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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

18. Dezember 2017 | 02:30 Uhr

Schulprojekt Lübz : Vier Tage Eltern auf Probe

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Neuntklässler der Förderschule am Neuen Teich lernen in einem Schulprojekt den richtigen Umgang mit einem Säugling.

svz.de von
erstellt am 24.Feb.2016 | 12:00 Uhr

Emma weint. Es ist ein unzufriedenes, hilfloses Weinen und es sieht nicht so aus, als ob sie so schnell aufhört. Jasmin jedoch lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Sie legt die Kleine an ihre Schulter und wiegt sie behutsam auf und ab. „Das Baby braucht jetzt meine Nähe“, sagt sie und streicht mit der freien Hand über den Rücken. „Immer schön den Kopf des Babys stützen. Das ist ganz wichtig“, betont Sozialpädagogin Barbara Guth von der DRK-Schwangerschaftsberatungsstelle in Sternberg.

Jasmin ist Schülerin der Förderschule am Neuen Teich in Lübz und besucht dort die neunte Klasse. Seit gestern Vormittag dreht sich jetzt für vier Tage ihr Leben nicht mehr nur um Matheunterricht oder Englischvokabeln, sondern vor allem um Emma. Jasmin nimmt in dieser Woche mit ihren Klassenkameraden am Projekt „Babybedenkzeit“ teil und wird erleben, was es bedeutet, Verantwortung für ein Neugeborenes zu übernehmen – als Mama auf Probe rund um die Uhr. Mit einer Geburtsurkunde wird die Elternschaft auf Probe offiziell dokumentiert: Emma ist 3160 Gramm schwer und 52 Zentimeter groß. „Das sind stolze Maße“, bewertet Barbara Guth das Mess- und Wiegeergebnis.

Der Säugling ist eine Puppe mit Computer im Bauch, ein sogenannter Babysimulator, der sich verhält und reagiert wie ein echtes Baby. Tag und Nacht erfordert es ungeteilte Aufmerksamkeit und Pflege: Es muss gefüttert, gewickelt und geschaukelt werden, kann zufrieden glucksen und aufstoßen, der empfindliche Halsbereich muss gestützt werden. Jasmin und die anderen schreckt das nicht ab, im Gegenteil. Schon kurze Zeit nach der „Geburt“ entwickeln sich erste Muttergefühle.

Das Geschlecht ihrer „Kinder“ konnten sich die Jugendlichen wie im wahren Leben nicht aussuchen. Junge oder Mädchen – das bestimmte der Zufall in Gestalt von Barbara Guth. „Ich habe mir ein Mädchen gewünscht“, sagt Jasmin mit einem Lächeln und setzt dem Baby ein rosa Mützchen auf.

Die richtigen Handkniffe hatte Barbara Guth den Schülern bereits in der ersten Stunde gezeigt und erklärt. Seit 13 Jahren betreut sie das Präventionsprojekt und steht in den vier Tagen mit den Teilnehmern in ständigem Telefonkontakt. Dass ein Teilnehmer das Projekt abgebrochen hat, habe sie noch nicht erlebt. Schulsozialarbeiterin Steffi Tesch organisiert und begleitet das Projekt. Einmal am Tag trifft sie sich mit den Teilnehmern zu einer Gesprächsrunde. „Es werden die aufgetretenen Probleme besprochen und Lösungswege erarbeitet“, sagt Steffi Tesch. Es gehe dabei um Erziehung und Elternverantwortung, Bedürfnisse von Kindern und Eltern, Problematik von Schwangerschaften Jugendlicher, um Partnerschaft, Familie und Lebensplanung. Damit bleiben die „Eltern auf Probe“ nicht sich selbst überlassen. Bevor sich das Klassenzimmer allerdings in einen „Kreissaal“ verwandelte und die Babysimulatoren an die Jugendlichen ausgehändigt wurden, gab es in der Einführung noch etwas Theorie an die Hand. Durch das Tragen einer Schwangerschaftssimulationsweste konnten die Schüler nachempfinden, wie sich eine Schwangerschaft anfühlt. „Schwer und ungewöhnlich“, empfindet Jasmin das Schwanger-Sein und war sichtlich froh, als Steffi Tesch ihr die Weste wieder abnahm.

„Ich hoffe, dass ich das packe. Ein bisschen Angst habe ich schon“, sagt Lena Leuchtenberg, die ihre „Tochter“ Mila nicht allein erzieht. Unterstützung bekomme sie von ihrem Freund. Ihre Cousine Pia wird sich jedoch alleine um ihr Baby Sophie kümmern, wie sie erzählt. „Ich hoffe, dass es nicht so schwierig wird“, sagt sie. Am Freitag wird das Projekt gemeinsam ausgewertet und die Teilnehmer berichten von ihren Erlebnissen.

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