zur Navigation springen
Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

20. November 2017 | 18:37 Uhr

Überspannung in Goldenbow : Verwirrung um 500 Euro

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Schaden durch Überspannung in Goldenbow: Energieversorger kündigt Selbstbeteiligung der Kunden an und verzichtet wieder darauf

Verwirrung unter Wemag-Kunden in der Crivitzer Straße in Goldenbow: Bleiben sie auf einem Teil ihres Überspannungsschadens sitzen? In einem Brief des Energieversorgers an die Kunden ist von einer Selbstbeteiligung von 500 Euro die Rede. Gestern ruderte die Wemag zurück. Sie verzichtet auf die Selbstbeteiligung.

In allen Haushalten, die in der Crivitzer Straße über das gleiche Transformatorenhaus versorgt werden, waren durch Überspannung Elektrogeräte ausgefallen. Die Wemag hatte öffentlich zugesagt, den Schaden bei den Kunden zu begleichen. Ein Wemag-Sprecher erklärte, man wolle sich nicht mit den Kunden streiten. (SVZ, 8. August „Plötzlich sind alle Elektrogeräte Schrott“)


Christa Ladwig wehrt sich gegen Eigenanteil


Eine dieser Kundinnen ist Christa Ladwig. Sie schilderte am heißen Draht der SVZ ihren Schrecken, als der Strom mit Überspannung in ihr Haus strömte. Als sie das Licht einschaltete, war es ganz grell und kalt. Sofort schaltete sie die Lampe wieder aus. Mehrere Elektrogeräte in ihrem Haushalt waren defekt.

Vergangene Woche erhielt Christa Ladwig einen Brief des Energieversorgers. Die Wemag bedauert darin den Fall. Für die Regulierung kündigt das Unternehmen an, dass die Kunden die Selbstbeteiligung im Schadensfall von 500 Euro beachten mögen. Das sei so viel wie ihre Witwenrente, ärgerte sich Christa Ladwig. Sie weiß von Nachbarn, die diese Summe überhaupt nicht aufbringen können. „Ich wehre mich dagegen“, so die 67-Jährige.


Was sagt das Oberste Gericht?


500 Euro Selbstbeteiligung. Das ist die Summe, die in einem Urteil des Bundesgerichtshofes (BGH) zur Produkthaftung genannt wird. Der BGH kam zu dem Grundsatzurteil: Wenn der Strom mit zu hoher Spannung aus der Steckdose kommt und dadurch Elektrogeräte beschädigt werden, haftet der Netzbetreiber. In dem verhandelten Fall machte ein Kunde Schadenersatz von 2800 Euro gegenüber seinem Netzbetreiber geltend. Nach einem Stromausfall war es zu einer Überspannung in seinem Haus gekommen. Die Ursache lag in der Unterbrechung von zwei Leitern in der Nähe, über die sein Haus mit der Erdungsanlage verbunden war.

Das Amtsgericht hatte die Klage auf Schadensersatz abgewiesen. Auf die Berufung des Energiekunden hatte das Landgericht der Klage abzüglich Selbstbeteiligung von 500 Euro gemäß Produkthaftung stattgegeben. Der BGH bestätigte das Urteil des Landgerichts.


Verbraucherzentrale: Fall von Fahrlässigkeit?


Dass bei dem Goldenbower Vorfall das Produkthaftungsgesetz zur Anwendung kommt, bezweifelt Horst Frank von der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern. Denn das sei der Weg, den Schaden erstattet zu bekommen, wenn es keine andere Möglichkeit gibt.

Der Fall Goldenbow stellt sich für den Energie-Experten der Verbraucherzentrale nach bisherigem Wissen anders da. Er würde sich schriftlich an den Netzbetreiber wenden und ihn auffordern, den Nachweis zu erbringen, dass er nicht fahrlässig gehandelt hat, erklärt Horst Frank. Schon wenn eine leichte Fahrlässigkeit vorliegt, müsse nach seiner Aussage die Wemag den Schaden voll erstatten.


Wemag verzichtet auf Selbstbeteiligung


SVZ konfrontierte die Wemag mit dem Fall. Montagnachmittag kam die Antwort: „Zu allererst möchten wir uns für die Unannehmlichkeiten, die unseren Kunden durch die Störungen im Ortsnetz Goldenbow entstanden sind, entschuldigen“, erklärt Dr. Diana Kuhrau, stellvertretende Pressesprecherin. Für ihre Kunden wolle die Wemag Netz GmbH auch in der Zukunft ein verlässlicher Partner sein und weiter gut und vertrauensvoll mit ihren Kunden in Goldenbow zusammenarbeiten, betonte sie. „Der Verteilnetzbetreiber hat sich nun mit unserer Rechtsabteilung darauf verständigt, bei allen von diesem Ereignis Geschädigten auf die Selbstbeteiligung aus Kulanzgründen zu verzichten.“

Die Störungsursache war eine defekte Stromklemme. Dieser Defekt steht nach ersten Erkenntnissen der Wemag in unmittelbarem Zusammenhang mit einem Gewitter. „Die Schutzeinrichtungen der übergeordneten 20-kV-Leitung haben am 3. August um 7.36 Uhr nach einem Blitzschlag automatisch ab- und gleich wieder zugeschaltet. Danach trat bis zur Fehlerbehebung gegen 10.30 Uhr die Überspannung im betroffenen Stromkreis an der B 321 auf“, so die Sprecherin.

Mitarbeiter der Wemag haben nach ihren Aussagen am vergangenen Freitag die komplette Überprüfung des Ortsnetzes Goldenbow begonnen, um mögliche weitere potenzielle Störquellen auszuschließen. „Einen 100-prozentigen Schutz vor derartigen Ereignissen gibt es aber leider nicht, gerade vor dem Hintergrund, dass die Gewittertätigkeiten nicht nur in unserem Netzgebiet intensiver und häufiger werden“, so die Sprecherin.


 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen