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Partner, wenn der Tod zuschlägt : Vertraute auf dem letzten Weg

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Christina Clemens und Elisabeth Schliemann haben sich über die Caritas und die Diakonie in Schwerin zu Sterbegleiterinnen und im Umgang mit Trauer ausbilden lassen.

svz.de von
erstellt am 21.Jan.2014 | 08:00 Uhr

Lübz Weil das Thema Tod aus ihrer Sicht in unserer Gesellschaft sehr oft ausgegrenzt wird und besonders die Sterbenden am Ende ihres Lebens deshalb häufig vereinsamen, haben sich Christina Clemens und Elisabeth Schliemann in einem zehnmonatigen Kurs über die Caritas und die Diakonie in Schwerin zu Sterbegleiterinnen und in Sachen Trauerarbeit ausbilden lassen. In erster Linie stehen sie jetzt Schwerkranken und Sterbenden zur Seite, sind aber ebenso Ansprechpartner für Angehörige und helfen, den Verlust besser verarbeiten zu können.

Als feststand, dass die gelernte Bautechnikerin Christina Clemens nicht mehr in ihrem Beruf arbeiten wird, entschied sie sich für die ehrenamtliche Tätigkeit. Elisabeth Schliemann – seit rund 40 Jahren kirchliche Mitarbeiterin – hatte als solche vor allem durch Beerdigungen schon vorher viel mit dem Thema Sterben zu tun. Beide Frauen beschreiben es als schön, einen Menschen als Vertrauter auf seinem letzten Weg zu begleiten und zum Beispiel pflegenden Angehörigen zu ein bisschen Freizeit zu verhelfen, indem sie etwa bei ihrer Mutter oder ihrem Vater  bleiben.

„Allerdings muss man sich selber zurücknehmen, einen gewissen Abstand wahren, um sich nicht zu sehr zu belasten“, sagt Christina Clemens. Die beim jüngsten Kurs insgesamt 18 geschulten Kräfte wurden unter anderem auch durch Filme vorbereitet: „Manche konnten zum Beispiel darin gezeigte Bilder kaum ertragen, auf denen der zunehmende Verfall eines Menschen zu sehen war. Ein Maler hatte seine totkranke Frau in unterschiedlichen Stadien dargestellt. Der richtige Umgang mit Distanz und Nähe ist ein sehr wichtiger Aspekt.“ Generell helfe Verdrängung nicht, nur Auseinandersetzung mit einem Problem. Dann sei gut, wenn jemand von außen mit Abstand berät – ohne deshalb zwangsläufig weit weg vom Gegenüber zu sein.

Die beiden Frauen treffen sich jetzt einmal im Monat mit dem Koordinator der Caritas in Parchim, der Gespräche vermittelt. „Man guckt, was man ausrichten kann“, so Elisabeth Schliemann. „Wichtig ist, unvoreingenommen und nicht mit einem fertigen Konzept zu einem Termin zu gehen.“ Eines ihrer ersten Gespräche führte die Lübzerin mit einem Mann, der mit seiner schwerkranken, inzwischen verstorbenen  Frau zuhause wohnte.  Die Töchter hatten die Caritas angerufen und um Unterstützung gebeten. „Ich habe die Frau noch gesehen und mit ihr und ihrem Mann jeweils eine Stunde lang gesprochen“, erzählt Elisabeth Schliemann. „Einen Tag später war sie tot.“

Wenn der Begleiter einmal eingeführt sei, vereinbare er selbst neue Termine beziehungsweise frage erst einmal, ob er wiederkommen soll. Auf die Frage, welche Dinge in den letzten Lebensstunden oft eine Rolle spielen, antwortet die Kirchenmitarbeiterin, dass vor allem Ängste ausgesprochen werden – etwa darauf bezogen, was aus der Familie wird. Fragen spielten letztlich kaum noch eine Rolle, sondern vielmehr, dass jemand in der Nähe ist. Man könne niemandem zum Beispiel die natürliche Angst vorm Sterben und eventuellen Schmerzen, aber die Furcht vorm Alleinsein nehmen, für Ruhe sorgen, die Hand halten und – wenn gewünscht – auch singen und beten.

„Eine Begleitung kann sich unter Umständen über Jahre hinziehen“, ergänzt Christina Clemens. „Und obwohl der Tod wie die Geburt zum Leben gehört, stehen Sterbende auch mit vorhandener Verwandtschaft oft allein vor allem, weil nicht gewünscht ist, dass übers Sterben gesprochen wird – leider relativ weit verbreitet. Bei allem Bewusstsein, professionell mit Trauer umgehen zu müssen, können aber natürlich auch wir uns nicht davon freisprechen, den Tod eines jungen Menschen als belastend zu empfinden, während er bei einem alten ebenfalls traurig, aber natürlich ist.“

Die beiden Frauen arbeiten unter anderem auch im Seniorenpflegeheim „Haus am Freistrom“ in Lübz und fragen dort regelmäßig nach, ob jemand ihr Gesprächsangebot in Anspruch nehmen möchte. Christina Clemens geht in dieser Einrichtung zum Beispiel regelmäßig zu Carola Mencke (Name geändert). Die bereits in fortgeschrittenem Stadium an Demenz erkrankte 89-Jährige lächelt, als die Besucherin das Zimmer betritt, sich zu ihr ans Bett setzt und eine Hand streichelt. Die ehrenamtliche Tätigkeit bereichere beide Seiten: „Wir bekommen für unseren Einsatz sehr viel zurück. Ein Geben und Nehmen im besten Verhältnis.“ Ilja Baatz

 

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