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Airbrush-Kunst aus Parchim : Volker Timm sprüht Kunstwerke

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Mit einer Pistole und einem ganz bestimmten Lufdruck pustet Volker Timm Farbe auf Leinwände. Der Airbrush-Künstler zeigt jetzt seine Bilder.

svz.de von
erstellt am 06.Okt.2012 | 02:55 Uhr

Lübz/Parchim | Das knallige Rot sticht aus dem Bild hervor. Nimmt den Betrachter sofort ein, hält seinen Blick fest. Der offene Mund und die daraus hervorschauende Zunge lassen einen das Bild genauer betrachten. Es ist ein Porträt. Das Abbild des Musikers Mariyln Manson. Es lässt einen nicht mehr los, denn auch die Augen des Modells sind magisch, ziehen einen an. Das eine schwarz ausgemalt, halb versteckt unter einem Hut, das andere klar und hell. So kennen Fans ihren Marilyn Manson. Schwarz gekleidet, aber immer mit einem knallig roten Mund - eben provokativ. Provozieren, wach rütteln, das will auch der Künstler hinter diesem Porträt. Volker Timm aus Parchim steht ganz besonders zu diesem Bild. Denn Diebe hatten es schon gestohlen. "Die waren mit dem Bild schon auf der Straße. Hätten mutige Leute nicht eingegriffen, dann wären die Diebe mit meinem Bild weg gewesen", erinnert sich der Airbrush-Künstler. Denn hinter dem Bild steckt viel mehr als nur schwarz-weiße Farbe und ein bisschen Rot. Es gehört zu dem Künstler aus Parchim. "Das Bild hat nicht nur einen materiellen Wert für mich", verdeutlicht Volker Timm.

Schon als Kind hat der heute 53-Jährige immer viel gemalt. Zu DDR-Zeiten hat Volker Timm am Theater als Bühnengestalter gearbeitet, noch heute hat er einen besonderen Bezug zum Theater, arbeitet er doch auch noch in der Parchimer Stadthalle. Doch mittlerweile kann er als Künstler auf mehr als 20 Jahre Schaffenszeit zurückblicken. Da verwundert es nicht, dass eine New Yorker Galerie sechs seiner Kunstwerke für eine Ausstellung abgenommen hat. "Im Mai haben wir die Bilder nach Manhattan verschickt", erzählt der Parchimer. Doch auch in ganz Deutschland sind seine Bilder unterwegs. Als Airbrush-Künstler konnte Volker Timm erst nach der Wende richtig anfangen. "Damals war es verboten, sich eine Airbrush-Pistole aus dem Westen zu besorgen", erklärt Volker Timm. Doch ausprobiert hat er es dennoch vor dem Mauerfall. Ein Berliner Künstler hatte eine Airbrush-Pistole. Seitdem sind Volker Timm und seine Airbrush-Pistole unzertrennlich.

Ganz unterschiedlich und immer auf eine andere Weise geht Volker Timm an sein nächstes Werk. Skizzen gibt es zuhauf. Einige werden auf Leinwand gebracht, andere verschwinden im Papierkorb. Vor allem liebt es der Künstler Porträts zu malen. Amy Winehouse, Klaus Kinski oder Tommy Lee Jones sind nur einige, die er "gesprüht" hat. Doch Volker Timm will nicht nur die Realität abbilden, sondern jedem Bild etwas Besonderes mitgeben, etwas von ihm selbst. Etwas, das ein Stück drüber ist, ein Stückchen mehr als die Realität, wie er selbst sagt. Denn mit seinen Kunstwerken will der Parchimer auch Kritik üben. Kritik an der Gesellschaft. Das zeigt vor allem eines seiner Kunstwerke. Eine nackte Frau - das Gesicht durch ihre langen Haare verdeckt - liegt vor einem Smartphone. Auf dem Display prangt groß zu erkennen das typische "f" - das Erkennungszeichen für facebook. Daran genagelt ist Jesus. Gesellschaftskritisch und provokativ kommt dieses Bild daher und stellt die eine Frage: Ist facebook unsere neue Religion? Die Antwort darauf sollte jeder selbst herausfinden, sagt Volker Timm.

Schwarz-weiß Töne gehören zu Volker Timms Lieblingen. Monochrom sind seine Bilder vor allem. Doch platt sind sie nie. Auch passen sie nicht in die typische Airbrush-Schublade. "Ich will von dem Fantasy- und nackte-Frauen-Image auf Autos und Motorrädern weg. Das ist nicht meine Kunst", verdeutlicht Volker Timm noch einmal. Denn der Parchimer beweist, dass Airbrush viel mehr ist, als nur Farbe mit Luftdruck auf eine Leinwand pusten. Das zeigt er jetzt in einer weiteren Ausstellung - in "The Art of Airbrush".

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