Gesundheit : Vogelgrippe macht unsicher

Frank Glöhr vor einer Gruppe ausgewachsener Strauße
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Frank Glöhr vor einer Gruppe ausgewachsener Strauße

Straußenzüchter: Tiere würden Einstallung nicht überleben / Antrag auf Ausnahmegenehmigung von landesweiter Vorschrift gestellt

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26. November 2014, 22:00 Uhr

H5N8 – eine Buchstaben-/ Zahlenkombination, die für Unruhe sorgt: Abkürzung für das gefährliche Vogelgrippe-Virus. Seit einigen Tagen gilt deshalb in ganz Mecklenburg-Vorpommern eine ministeriell angeordnete Stallpflicht für Nutzgeflügel. Nach einem neuen Vogelgrippe-Fall bei einer Wildente müssen Geflügelhalter ihre hierzulande rund 13 Millionen Hühner, Puten, Gänse und Enten in Ställen einquartieren.

Frank Glöhr züchtet in Riederfelde bei Lübz seit zehn Jahren Ausnahme-Geflügel mit im Verhältnis zu den genannten Arten verschwindend geringen Stückzahlen: Strauße. Beim kreislichen Veterinäramt hat er am Sonnabend per Internet den Antrag gestellt, seine etwa 120 auf rund zehn Hektar laufenden Tiere nicht einstallen zu müssen. Noch wurde darüber nicht endgültig entscheiden, doch Hoffnung macht dem Landwirt, dass zum Beispiel der Schweriner Tierpark eine Ausnahmegenehmigung für seine Laufvögel bekommen habe. „Es sind Wildtiere, die sich nicht einsperren lassen“, sagt er. „Natürlich habe auch ich Angst vor der Krankheit, aber einmal von dem Fakt abgesehen, dass meine Tiere Auslauf zum Überleben brauchen, hätte ich auch finanziell gar nicht die Möglichkeit, sie geschlossen unterzubringen. Ich habe also die Wahl zwischen den Möglichkeiten, dass sie bei Einstallung kaputt gehen, weil sie sich gegenseitig tottrampeln, oder die Seuche rafft sie dahin. Davon gehe ich aber auch deshalb nicht zwangsweise aus, weil die Seuche in einer geschlossenen Anlage für Puten ausgebrochen ist. Wenn Tiere eingesperrt sind, kann es also auch passieren.“ Als erste problemlos umzusetzende Maßnahme hat Glöhr wie schon bei der letzten Vogelgrippe angeordnet, dass Besucher nicht mehr in die Nähe der Vögel, geschweige denn sie füttern dürfen.

Die Vorschriften des Schweriner Landwirtschaftsministeriums gründen sich auf den Fund einer infizierten Krickente am 17. November auf Rügen. Neben den Wildvögeln sehen Experten des Friedrich-Löffler-Institutes (FLI) zudem in der illegalen Einfuhr von Vögeln eine Gefahr. Auch die Einfuhr von Geflügelprodukten aus Ländern, die bereits vom H5N8-Virus betroffen sind, berge ein Risiko. Erkrankungen von Menschen, die dem Subtyp H5N8 ausgesetzt waren, sind bisher nicht bekanntgeworden. Die Bedrohung der öffentlichen Gesundheit sieht das FLI deshalb als so wörtlich „sehr gering“ an. Risikoberufsgruppen, die in Ausbruchsbetrieben tätig waren, sollten nach einem Kontakt für zehn Tage unter Beobachtung gestellt werden, so das Institut.

Angesichts der Vogelgrippe muss nicht nur im Nordosten, sondern auch in einigen Regionen Nordrhein-Westfalens, Niedersachsens, Brandenburgs, Schleswig-Holsteins und des Saarlandes sämtliches Geflügel eingesperrt werden. Niedersachsens Landwirtschaftsminister etwa hält eine generelle Stallpflicht allerdings nicht für umsetzbar, weil dafür die gesetzliche Grundlage fehle, sagte er gestern. Wegen des 2013 geänderten Bundestierseuchengesetz sei solch eine Maßnahme nur in Abstimmung mit den jeweiligen Landkreisen möglich.

Von der Stallpflicht in Mecklenburg-Vorpommern sind etwa 40 000 Geflügelhalter betroffen. Sie müssen ihre rund 13 Millionen Hühner, Puten und Enten in Ställen oder überdachten Volieren unterbringen, ebenso anderes Nutzgeflügel. Tauben sind laut Ministerium davon ausgenommen, denn für sie sei das Ansteckungsrisiko deutlich geringer. Veterinärämter und Polizei kontrollieren laut Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) die Stallpflicht. Dem NDR Nordmagazin sagte Backhaus, dass demjenigen, der sich nicht an die Anordnungen halte, Strafen in Höhe von bis zu 30 000 Euro drohen.

Über Glöhrs Antrag hat das Veterinäramt noch nicht entschieden. Man sei sich jedoch bewusst, dass Strauße nicht einfach eingesperrt werden können und wolle das Pro-blem nicht vom Schreibtisch aus, sondern vor Ort mit dem Züchter besprechen, teilte es gestern mit. Er bleibt unabhängig davon kritisch: „Es ist schon merkwürdig: Erst Schweinepest, dann Rinderwahn, nun Vogelgrippe. Mal sehen, was als nächstes wieder auf den Tisch kommt.“
 

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