Natur : Verwilderte Katzenminze

Katzenminze hilft auch als Tee bei chronischer Bronchitis.
Katzenminze hilft auch als Tee bei chronischer Bronchitis.

Sie gehört zu den seltensten Dorfpflanzen im Altkreis Lübz und soll eine magische Wirkung auf Katzen haben

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07. November 2014, 22:00 Uhr

Die Kartierung der Dorfpflanzen in 83 Dörfern und Ortsteilen des Altkreises Lübz hat ergeben, dass die Katzenminze die seltenste Dorfpflanze ist. Nur in wenigen Exemplaren wächst sie in einem Hühnerhof und dem angrenzenden Grünstreifen an der Straße in Vietlübbe gegenüber der ehemaligen Molkerei. Die Naturschützer streben an, dass mit dem Besitzer des Grundstückes und dem zuständigen Gemeindearbeiter ein Übereinkommen erzielt wird, dass hier nur ab September gemäht wird. Dann ist nämlich die Samenreife erfolgt. Eine ähnliche Vereinbarung bezüglich der Wilden Malve wurde in Groß Poserin erreicht, darüber wird bei dem Ergebnis der Kartierung der Malven berichtet werden.

Die Katzenminze war schon früher eine seltene Dorfpflanze, das belegen die folgenden Angaben: Walter Dahnke, der berühmte Botaniker aus Parchim, schrieb 1941: „Nur vereinzelt fand ich sie bisher im Kreis Parchim und zwar in Suckow, Paarsch, Spornitz.“ 1955 gab er Funde an den Dorfstraßen in Dütschow, Kreien, Paarsch, Rom, Rönkendorfer Mühle, Spornitz und Suckow an. Aus dem Altkreis Schwerin-Land meldeten Botaniker sie nur von der Dorfstraße in Kobande. Aus den Dörfern östlich und nördlich von Sternberg liegen keine Beobachtungen aus einem Dorf vor.

Die Echte Katzenminze gehört zur Familie der Lippenblütler, ist also verwandt mit der Weißen Taubnessel, dem Thymian und dem Bohnenkraut. Die Blüten der Katzenminze sind klein und unscheinbar, weiß bis blassrötlich mit purpurrot gepunkteter Unterlippe, die Pflanze selbst kann bis zu einem Meter groß werden. Die Pflanze wächst an trockenen bis mäßig trockenen Wegrändern, an Schutt und Mauern.

In unserem Bundesland ist die Katzenminze vom Aussterben bedroht und wird ohne Schutz- und Erhaltungsmaßnahmen in Mecklenburg-Vorpommern aussterben. Die Pflanze tritt in zwei Varianten auf, die sich durch einen unangenehmen und einen angenehmen, herben, zitronenartigen, an Minze erinnernden Geruch unterscheiden. Im Volksmund heißt die Katzenminze „Rüknettel“.

Die ätherischen Öle der Katzenminze locken Katzen an. Der Name „Katzenminze“ rührt daher, dass geschlechtsreife Katzen von dem Geruch der Katzenminze angezogen werden (die Gründe dafür sind unklar). Die Reaktion der Katzen ist genetisch bedingt und nur bei etwa 50 Prozent der Katzen ausgeprägt; Jungtiere und sehr alte Katzen zeigen nur geringe Anziehung. Nicht nur die Hauskatze, auch Großkatzen (Löwe, Tiger) werden angezogen; Ratten soll der Geruch hingegen vertreiben.

Im 15. Jahrhundert verwendete man die frischen Blätter zum Würzen von Fleisch. Einen frühen Beleg für die Verwendung der Katzenminze und deren Heilwirkungen findet man im Jahre 827 im Lehrgedicht „Liber de cultura hortorum“ (Buch über die Kulturen der Gärten) des Abts Walahfrid Strabo.

Aus Katzenminze-Blättern kann Tee zubereitet werden. Die Volksmedizin schreibt ihm Linderung bei Erkältung, Grippe und Magenverstimmung zu, er gilt als fiebersenkend und schweißtreibend, krampflösend, entgiftend, harntreibend und leicht euphorisierend. Ebenso wurde der Tee als Beruhigungsmittel genutzt. Er soll auch bei chronischer Bronchitis helfen und aufgrund seiner antibakteriellen Eigenschaften Infektionen vorbeugen. Studien in den 1970er Jahren zeigten, dass er eine beruhigende Wirkung besitzt. Vor dem Essen wirkt er appetitanregend, nach dem Essen verdauungsfördernd. Diese Wirkung wird von dem psycho-aktiven Inhaltsstoffen und den verschiedenen ätherischen Ölen verursacht. Früher wurden die Blätter auch gegen Zahnschmerzen gekaut. Die Katzenminze ist in Mitteleuropa seit Mitte des 18. Jahrhunderts verwildert.



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