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Kuriositäten : Viele Wege führen nach Lübz, oder Lübs?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Wenn Ortsnamen, die es mehrfach gibt, einen in die Irre führen

von
erstellt am 04.Aug.2014 | 22:00 Uhr

Ein Autofahrer, der sich von Lübz auf den Weg nach Lübs macht, braucht gut zweieinhalb Stunden – vorausgesetzt er fährt über die A 19 und A 20. Die beiden Orte, die ähnlich klingen, aber auf einen anderen Konsonanten enden, liegen über diese Strecke mehr als 240 Kilometer weit auseinander. Es geht aber auch anders: Die Strecken über die B192 und B198 verkürzt sich immens, dann sind es nur noch 153 oder 179 Kilometer, die einen Lübzer von einem Lübser trennen. Bekanntlich führen schließlich viele Wege nach Rom. Und das fast jeden Tag. Denn Rom ist nicht nur die Hauptstadt von Italien, sondern auch ein kleiner Ort in Mecklenburg-Vorpommern, im Landkreis Ludwigslust-Parchim und liegt nur wenige Autominuten – genau elf Minuten – von Lübz entfernt. An mindestens fünf Tagen fahre ich täglich durch Rom – nur Italienisch spricht mit mir hier niemand. Und das, wo die Sprache doch so einen schönen Klang hat.

Wo war ich stehen geblieben? Ach richtig! Ein Autofahrer kann schon mal von seinem eigenen Navi aufs Glatteis geführt werden, wenn er sich noch nicht so gut in der Region auskennt. Wie ich, als ich neu in Mecklenburg-Vorpommern war. Denn einige Ortsnamen gibt es doppelt, oder um es noch schwieriger zu machen, gleich mehrfach. So verhält es sich auch mit Neuhof. Kennen Sie nicht? Das kann nicht sein. Denn allein in Mecklenburg-Vorpommern gibt es diesen Ortsnamen gleich 24 Mal. Unglaublich. Finden Sie nicht auch? Doch nicht nur Neuhof kann einen verwirren, wenn die Postleitzahl des gewünschten Ziels nicht gerade zur Hand ist, sondern auch Steinbeck, Grambow, Gallin, Werder und Brook oder Broock? Auch die Schreibweisen der jeweiligen doppelten Orte können einen ganz schön durcheinander bringen.

Selbst wir Redakteure können da schon mal durcheinander kommen. Zum Beispiel in einer Polizeimeldung: Da steht geschrieben, dass ein Postauto in Techentin, im Landkreis Ludwigslust-Parchim, gestohlen wurde. Beide Lokalredaktionen – die eine in Ludwigslust, die andere in Lübz – machen sich daran, um die Meldung ins Blatt zu heben. Aber wer ist jetzt auf dem richtigen Dampfer? Ludwigslust oder Lübz? Irgendwie beide und doch wieder nur einer. Denn Techentin gibt es zweimal – auch im Landkreis Ludwigslust-Parchim. Das war vor der Kreisgebietsreform noch nicht so. Da hatten beide Altkreise ihr eigenes Techentin. Letztendlich konnte der Fall geklärt werden. Das gemeinte Techentin liegt bei Goldberg, also weit entfernt von Ludwigslust. Es ist eine eigenständige Gemeinde mit sechs Ortsteilen.

Seien wir mal ganz ehrlich: Wer kommt bei den doppelten Ortsnamen nicht durcheinander? Der solle bitte jetzt den Finger heben. Denn ob Lübz oder Lübs, Techentin oder Techentin – die Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht. So gibt es zum Beispiel einen schönen Ort namens Passow. Den kenne ich doch schon? Dachte ich mir, als ich zum ersten Mal durch Passow bei Lübz fuhr. Richtig: In meiner Ausbildung zur Redakteurin habe ich mein Volontariat in der Lokalredaktion Gadebusch gemacht. Und genau dort im Umkreis von nur 3,6 Kilometern gibt es noch ein Passow – gleicher Klang, gleiche Schreibweise. Unglaublich. Aber auch Gallin und Granzin gibt es mehrmals. Das eine bei Lübz, mittlerweile fusioniert zu Gallin-Kuppentin, das andere bei Zarrentin. Grambow gibt es dreimal in Mecklenburg-Vorpommern: Einmal als Ortsteil von Goldberg, dann im Umland von Schwerin im Landkreis Nordwestmecklenburg und noch einmal im Landkreis Vorpommern-Greifswald. Wer soll da noch den Wald vor lauter Bäumen sehen?

Doch Ortsnamen wurden vor allem aus einem einzigen Grund vergeben? Oder etwa nicht? Nämlich zur Orientierung. Schwierig wird es da nur, wenn es den Ortsnamen mehrfach gibt. Und das ist nicht nur in MV der Fall, sondern deutschlandweit. Hausen, Neukirchen, Neustadt und Mühlhausen sind zum Beispiel die häufigsten Ortsnamen in Deutschland. Hausen gibt es in sechs verschiedenen Bundesländern – in MV allerdings nicht. Wir brauchen also gar nicht erst anfangen danach zu suchen. Wir haben andere Orte. Wie Lübz und Lübs. Fahren Sie doch einmal nach Lübs. Es ist eine kleine Gemeinde in Vorpommern, mit zirka 370 Einwohnern. Beide Orte – auch wenn sie anders enden, dennoch gleich klingen – leiten sich aus dem Slawischen ab. Lübs vom slawischen „Lipa“, für Linde, und Lübz geht auf den slawischen Gründer L’uby zurück und heißt übersetzt geliebt. Bei Lübz im Landkreis Ludwigslust-Parchim ist also die „geliebte Stadt“ an der Elde zu finden – und viele Wege führen zu ihr.


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