Lesung : Viel Applaus zum Parchim-liest-Finale

Christoph Bungartz vom NDR Kulturjournal, Leander Haußmann und Uwe Dag Berlin (v.l.) im ausverkauften Parchimer Theater
Christoph Bungartz vom NDR Kulturjournal, Leander Haußmann und Uwe Dag Berlin (v.l.) im ausverkauften Parchimer Theater

Leander Haußmann kehrte für einen Abend an die Bühne in der Eldestadt zurück

svz.de von
04. Dezember 2013, 00:00 Uhr

Als er seinen Freund, den Regisseur Frank Castorf einmal fragte, wie er sein turbulentes Leben voller Arbeit, Frauen und Kinder so organisiert bekomme, soll er geantwortet haben: „Ick laß es einfach loofen…“ und „loofen lassen“ wollte es Leander Haußmann dann auch an diesem Abend im Mecklenburgischen Landestheater, der im Rahmen der Reihe „Der Norden liest“ vom NDR-Kulturjournal stattfand und dafür auch aufgezeichnet wurde. Ob es dem Schauspieler, Regisseur und nun auch Buchautor Leander Haußmann so ganz gelungen ist, mag das Publikum vielleicht unterschiedlich wahr genommen haben, ein wenig aufgeregt, bisweilen nervös wirkte er mitunter schon.

Es kommt eben nicht alle Tage vor, dass man sein frisch erschienenes Buch (Oktober 2013 bei Kiepenheuer & Witsch) an dem Ort vorstellt, an den man seiner Zeit strafversetzt wurde. „Hier im Haus hat sich gar nichts verändert, ich glaube, sogar das Linoleum ist noch dasselbe“, entlockte es Haußmann gleich zu Beginn eine etwas erstaunte Feststellung. Dass er auf die rund sechs Monate im „Sibirien der DDR-Landschaft“ trotz allem mit den besten Erinnerungen zurück blickt, betonte er immer wieder und brach zugleich eine Lanze für den Erhalt und die Erneuerung solch wertvoller Theaterstandorte wie Parchim.

Mit seinem Roman „Buh - Mein Weg zu Reichtum, Schönheit und Glück“ brachte er ganz viele Geschichten und Anekdoten auf unsere hiesige Bühne, umrangt von Blüten in der „Schneeweißchen und Rosenrot“ – Weihnachtsmärchen-Kulisse, und verstand es das Publikum damit gut zu unterhalten. Zeitsprünge, die Haußmann in seinem Buch bewusst gemacht hat, erklärte er zum besseren Verständnis kurz. Da ging es um Begebenheiten in Porto und seiner Beteiligung an einem Horrorfilmfestival, um eine Zeit in Gera im Winter 1987, um Freunde wie Frank Castorf und Erlebnisse mit seinem Vater, dem Schauspieler Ezard Haußmann, der im November 2010 verstarb. Und immer wieder um Parchim, der „Gulag, in den die Überflüssigen, die Abgeschriebenen, die Über- und Unterbegabten abgeschoben wurden.“ Hier wurde offiziell nach Grundsätzen des „Bitterfelder Wegs“ inszeniert, der zu DDR-Zeiten für eine neue programmatische Entwicklung der sozialistischen Kulturpolitik sorgen sollte. Doch die Tagesordnung sah oft anderes vor, Alltäglichkeiten, die sich beispielsweise mehr im Wald als auf der Bühne abspielten, weil schlicht und einfach Holz für die Kulisse fehlte und darum selbst Hand anlegen durch das Ensemble gefragt war. Damals sicher nicht immer amüsant, jedoch oft Realität, heute nun Grund zur heiteren Betrachtung.

Unterstützung bekam Haußmann am Sonntagabend von Uwe Dag Berlin, seines Zeichens Regisseur, Schauspieler, Freund und ebenfalls mit Parchims Theater verbunden, und der nicht nur las, sondern, wenn es der Text hergab, auch passend dazu ein wenig sang. Die kleine Filmsequenz, kurz auf einer Leinwand mit der Musik des „Kleinen Trompeters“ eingespielt, wurde plötzlich ganz real, als Schauspieler Steffen „Shorty“ Scheumann mit seiner Trompete auf die Bühne kam und das „Rotgardisten Lied“ den Zuschauern live präsentierte. Auch Scheumann war in jenen Zeiten an Parchims Theater engagiert.

Dem Publikum gefiel der Ausflug in diesen speziellen Kosmos der Film- und Theaterschaffenden, in eine Zeit, die lang zurück liegt und doch in gewisser und auf solche Weise immer präsent bleiben wird. Viel Applaus gab es am Ende für den Künstler und für die Besucher eine Zugabe. „Parchim liest 2013 “ ist nun Geschichte und bot drei wirklich gute Veranstaltungswochen mit vielen interessanten Autoren und einem gelungenen Finale an diesem Sonntagabend im Parchimer Theater.



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