organe, irreparable Hirnschäden bis hin zu geistigen und körperlichen Behinderungen. Früh- oder Totgeburten können eine weitere Folge sein. „3000 Säuglinge werden im Jahr mit dem sogenannten Fetalen Alkoholsyndrom geboren“, zitierte Barbara Guth die Statistik. Eine Zahl, die zum Nachdenken anregt. „So ein Kind möchte ich nicht haben“, reagierte Lena sofort.

In diesem Zusammenhang lobte Barbara Guth Marilyn. In ihrem Elternhaus wird geraucht. „Ich habe gleich von Anfang an meinen Eltern gesagt, dass nicht in der Gegenwart des Kindes geraucht wird“, erzählte sie bei der Auswertung. Die Reaktion ihres Vaters darauf: „Nicht mal in seiner eigenen Wohnung darf man rauchen.“

Die Teilnehmer waren sich einig, dass sie sehr viele schöne Momente erlebt haben. „Es ist eine Umstellung, aber das Lachen des Kindes ist eine Bestätigung, dass ich alles richtig gemacht habe“, sagte Pia. Zusammen mit ihrer Cousine Lena war sie einkaufen und zog im Laden komische Blicke auf sich. „Nachts hat mich die Kleine ziemlich auf Trapp gehalten. Ich war immer mit einem Ohr am Bettchen“, beschreibt Pia ihren Schlafrhythmus. Jetzt könne sie nachvollziehen, was ihre Eltern geleistet haben, als sie noch klein und hilflos war.

Was die Familienplanung angeht, sind sich alle Teilnehmer einig: Erst die Schule fertig machen, dann eine Ausbildung und eine feste Arbeitsstelle.

Die Auswertung bescheinigte den Teilnehmern folgende Ergebnisse im Bereich Versorgung und Pflege: Lena und Pia 100 Prozent, Jasmin 97 Prozent und Marilyn 87 Prozent. „Ihr habt alles gegeben und habt es geschafft. Jetzt heißt es Abschied nehmen“, sagte Barbara Guth in die Runde. Wehmut zeichnete sich bei den Vieren ab, als sie die Säuglinge auszogen und in die Tasche packten. Als Erinnerung überreichte Steffi Tesch jeder eine Mappe mit Fotos, der Geburtsurkunde und Infomaterial.

Weiterempfehlen können die Mädchen den Kurs auf jeden Fall. Barbara Guth erinnert sich an den Besuch einer jungen Frau bei ihr in der Beratungsstelle: „Sie hat das Elternpraktikum mitgemacht und erzählte mir, dass es ein gutes Training gewesen ist. Ich habe sie auch in der Schwangerschaft begleitet.“

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