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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

17. Dezember 2017 | 05:28 Uhr

Kulturhaus Mestlin : Verschwenderische Farbvielfalt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die „Kunstlandschaft6“ im Mestliner Kulturhaus wurde an Christi Himmelfahrt festlich eröffnet

Ressourcenverschwendung und Müllberge, unverantwortlicher Umgang mit den Elementen Erde, Wasser, Luft und mit den Tieren. Unverantwortlicher Umgang schließlich auch mit uns selbst. Die Ausstellung „Kunstlandschaft6“, die soeben im Kulturhaus Mestlin eröffnet wurde, spiegelt deutlich wider: Es gibt einen Kipppunkt, jenseits davon rutschen das Bedürfnis nach auskömmlichem Produzieren und Konsumieren in die Verschwendung und die Folgen der Verschwendung sind zerstörerisch.

Auch wenn die zum Themabegriff „Verschwendung“ (wir berichteten) ausgestellten Arbeiten in der Mehrzahl, wie sich nun zeigt, doch in die ökologische Frage einsteigen oder Verschwendung als Herrschaftsgebaren auslegen – so ist die künstlerische Herangehensweise doch völlig unterschiedlich. Wandert man durch den weiten, luftigen Ausstellungsbereich des Kulturhauses, stürmt zunächst ein vielstimmiges Konzert der Farben, Formen und Formate, der Gemälde, Skulpturen, Fotografien, und Installationen auf den Besucher ein. So die eindringlich monumentalen Vogelfotografien von Wolf Spillner, die großformatigen Acrylbilder von Annette Stüsser zum Thema landwirtschaftliche Produktion, nicht in Erd-, sondern in grellen Schockfarben gemalt. Aber lange dauert es nicht und man ist in ein vielstimmiges Gespräch verstrickt: Was ist Verschwendung für uns Heutige? Warum verschwenden wir? Warum ist Verschwendung heute global so zerstörerisch? 22 Künstler zwischen Schwerin und Greifswald haben einen Begriff auf ihre je eigene Weise ästhetisch ausgeleuchtet, manchmal auch verwirrend mehrperspektivisch.

Goldene Erdnüsse (Renate Schürmeyer), eine goldene Bildfläche (Ulf Michaelis) und ein Mönch mit goldenen Händen (Johannes Mann). Gold, Urmetapher für Besitz- und Geltungsgier, behauptet naturgemäß in dieser Ausstellung seinen Platz. Für Mann ist das Verschwenderische und im Gegensatz zum Armutsgebot stehende Gold „Zeichen eines Führungsanspruchs“, in diesem Fall der Kirche. Renate Schürmeyer hat Erdnüsse entkernt, dann vergoldet und denunziert so Gold als den Glanz der bloßen Hülle. Und Ulf Michaelis’ Goldfond führt den nachdenklichen Betrachter schließlich an das ökologisch nicht unerhebliche Thema Verpackung heran, das in der Ausstellung häufiger behandelt wird. In der Mitte des Goldhintergrunds – in der mittelalterlichen Malerei Symbol der göttlichen Energie – hat der Künstler die Fläche einer ausgefalteten Schachtel „Grabower Küsschen“ ausgespart. Diese Aussparung durch eine Verpackung ist eine Nullstelle, irgendwie ein Nichts, so wie jede Verpackung nur Hülle ist und dennoch enorme Ressourcen verschlingt und Müllberge bildet.

Verschwendung, sagt Kurator Andre van Uehm in seiner Ansprache vor dem an diesem herrlichen Sonnentag dennoch reichlich erschienenen Publikum, Verschwendung habe es immer schon gegeben. Allerdings, aber das Verstörende: Die Verschwendung ist heute nicht mehr einer kleinen Herrschaftsschicht vorbehalten.

Wer diese Ausstellung in Mestlin besucht, wird seine Zeit jedenfalls nicht verschwenden. „Die Schau könnte so auch in einer Metropole, in Berlin zum Beispiel, gezeigt werden“, urteilt einer der Besucher und Mestlinfreund, der Kulturwissenschaftler Manfred Thrun aus Zittow bei Schwerin. Da sage man noch, auf dem Land sei nichts los.

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