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Geplante Hühnermastanlage Gallin-Kuppentin : Viren und Mist-Gestank einbeziehen

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Sieben von acht Gemeindevertretern haben am Mittwoch einer im Amt mit Anregungen des Bauausschusses erarbeiteten Stellungnahme der Kommune zum geplanten Bau der Hähnchenmastanlage in Gallin zugestimmt.

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erstellt am 24.Nov.2011 | 06:52 Uhr

gallin-kuppentin | Sieben von acht Gemeindevertretern haben am Mittwoch-abend einer im Amt mit Anregungen des örtlichen Bauausschusses erarbeiteten Stellungnahme der Kommune zum geplanten Bau der Hähnchenmastanlage in Gallin zugestimmt. Sie fließt mit in das Genehmigungsverfahren ein und wurde gestern an das Amt für Raumordnung und Landesplanung in Schwerin geschickt.

In dem Papier ist unter anderem zu lesen, dass die zum geplanten Standort führende Gemeindestraße wegen ihres schlechten Zustandes die zu erwartende Belastung nicht verkraften würde. Zudem sei das Lager für etwa 1000 Kubikmeter Mist nicht in die Emissionsuntersuchung einbezogen worden, was die Kommune fordere, und es wird gefragt, warum eine auch für den Menschen theoretisch nicht auszuschließende Gefährdung durch bestimmte Viren keine Berücksichtigung gefunden habe.

Darüber hinaus seien negative Auswirkungen auf den Tourismus zu befürchten und man dürfe hinsichtlich einer Genehmigung auf keinen Fall nur die prognostizierte, allein durch die neue Mastanlage hervorgerufene, wegen ihrer Werte als irrelevant eingeschätzte Belastung berücksichtigen. Zwingend ermittelt und hinzugerechnet werden müsse die im Umfeld bestehende Vorbelastung, um mögliche Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt korrekt beurteilen zu können. In der Stellungnahme heißt es wörtlich: "Jedes Schiff, das seine Beladung nur um irrelevante fünf Prozent erhöht, sinkt, wenn die Vorbelastung (Ladung) 96 Prozent der Höchsttonnage ausmacht!" Der Untersuchungsrahmen soll deshalb auf zwei Kilometer rund um die geplante Mastanlage ausgedehnt werden. Dies sei auch bei anderen Raumordnungsverfahren so üblich.

Wegen der Größe der vorgesehenen Anlage - der Investor plant, in acht Durchgängen jährlich insgesamt 2,4 Millionen Tiere in den neuen Ställen aufwachsen zu lassen - gibt es keine einfache Baugenehmigung, sondern ihm ist ein Verfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz (BimSchG) vorgeschaltet. In ihm müssen sämtliche Umweltauswirkungen einer Anlage berücksichtigt werden. Alle Betroffenen (in diesem Fall die Gemeinde, möglich sind aber auch Privatpersonen) haben die Möglichkeit, eine Stellungnahme abzugeben und Einwendungen gegen das Vorhaben zu erheben. Sie müssten allerdings fachlich fundiert sein, sagt Rainer Timm, Leiter des Amtes für Stadt- und Gemeindeentwicklung beim Amt Eldenburg Lübz: "Es nützt gar nichts, zu sagen: Wir wollen diese Anlage nicht. Wenn, dann müssen zum Beispiel erkannte Schwachpunkte hinterfragt werden." Bloße Ablehnung sei nicht Gegenstand der Stellungnahme. Dem hatte Gemeindevertreterin Gabriele von Fuchs widersprochen. Ohne weitere Hintergründe zu nennen, wollte sie zusätzlich erwähnt haben, dass die Gemeinde das Vorhaben eindeutig ablehne. Auf die heftige Kritik von im Saal sitzenden Einwohnern, nicht detailliert informiert worden zu sein, sagte Timm, dass die "Verfahrensunterlagen zum Raumordnungsverfahren Hähnchenmast Gallin" nach Bekanntmachung bis heute im Amt öffentlich ausgelegen haben, wo seinen Worten zufolge diverse Interessierte die Möglichkeit nutzten, Einblick zu nehmen. Wer etwas nicht verstanden habe, konnte sich durch die Mitarbeiter beraten lassen.

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