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Demographischer Wandel : Verwaltungen fürchten Vergreisung

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Weißhaarige Beamten am Krückstock? Der Demografische Wandel macht auch vor dem Öffentlichen Dienst nicht Halt. Aus Altersgründen werden in den kommenden zehn Jahren 19,7 Prozent der Staatsdiener in den Ruhestand gehen.

svz.de von
erstellt am 18.Jan.2012 | 09:45 Uhr

Lübz/Goldberg/Parchim | Weißhaarige Beamten am Krückstock? Der Demografische Wandel macht auch vor dem Öffentlichen Dienst nicht Halt. Davor warnte jüngst der Deutsche Beamten Bund. Allein aus Altersgründen werden nach Angaben der Beamten-Gewerkschaft in den kommenden zehn Jahren 19,7 Prozent der Staatsdiener in den Ruhestand gehen. Beamtenbund-Chef Peter Heesen unterstreicht, dass an vielen Stellen bereits Personalmangel herrsche.

Auch in der Region altern die Verwaltungen zusehends. Doch mehr noch: Verwaltungsfachkräfte sind Mangelware, selbst Ausbildungsplätze nicht immer ohne Weiteres zu besetzen. Die Abwanderungsrate ist hoch, qualifizierte Arbeitskräfte nur schwer zu bekommen.

Beispiel Goldberg: In den kommenden zweieinhalb Jahren werden dort zwei Mitarbeiter in Altersteilzeit gehen. "Das sind Stellen, die mit jungen Kräften nachbesetzt werden müssen", sagt Verwaltungschef Marko Kinski. Doch das ist leichter gesagt als getan. Eine Verwaltungsfachangestellte absolviert aktuell ihre Ausbildung im Goldberger Rathaus. "Wenn sie ihre Prüfung gut abschließt, dann werden wir sie übernehmen", sagt Kinski.

Doch schon in der Bewerbungsphase für den nächsten freien Ausbildungsplatz zeigen sich Probleme. Nur 19 Bewerbungen trafen in der Verwaltung ein. Bewerber aus der Region: Mangelware. Nur ein einziger kam aus dem Amtsbereich. Dafür flatterten der Verwaltung Bewerbungen aus dem ganzen Land, besonders viele aus den östlichen Teilen Mecklenburg-Vorpommerns, ins Haus. "Geeignetes Fachpersonal zu finden, ist schwer geworden", gibt Kinski zu. Zwei Drittel seiner Mitarbeiter seien über 50 Jahre alt. "In fünf bis zehn Jahren könnten wir ein Personalproblem bekommen", so Kinski. Trotzdem sieht der Verwaltungschef die Stadt auf einem guten Weg. "Wir wollen uns dem Problem frühzeitig stellen und für Nachwuchs sorgen", so der Amtsleiter. Durch Fusionen habe es in den vergangenen Jahren eher Personalüberhang gegeben, jetzt jedoch werde wieder der Punkt erreicht, an dem die Einstellung von Verwaltungspersonal dringend erforderlich sei.

In anderen Städten der Region sieht es nicht anders aus. Beispiel Lübz: Die Verwaltung des Amtes Eldenburg Lübz befindet sich in einer personellen Umbruchphase, Neueinstellungen sind wegen der finanziell angespannten Lage allerdings ein schwieriges Thema. Demnächst berät der Amtsausschuss die Situation (SVZ berichtet). Anfang November endete in Lübz die Bewerbungsfrist zur Ausbildung eines Verwaltungsfachangestellten. Auch hier gab es keine Flut an Bewerbung: Lediglich sechs Bewerbungen erreichten die Verwaltung.

Beispiel Landkreis: Selbst der Landkreis Ludwigslust-Parchim muss sich kräftig um sein Personal bemühen. "Besonders schwer ist es, Mitarbeiter in fachspezifischen Berufen zu finden, zum Beispiel Ingenieure", sagt Sprecher Andreas Bonin. In diesem Bereich habe der Landkreis viele Konkurrenten in der freien Wirtschaft.

Nicht nur bei der Bevölkerung in der Region, sondern auch in der Kreisverwaltung steigt das Durchschnittsalter. "Letztlich ist die Verwaltung ein Spiegel der Gesellschaft, das Durchschnittsalter liegt bei über 47 Jahren", so Bonin. Was die Auszubildenden angeht, hat der Landkreis bisher hingegen keine Probleme. "Die Verwaltung setzt auf Auszubildende", umschreibt Bonin den Plan des Kreises. Laut Fachdienst Personal mangelt es an Bewerbern bislang nicht. Im Schnitt gab es auf die ausgeschriebenen Ausbildungsplätze bisher rund 100 Bewerbungen. "Für uns ist das ein guter Wert", sagt Bonin. Auch aktuell laufen Bewerbungsgespräche. Wie viele Auszubildende der Kreis letztlich einstellt, das steht noch nicht genau fest. "Das hängt sowohl von der Qualität der Bewerber als auch vom Bedarf her ab", resümiert der Kreissprecher. Aktuell stehen beim Landkreis insgesamt fast 1300 Menschen in Lohn und Brot, 52 davon sind Auszubildende oder Beamtenanwärter. 52 Menschen, die die Kreisverwaltung davor bewahren sollen, in ein paar Jahren weißhaarig am Stock gehen zu müssen.

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