Landesmeisterschaft : Video: 18 Melker, viele Kühe und ein Ziel

Alles wird notiert: Rüdiger Bissa (l.) und Steffen Schildt bewerten Melkerin Stefanie Mantey
Alles wird notiert: Rüdiger Bissa (l.) und Steffen Schildt bewerten Melkerin Stefanie Mantey

Bei der Landesmeisterschaft müssen die Profis effizient und sauber die Milch abzapfen

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14. März 2018, 21:00 Uhr

Ein kleines, kurzes Pfeifen. „Pfüüü“. Damit signalisiert Stefanie Mantey der Kuh, dass sie gleich an die Zitzen ihrer Euter fasst. Vorsichtig streicht Mantey jede einzelne ab, um sie danach zu desinfizieren. Dippen nennt sich das. Neben ihr stehen Rüdiger Bissa und Steffen Schildt. Mit der Ernsthaftigkeit eines TÜV-Mitarbeiters blicken sie abwechselnd auf ihr Klemmbrett und zu Stefanie Mantey. Ja, es gibt sie wirklich. Die Landesmeisterschaft im Melken. Ausgerichtet vom Landeskontrollverband für Leistungs- und Qualitätsprüfung.

Alle zwei Jahre treffen sich die besten Melker Mecklenburg-Vorpommerns, um ihren Meister zu küren. Die 13. Ausgabe des Wettbewerbes erstreckt sich über zwei Tage: praktisches Melken im Melkkarussell und Überprüfung der Milchhygiene in Plauerhagen an Tag eins, die theoretische Prüfung in Güstrow an Tag zwei. Am Start sind sechs Frauen und zwölf Männer. Sogar zwei Altersklassen haben sie festgelegt. Wie bei einer Sportart. Gruppe eins die 16- bis 25 Jährigen, Gruppe zwei alles darüber. Den Jüngeren winkt Ruhm. Die besten drei werden zur Deutschen Meisterschaft geschickt, Ende April nach Niedersachsen.

Stefanie Mantey ist dafür schon zu alt. Sie ist Jahrgang 1985, arbeitet in Priborn an der Müritz und melkt seit 15 Jahren. Eine Veteranin. Sie hat etwas von einer Bäuerin. Die roten Wangen, die mit einem Kopftuch gebändigten Haare. Sie trägt einen blauen Overall, darüber noch eine Schürze, Handschuhe und weiße Stülpen über den Schuhen. Das Quarantäneoutfit als Vorsichtsmaßnahme, damit sich die Kühe nicht infizieren.

Beim praktischen Melken am Melkstand betreut sie acht Kühe der Rasse Holstein-Friesian zur selben Zeit. Die beiden Prüfer kontrollieren jedes Detail: den Eindruck der Melkerin, es gäbe sogar Abzug, wenn die Fingernägel nicht sauber wären. Wie ist die Kontaktaufnahme zu den Kühen? Ist sie gewandt genug bei ihrer Zeiteinteilung? Melkt sie effizient? Während der Prüfung sagt Mantey kaum ein Wort. Sie pfeift ab und an. „Pfüüü“. Sonst sind nur die Maschinen zu hören. Wie sie die Milch aus den Eutern saugen. In der Luft mischen sich der Geruch von Gülle und Desinfektionsmittel.

Nach etwa 25 Minuten ist die Prüfung vorbei. Mantey wirft noch Handtücher in die Wäsche, dann bekommt sie von den beiden Prüfern ein erste Rückmeldung. Der Griff wäre an der einen oder anderen Stelle nicht so gut gewesen. Nach den ersten Minuten habe sich aber Routine eingestellt. „Nervosität spielt schon eine Rolle“, sagt sie, als sie den Melkstand verlässt. „Obwohl es ja immer gleich ist.“ Froh sei Mantey, dass sie es geschafft hat. Sie bräuchte erstmal Zigaretten und einen Schnaps.

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